Hessigheimer Felsengärten & Neckarschleife

Zu dieser Wanderung kam es im Urlaub eher zufällig. Ich habe auf googlemaps die Gegend abgesucht und bin auf die Hessigheimer Felsengärten aufmerksam geworden. Schnell hatte ich entdeckt, dass man sie gut mit einem Besuch des Aussichtspunkts der Neckarschleife kombinieren kann.

Das Auto habe ich auf dem Parkplatz Kleines Neckarle in Besigheim abgestellt. Der Parkplatz ist groß und unter der Woche war es kein Problem, einen Platz zu bekommen. Am Wochenende könnte das uU schwieriger sein, daher kann es nicht schaden, sich nach Alternativen umzuschauen. Die Tour ist ein Rundweg von ca. 18 km, also kann man auch an anderen Punkten einsteigen. Der besagte Parkplatz war am Wochentag kostenpflichtig. allerdings erstaunlich günstig. Wenn ich mich richtig erinnere, waren die ersten beiden sogar Stunden kostenlos.

Vom Parkplatz aus ist man die ersten zwei Kilometer an einer großen Straße unterwegs. Teils läuft man auf einem Radweg und Spaß macht das nicht, wie man sich denken kann. Doch dann kommt ein Schild und der Weg zweigt ins Grüne ab.

Sofort wird die Landschaft um Längen schöner und man bewegt sich auf einem breiten Feld- und Wiesenweg. Die Felsengärten standen damit als erstes Etappenziel fest und mit 2,5 km sind sie nicht weit entfernt.

Die Hessigheimer Felsengärten sind ein Naturschutzgebiet. An und auf den Felsen wachsen seltene Moose, Flechten und bestimmte Blühpflanzen. Dort brüten auch Vögel, die man sonst nur an wenigen Orten antrifft. Bis 1900 waren die Felsengärten Weidegebiet für Schafe und Ziegen, die als tierische Gärtner dort “arbeiteten”. Als diese Zeit endete, verbuschte das Areal und wurde später vom Buschwerk befreit. Heute ist es ein beliebtes Ausflugziel mit einem gewissen Nervenkitzel.

Auf dem Weg dorthin kommt man an Obstwiesen vorbei und auch die ersten Weinberge kommen bald in Sicht. Die Straße hört man bereits nach wenigen Schritten nicht mehr und ich verrate schon mal vorab, dass das auch unterwegs fast immer so bleibt. Eine solch große Straße trifft man auf der Runde nicht mehr an. Dafür bietet sich bald der erste Blick auf den Neckar. Wie man sieht, ist man hier bereits auf einer gewissen Höhe angelangt.

Auf eine große Straße trifft man unterwegs zwar nicht mehr, aber eines muss man wissen, wenn man in der Gegend wandert: man ist oft in den Weinbergen unterwegs und das bedeutet, man läuft auf Asphalt. Denn natürlich müssen Erntewagen etc. sich in den Weinbergen fortbewegen können. Mir war das vorab gar nicht so richtig bewusst gewesen und ich gebe zu, ich mag Waldwege lieber. Aber natürlich haben die Weinberge ihren Reiz, wie man auf der Tour schnell feststellt.

Oberhalb der Felsengärten kommt man an der schmucken Hütte der Bergwacht vorbei, die einen kurzen Rundumblick lohnt. Ein witziges Schild warnt davor, hinter der Hütte gewisse Geschäfte zu verrichten, worüber ich sehr lachen musste. Das Gebot der Bergwacht kannte ich bis zu diesem Tag auch nicht: Die Güter der Heimat zu schützen, dem Nächsten zu helfen in Not, dem Volk und der Heimat zu nützen, das ist der Bergwacht Gebot.

Ein schmaler Pfad führt hinter der Hütte hinunter in die Felsengärten. Man kann auch auf einem Weg etwas oberhalb davon daran vorbeigehen und auf die Felsen hinunterschauen. Ich empfehle aber unbedingt, sich direkt bei den Felsen umzuschauen. Ganz ungefährlich ist das nicht, also ein bisschen aufpassen beim Staunen! Die Felsen sind übrigens auch ein Klettergebiet. An vielen Stellen findet man die Metallösen, in denen die Kletterer ihre Haken einhängen.

Man kann ein ganzes Stück zwischen den Felsen laufen und auf einige kleinere auch hinaufklettern. Ich gebe zu, solch imposante Felsen hatte ich in den Weinbergen gar nicht vermutet. Es ist wirklich beeindruckend und ich habe mich dort geraume Zeit umgeschaut. Scheinbar hatte ich an dem Montag richtig Glück, dass außer mir niemand dort war. Man liest an verschiedenen Stellen, dass an den Wochenenden dort oft Massenandrang herrscht. Wenn es also möglich ist, kommt in der Woche in die Felsengärten.
Nach einer kleinen Kletterpartie kann man von dort aus wieder auf den Neckar hinabschauen.
Aber wie gesagt: Vorsicht, passt auf, wohin ihr tretet!

Wenn man sich endlich von den spannenden Felsen losgerissen hat, geht es auf dem Weg etwas bergauf, aber in vertretbarem Maße. Man hat weiterhin Blick auf die Weinberge und da ist es nicht verwunderlich, dass man bald zur Schönsten Weinsicht 2016 Württemberg gelangt. Dort kann man auf einigen Bänken eine Rast einlegen und etwas trinken und / oder essen.

An diesem Punkt entdeckte ich die ersten krummen Treppen in den Hängen und da ich aus der Planung wusste, dass auch meine Route eine solche Treppe in petto haben würde, meldeten sich erste Bedenken an. Zum Glück konnte ich sie beiseite schieben. Hätte ich gewusst, was mir noch bevorstehen würde, hätte ich vermutlich über einen Abbruch nachgedacht. Aber so konnte ich den weiteren Weg ausgiebig genießen. So schön schmal, so urig, weg von den Asphaltwegen in den Weinbergen und so herrlich grün.

So geht es aber nicht immer weiter. Nach einer Zeit ist man erneut mitten in den Weinbergen und auf Asphalt unterwegs. So weit man schaut, nur Wein, Wein und nochmals Wein. Wer sich dafür interessiert, findet an vielen Stellen kleine Schilder, die darüber informieren, welch edle Traube dort angebaut wird. Ansonsten gibt es direkt in den Bergen nicht so viel zu sehen. Was dort wiederum praktisch ist, es gibt immer Nischen mit Bänken oder einen Unterstand. Das ist gut für eine Pause und hat mir auf anderen Touren auch bei Regen gute Dienste getan. Sicher gehören diese Unterstände, Bänke usw jemanden, doch wer sie so verlässt, wie er ihn vorgefunden hat, sollte keine Probleme bekommen.

Plötzlich wies mein Track nach rechts, wo ich allerdings gar keinen Weg entdecken konnte. Dafür eine Treppe. Und was für eine! Sie quetscht sich auf den ersten Stufen hinter einer kleinen Hütte entlang und führt dann steil abwärts. Die Stufen sind krumm und schief, ein Geländer gibt es nicht und wer Höhenangst hat, der ist auf dieser Treppe verloren. Ich habe auch ein wenig Probleme damit und bin einige Stufen quasi sitzend hinabgestiegen. Hier und da gibt es ein Seil an der Seite, das als mickriges Geländer hilfreich sein kann. Ich hatte ernsthaft Zweifel daran, dass dies ein offizieller Wanderweg sein sollte.

Geradeaus schaut man von der Treppe bereits auf die Neckarschleife, doch dabei ist mir nur schwindelig geworden. Also habe ich auf meine Füße geschaut und bald etwas an der Mauer huschen sehen. Endlich unten angekommen, sonnte sich dieses niedliche Kerlchen und ich habe es eine Weile beoachtet bis sich die Nerven wieder beruhigt hatten und das Zittern nachließ. Unten am Fuße der Treppe gibt es tatsächlich ein Wanderwegschild. Das hätte mich oben mehr beruhigt.

Von der Käsbergkanzel hat man eine grandiose Aussicht auf die Neckarschleife. Hier lohnt sich eine längere Pause und die habe ich dort auch eingelegt. Auf einer Tafel kann man sich über verschiedene Punkte informieren, die in der näheren und weiteren Ferne liegen und teilweise bei passendem Wetter sichtbar sind.

Ohne je in Italien gewesen zu sein, mich hat dieser Abschnitt in den Weinbergen irgendwie daran erinnert. Die schiefen Treppen, die groben Mauern, der helle Stein, die Wärme und die exotischen Tiere und Pflanzen vermitteln mediterranes Flair. Auch wenn man wieder einmal festen Boden unter den Schuhen hat, das fällt so gar nicht weiter auf. Was habe ich über die riesigen Kakteen gestaunt, die hier einfach so wachsen.

Den größten Abstieg hat man über die halsbrecherische Treppe bereits geschafft, aber auch sonst führt der Weg von hier aus stetig abwärts. Unten im Ort läuft man an einem kleinen Selbstbedienungsladen entlang, wo man Obst und andere kleine Leckereien kaufen kann. Ich habe mir einen Apfel gegönnt, das Geld in die Kasse des Vertrauens geworfen und bin gemütlich weitergewandert. Man überquert auf einer Brücke den Neckar und kann dabei einen spannenden Blick in eine Schleusenanlage werfen.

Ein Stück weit hinter der Brücke zweigt die Route nach rechts ab und man ist nun einige Kilometer lang auf einem schmalen Weg am Neckarufer unterwegs. Auf der linken Seite gibt es sogar Wald! Das Gebiet dort nennt sich Neckarhalde und ist genau wie die Felsengärten ein Naturschutzgebiet. Am Hang links liegen zahlreiche kleine Gärten, die an Schrebergärten erinnern. Einige sehen gut, urig und gepflegt aus, andere dagegen wirken als ob sie seit Jahren nicht mehr genutzt worden wären.

Liegt die Neckarhalde hinter einem, befindet man sich im Endspurt der Tour. Man gelangt auf einen weiteren Weg zwischen Weinbergen und passiert einige kleine, lauschige Teiche.

Nun geht es noch eine kleine Weile durch den Ort, ehe man wieder am Parkplatz ankommt. Auf diesem Stück läuft man natürlich nochmal an einer Straße entlang.

Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Tour, die uA auf spannenden Wegen verläuft. Die Felsengärten sind wunderschön und beeindruckend und der Ausblick von der Käsbergkanzel ist grandios. An vielen Stellen hat man dazu eine tolle Aussicht auf den Neckar und in die Weinberge. Einige kleinere sehenswerte Highlights gibt es am Weg auch noch. Es gibt einige Anstiege, allerdings im Rahmen und machbar. Der Anteil von Asphalt und weichen Wegen hält sich die Waage. In den Weinbergen kommt man um Asphalt nicht herum.

Informationen (Stand 03 / 2022)

  • Name: Hessigheimer Felsengärten & Neckarschleife (GPX)
  • Start- / Zielpunkt: Parkplatz Kleines Neckarle in Besigheim
  • Länge: ca. 18,5 km
  • Feld-, Wald- und Wiesenwege, aber auch viele Asphaltwege
  • Hessigheimer Felsengärten

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