Stempeljagd im Deister 1 – Edition Bad Nenndorf

Der Deister ist ein Höhenzug im Calenberger Bergland, etwa 20 km von Hannover entfernt.
Aufmerksam bin ich darauf bereits vor längerer Zeit bei einem Besuch im Wisentgehege in Springe geworden, welches nicht allzu weit vom Deister entfernt liegt.

Dass es im Deister zahlreiche Wanderwege gibt, war schnell herausgefunden. Etwas länger hat es gedauert, bis ich feststellte, dass es einen Wanderpass für den Deister gibt. In dem Wanderpass kann man 12 Stempel sammeln, die es an und in verschiedenen Einrichtungen wie zB Lokalen gibt. Hat man alle 12 Stempel gesammelt, kann man sich die Deister Wandernadel in einer der Touristeninformationen abholen.

Nun bin ich seit der Harzer Wandernadel begeisterter Stempeljäger und so habe ich eine Mail an die Touristeninformation Hannover geschickt und bereits wenige Tage später lag der Wanderpass und umfangreiches Informationsmaterial im Briefkasten.

Vor Kurzem ging es dann mit der ersten Runde der Stempeljagd los. Drei Stempel wollte ich auf der Tour einsammeln und dabei einen ersten Eindruck vom Deister bekommen.
Die Tour startete in Bad Nenndorf, wohin ich mit der Bahn gefahren bin.
Der Deister bzw die Orte am Deister sind gut ans Bahnnetz angeschlossen. Mit Zug und S-Bahn kommt man gut zu allen Startpunkten für die Deister Wanderungen. Darum habe ich meine Touren dort als “Bahn-Wanderungen” geplant.
Mit dem Niedersachsentarif sind die Fahrten vergleichsweise günstig.
Da ich mit der Bahn gefahren bin, kann ich ausnahmsweise keine zuverlässigen Angaben zu Parkmöglichkeiten geben.

Wenn alles klappt, fahre ich sehr gerne mit dem Zug. Allerdings sind meine Erfahrungen mit der Bahn im Schnitt eher durchwachsen. An diesem Tag lief aber alles ganz problemlos ab und nach etwas mehr als einer Stunde kam ich am Bahnhof in Bad Nenndorf an. Die Strecke der in der Infobox verlinkten GPX startet direkt am Bahnhof!

Vom Bahnhof aus hat man zunächst ca. 1,3 eher unspektakuläre Kilometer vor sich. Man läuft zwei Straßen entlang, gelangt in die Fußgängerzone und von dort zweigt ein Weg zum Kurpark ab. Von da an ist man endlich im Grünen angekommen und es wird interessanter.

Im Kurpark befindet sich das “Schlösschen”, wo es meinen Informationen nach einen Stempel für den Wanderpass geben sollte. Am Tag zuvor hatte ich sicherheitshalber per Mail angefragt und es ist tatsächlich so, dass es den Stempel in der Touristeninformation gibt. Die öffnet aber an den Wochenenden erst im April. Am Schlösschen findet sich an einer Tür aber ein Code, der den Stempel im Wanderpass ersetzt. Den habe ich natürlich direkt notiert.

An den Kurpark grenzt bereits die erste Attraktion, die ich bei meiner Route eingeplant hatte. Die Süntelbuchenallee. Süntelbuchen sind eine Variante der Rotbuchen und speziell ihre Wuchsform ist auffällig. Verdrehte Äste, Zweige und Stämme machen die Bäume zu einem Hingucker. Ich denke, wenn die Bäume Blätter tragen, ist die Allee noch beeindruckender. Dafür kommen zu dieser Jahreszeit die Korkenzieheräste besser zur Geltung.

Wie man auf den Fotos erkennen kann, führt ein Pfad durch die Allee, der zu den Seiten abgesperrt ist. Bitte haltet euch daran und bleibt auf dem Pfad! Am Eingang weist ein Schild darauf hin, dass der Allee durch Vandalismus bereits viel Schaden entstanden ist. Das muss nicht sein!

Hat man die Bäume ausgiebig bestaunt, führt der Weg weiter und es dauert nicht lange bis man die ersten Wegweiser zu den Deisterrundwegen entdeckt. Ein Stück ist es von hier aus allerdings noch bis dorthin.

Vorher gelangt man noch zu einer weiteren besonderen Allee, die einen niedlichen Namen trägt: die Bubikopfallee.
Auch diese Allee wird mit Blättern nochmal schöner und witziger aussehen, doch auch aktuell kann man sich schon ein ganz gutes Bild davon machen. Ich denke, bei den Wanderungen für den Wanderpass werde ich vielleicht im Sommer nochmal herkommen und mir die Alleen dann noch einmal anschauen.

Nach der Allee führt die Route über eine Straße (Achtung!) und hinein in den Erlengrund. Als ich unterwegs war, fanden dort unter der Woche Forstarbeiten statt. Entsprechend unwegsam, holprig und teilweise matschig war der Weg. Es standen auch Fahrzeuge und Maschinen dort, sodass der Abschnitt nicht so schön war. Sobald die Arbeiten beendet sind, dürfte es aber wieder lauschiger sein, denn an sich ist dieser Bereich ein Landschaftspark. Er stellt die Verbindung zwischen Kurpark und Deister dar. Am Ende des Erlengrunds geht es durch eine Unterführung unter der Autobahn hindurch.

Auf der anderen Seite der Unterführung erreicht man bereits den Deisterrand und bis zur Cecilienhöhe ist es nur noch ein Katzensprung. An der Cecielienhöhe gibt es neben einer Schutzhütte ein Ausflugslokal, das bei meiner Wanderung allerdings noch eine Baustelle war. Lange war das Restaurant eine Ruine, es wird aber neu wieder aufgebaut und hat für ein Ausflugslokal dann ganz sicher die beste Lage! Für mich gab es hier einen kurzen Stopp in der Schutzhütte.
Auf dem Schild über dem Eingang steht: Bei Sturm und Wetter sei diese Hütte dein Retter!
Ein sehr schöner Spruch, wie ich finde.

Das nächste Etappenziel mit Stempel auf der Runde ist das Ausflugslokal Mooshütte. Direkt bei der Schutzhütte weisen Schilder in die entsprechende Richtung. Nun wird der Weg auch ein wenig steiler und waldiger. Er ist aber dennoch gut zu gehen und den Anstieg bemerkt man kaum in den Beinen. Rechts und links vom Weg ist Wald und es ist wirklich ein schöner Waldweg.

An einer Bank habe ich einen kurzen Stopp eingelegt und nochmal etwas getrunken. Plötzlich raschelte es im Wald und im nächsten Moment stürmten fünf Rehe von links nach rechts über den Weg. Wow, da möchte man nicht im Weg stehen!

An der Mooshütte kann man bespielsweise parken. Dort gibt es einen Parkplatz. Speziell am Wochenende ist der aber sehr schnell voll, denn das Restaurant ist wohl sehr gut besucht. Den Stempel für den Wanderpass bekommt man im Restaurant. Ich habe dort eine Dame vom Personal angesprochen und sie hat mir den Pass abgestempelt. Leider konnte ich kein Foto von der Mooshütte machen, es war dort einfach zu viel los.

Im weiteren Verlauf der Tour gelangt man zu einem lustigen Wegweiser. Zwar gibt es solche Wegweiser inzwischen an vielen Orten, aber ich mag sie immer wieder gerne. Wohin würdet ihr gerne reisen?

Bis zu nächsten Stempelziel sind es von hier aus jedenfalls nur noch wenige hundert Meter, dann erreicht man die Waldgaststätte Teufelsbrücke. Auf dem letzten Stück dachte ich hier und da, ich muss falsch sein. Der Weg führt leicht steil bergab und es sieht zunächst gar nicht danach aus als führe er zu einem Lokal. Tut er aber, versprochen! Am Ende sind es noch ein paar grobe Stufen im Waldboden, dann kommt man an der Teufelsbrücke an. Ich muss zugeben, ich hatte sie mir verwegener vorgestellt.

Der Sage nach erlegte hier einst ein Jäger einen Hirschen. Damals floß hier allerdings noch ein wilder Bach und der Hirsch lag auf der anderen Uferseite. Der Jäger fluchte so arg, dass selbst der Teufel mal nachschauen kam, wer sich dort so aufführte. Wie es sich für den Teufel gehört, bot er dem Jäger einen Pakt an. Er würde eine Brücke über dem Bach errichten. Sollte der Jäger jedoch noch einmal seinen Namen nennen, würde er ihn mit in sein Reich nehmen. Der gierige Jäger willigte ein, die Brücke erschien und er kam an seine Beute. Später brüstete er sich dann aber in der Kneipe damit, den Teufel überlistet zu haben und schwupp erschien dieser erneut auf der Bildfläche und zog den Jäger mit sich in die Hölle.

Mir persönlich hat die Waldgaststätte Teufelsbrücke sehr gut gefallen. im Biergarten stehen rustikale Bänke und Tische und es gibt sogar ein Nussbuffet für Eichhörnchen und Vögel. Außerdem bekommt man einige leckere Gerichte und vor allem kalte Getränke. Ich habe mir eine Portion Pommes und ein großes Spezi gegönnt und ausgiebig gerastet. Den Wanderpass hat mir eine nette Dame vom Personal abgestempelt. Damit hatte ich meine angepeilten drei Stempel zusammen. Außerdem habe ich beim Essen den Rückweg umgeplant, denn ich wollte wenigstens halbwegs eine Rundtour aus der Wanderung machen.

Das erste Stück von der Waldgaststätte aus läuft man auf dem gleichen Weg, auf dem man hergekommen ist. Dann schlägt die Route eine andere Richtung ein und führt auf einem breiten Forst- und Wanderweg durch den Wald hin zum sogenannten “Fenster zum Urwald”. Durch den Rahmen schaut man in den Naturwald Steinbrink.

Im Naturwald werden weder Bäume gefällt, noch gepflanzt. Dort hat alleine die Natur das Zepter in der Hand. Eigentlich kaum vorstellbar in Deutschland, oder? Die Tafeln informieren anschaulich und interessant über die Naturwälder bei uns. Ein toller Zwischenstopp, der auf dem Rückweg sehr gelegen kam.

Alles was man am Anfang der Wanderung bergauf gegangen ist, läuft man nun gemächlich wieder bergab und gelangt als nächstes zur Deister Alm. Auch hier kann man gut eine Wanderpause einlegen und etwas essen und / oder trinken.

Die Deister Alm ist mti dem Auto erreichbar, es gibt dort Stellplätze. Man läuft auf der Runde ein kurzes Stück auf der holprigen Straße, biegt dann aber links ab. Nicht daran vorbeilaufen, der schmale Weg kann leicht übersehen werden.
Nun kommt nochmal Abwechslung in die bisher so waldige Landschaft und man ist auf einem Feldweg unterwegs.

Er führt geradewegs zur Bantorfer Höhe, wo man bereits wieder mehr im Wald ist. Ein hölzernes Schild informiert darüber, dass man von diesem Punkt aus in die Norddeutsche Tiefebene blickt. Dazu gibt es Entfernungen zu markanten Orten in der Umgebung.

Auf dem restlichen Weg habe ich ein paar kleinere Schlenker eingebaut um noch näher an einen Rundkurs zu kommen. Dabei kommt man an der Densinghäuser Quelle vorbei, die ein Fledermausquartier ist. Eine Infotafel stellt zahlreiche Fledermausarten vor. Wie ich finde, eine sehr schöne Nutzung der Quelle.

Nun geht die Tour in den Endspurt. Man gelangt zurück zu der Straße, die man beim Start überquert hat, geht natürlich auch jetzt wieder hinüber auf die andere Seite, bleibt eine Weile auf dem kombinierten Fuß- und Radweg und biegt schließlich ab zur NABU Oase.

Auf dem Areal wird Lebensraum für Pflanzen und zahlreiche Tiere geboten. Es gibt ein großes Insektenhotel, Nistkästen, eine Trockenmauer und auch eine Kräuterspirale. Eine solche habe ich dort zum ersten Mal überhaupt gesehen. Zahlreiche Tafeln informieren über die Tiere, Pflanzen, deren Lebensräume und vieles mehr.
Ist man am oberen Ende der Oase angekommen, gelangt man auf den Weg zur Bubikopfallee und damit im weiteren Verlauf wieder in den Kurpark. Von dort führt die Route auf dem gleichen Weg zurück zum Bahnhof wie beim Hinweg. Ich empfehle bei passendem Wetter aber noch einen Besuch der Eisdiele Casagrande in der Fußgängerzone um sich den Abschnitt an der Straße entlang zu versüßen.

Mir hat die Wanderung sehr gut gefallen! Die Anstiege halten sich in Grenzen, der Matschanteil ging gegen Null. Die Wege sind sehr abwechslungsreich. Von Forstwegen, über Waldwege bis hin zu Schotter und etwas Asphalt ist alles dabei, jedoch in einem sehr guten Verhältnis. Es gibt viel Sehenswertes am Weg und mehrere Einkehrmöglichkeiten. Mir sind zahlreiche Hundewanderer begegnet, also scheint der Deister auch für Vierbeiner spannend zu sein.

Informationen (Stand 03 / 2022)

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