Stempeljagd im Deister 3 – Edition Egestorf – Springe

Der Deister ist ein Höhenzug im Calenberger Bergland, etwa 20 km von Hannover entfernt.
Aufmerksam bin ich darauf bereits vor längerer Zeit bei einem Besuch im Wisentgehege in Springe geworden, welches nicht allzu weit vom Deister entfernt liegt.

Dass es im Deister zahlreiche Wanderwege gibt, war schnell herausgefunden. Etwas länger hat es gedauert, bis ich feststellte, dass es einen Wanderpass für den Deister gibt. In dem Wanderpass kann man 12 Stempel sammeln, die es an und in verschiedenen Einrichtungen wie zB Lokalen gibt. Hat man alle 12 Stempel gesammelt, kann man sich die Deister Wandernadel in einer der Touristeninformationen abholen.

Nun bin ich seit der Harzer Wandernadel begeisterter Stempeljäger und so habe ich eine Mail an die Touristeninformation Hannover geschickt und bereits wenige Tage später lag der Wanderpass und umfangreiches Informationsmaterial im Briefkasten.

Entgegen meiner Vorliebe ist diese dritte Stempeljad keine Rundwanderung. Vielleicht waren Stempeljagd 1 und Stempeljagd 2 schlecht gewählt, aber es wurde nun schwer bis unmöglich, noch Rundtouren zu erstellen. Daher führt diese Wanderung vom Bahnhof Egestorf zum Bahnhof Springe. Der Deister ist zum Großteil sehr gut an die Bahn angeschlossen, da ist das leicht machbar.
Stolze 19,5 km sind auf dieser Wanderung zu bewältigen.
Da der Deister nicht unbedingt in meiner Nachbarschaft liegt, sollten es auf dieser Tour drei Stempel für den Wanderpass werden.

Die erste Stempelstelle der Tour sind die Wennigser Wasserräder. Bis dorthin ist es eine ganz typische Deister Wanderung. Mal sonnig, mal schattig mit breiten und bequemen Wanderwegen und ausgesprochen moderaten Anstiegen. Man startet direkt am Bahnhof Egestorf, läuft ein Stück entlang der Bahnstrecke, die man schließlich überquert. Nun ist man im Wald angekommen und gefühlt ganz weit weg vom Ort.

Das Mundloch des König-Wilhelm-Stollens liegt am Weg und ist speziell an heißen Tagen einen näheren Blick wert. Es kommt ausgesprochen kühle Luft heraus. Der Stollen ist ein Naturdenkmal und Winterquartier für Fledermäuse und Amphibien. Überall im Deister stößt man auf Überbleibsel der Zeit des Bergbaus. Dieses hier ist spannend und dient einem sehr guten Zweck.

Schon früh an der Strecke ist der Annaturm ausgeschildert. Überhaupt ist die Beschilderung auf der Tour einmal mehr wirklich sehr gut. Erst gegen Ende wird es etwas schwieriger, weshalb ich dazu rate, die Route auf dem Handy dabei zu haben. Doch ehe es zum Turm geht, wandert man weiter in Richtung der Wasserräder. Es geht an einem kleinen Teich vorbei und weiter zum größeren Blanke-Teich.

Der Blanke-Teich ist ein weiteres Relikt aus Zeiten des Kohlebergbaus im Deister. Der Stauteich beherbergt heute eine Vielzahl an Amphibien und liegt recht idyllisch. Eine Bank lädt zu einer Rast ein, wofür es hier für mich aber noch zu früh war. Zu der Frage, woher der Teich seinen Namen hat, gibt es zwei unbestätigte (!) Theorien. Die eine besagt, ein Selbstmörder namens Blanke habe sich dort ertränkt. Der anderen zufolge, soll dort ein Bergmann namens Blanke bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen sein.

Nun sind die Wennigser Wasserräder nicht mehr weit. Dort gibt es einen großen Rastplatz mit Bänken und dieses Plateau mit der gemütlichen Hängematte. Ich finde solche Hängematten im Wald inzwischen ja viel cooler als diese Wellenliegen, die man mittlerweile so oft vorfindet. Einmal probeliegen ist bei einer Hängematte natürlich Pflicht! Wenn man nicht allzu groß ist, ist das ausgesprochen bequem.

Die Wennigser Wasserräder sind absolut sehenswert. Die Ausstellung von mehr als 20 Wassermühlenmodellen liegt am Hang und ist von einem Holzzaun umgeben. Jedes Jahr im März werden die Modelle aufgebaut und am letzten Samstag im April feierlich eröffnet. Bis zum letzten Samstag im September kann man sie sich anschauen. Die ersten Modelle gab es bereits 1957, seither blickt die Anlage auf eine bewegte Geschichte zurück. Vandalismus und Stürme setzten ihr mehrmals zu. Inzwischen betreut die Bastlergemeinschaft der Wennigser Wasserräder e.V. die Anlage und hält sie in Stand.
Zu sehen sind neben Märchenszenen mit Zwergen, auch Veranstaltungen wie das Wennigser Freischießen, ein Riesenrad, ein Kettenkarussell, bekannte Figuren aus der Sesamstraße und noch vieles mehr.
Der Kasten mit dem Stempel für den Wanderpass hängt am Zaun. Hier darf man selber stempeln.

War die Tour bis zu den Wasserrädern noch entspannt, so zieht sie auf dem folgenden Anstieg zum Annaturm spürbar an. Es geht bergauf, und zwar zünftig! Schatten sucht man auf dem Weg außer ganz am Rand vergebens. Der Weg ist zwar ebenfalls ein breiter Wanderweg, aber an einem warmen Tag kann er einen schon ordentlich ins Schwitzen bringen. Ich werde niemals ein Fan davon werden, wenn es auf Wanderungen aufwärts geht.

Aber wie so oft, der Aufstieg lohnt sich! Am Turm gibt es einen schönen Biergarten mit Getränken, Snacks und dem zweiten Stempel für den Wanderpass. Nachdem ich mich bei einem Spezi und einem Stück Kuchen vom Weg herauf erholt hatte, bin ich noch den Turm hinaufgestiegen. Wenn ich richtig gezählt habe, sind es 116 Stufen. Der Turm kann kostenfrei bestiegen werden. Von oben hat man eine sehr schöne Aussicht und einen weiten Blick bis über den Deister hinaus. Außerdem versteckt sich dort oben ein Geocache, nämlich GC1M384.
An dieser Stelle auch unbekannterweise Grüße an den Radler, mit dem ich mich auf dem Turm kurz unterhalten und Fotos gemacht habe!

Nachdem man sich im Biergarten gestärkt und erholt und den Blick vom Turm ausgekostet hat, führt die Route geraume Zeit auf dem Kammweg entlang. Das ist zwar nicht sonderlich spannend, läuft sich aber entspannt und das kommt nach dem Weg herauf ganz gelegen. Es gibt einen kleinen Abzweig hinunter nach Springe, kurz nach dem Turm. Diesen Abzweig lässt die Strecke rechts liegen. Man wandert gemütlich weiter und an zwei hübschen Rastplätzen vorbei. An einem begrüßen einen Katz und Maus, am anderen steht der Taternpfahl.

Eine Tafel informiert über die Herkunft und Bedeutung des Begriffs “Tatern”. Heute würde man wohl “Sinti und Roma” sagen. Vor mehreren hundert Jahren mussten sie auf ihrem Weg von Wennigsen nach Springe hier drei Tage bleiben, ehe sie in Begleitung eines Jägers nach Springe durften. Dort durften sie dann für drei Tage ihre Dienste wie zB Wahrsagen anbieten, dann mussten sie weiterziehen. Soweit laut Schild die Überlieferung. Wer eine gewisse Affinität zu Übersinnlichem hat, dürfte auf dieser Tour auf seine Kosten kommen mit dem Taternplatz und dem Blanke Teich.

Auf dem folgenden Wegabschnitt habe ich aus gutem Grund nicht fotografiert. Die Route zweigt vom breiten Wanderweg aus nach rechts ab und es geht geradewegs in die Wildnis. Sträucher knöchel- bis schulterhoch, der Weg kaum noch zu erkennen, geht es querwaldein. Irgendwann war das bestimmt ein Weg, nun ist es der reinste Stolperpfad. Damit hätte ich leben können, aber es gilt außerdem einen Bach in einer Senke zu überqueren. Im Sommer bei Trockenheit gar kein Problem. Hat es länger geregnet, dürfte man aufgeschmissen sein. Die Hänge rechts und links vom Bach sind allerdings steil und auch auch im Sommer rutschig. Ich habe mich direkt mal auf die Nase gelegt. Selten war ich so froh als ich wieder auf einem Wanderweg ankam.

Nun ist man in einem Teil vom Deister angelangt, der spürbar ruhiger und weniger touristisch gestaltet ist als die Gegenden, in denen ich sonst unterwegs war. Ich habe lange keine Menschenseele getroffen. Die Wege sind nicht so gut ausgebaut und es gibt auch keine Attraktionen am Wegesrand.

Den dritten und letzten Stempel auf dieser Tour kann man sich am Naturfreundehaus Deisterhütte abholen. Die Route führt direkt daran entlang. Bitte nicht mit der Deisterpforte verwechseln, die ist woanders! An der Deisterhütte gibt es einen großen Spielplatz und auch Übernachtungen sind dort möglich.

Zwischen Feldern entlang wandert man hinunter nach Springe und dort weiter zum Bahnhof, der gut erreichbar gelegen ist.

Einmal mehr eine sehr schöne Wanderung im Deister. Es gibt viel zu entdecken und erleben, wobei besonders die Wasserräder und der Annaturm zu empfehlen sind! Die Wege sind bis auf einen Abschnitt von ca 1 km breit, gut ausgebaut und bequem zu laufen. Der Aufstieg zum Annaturm ist knackig, aber auch der einzige anstrengende Teil der Tour. Den besagten etwa einen Kilometer langen Part solte man nur bei trockenem Wetter angehen, ansonsten dürfte es in einer Schlammschlacht enden. Ganz ungefährlich ist er auch nicht.Im Zweifel also lieber nach einem Alternativweg schauen.

Informationen (Stand 08 / 2022)

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