Hörspieltourist – Ein besonderer Spaziergang in der Rattenfängerstadt Hameln

Ist der Rattenfänger zurückgekehrt?

Heute gibt es einen Artikel, der ganz bestimmt Sepcial Interest ist.
Aber die Idee dieses besonderen Stadtspaziergangs in Hameln schlummert bereits so lange auf meiner Bucketlist, dass ich sie nach meiner Wanderung kürzlich einfach umsetzen musste.

Es gibt eine Hörspielserie namens “Faust Jr. ermittelt”, die ich übrigns wärmstens empfehlen möchte!
Frank Faust ist ein Privatdetektiv aus Bochum, leicht verwegen, etwas schrullig, ständig pleite, aber auch clever und witzig.
In insgesamt 12 Folgen löst er -häufig gemeinsam mit seiner pfiffigen Nichte Luna- spannende Fälle.
Dabei gibt es immer etwas zu lernen, denn es sind Wissenshörspiele.
Tutanchamun, Dracula, Störtebeker, Frankenstein und viele mehr, Frank kennt sie alle. Egal, ob ein Vampirsarg über eine Grenze geschmuggelt werden soll, ein neuer Frankenstein umgeht oder ein Totenschädel verschwindet, Frank ist immer mitten drin und geht den Dingen auf den Grund. Das ist unterhaltsam und vermittelt ganz nebenbei einiges an Wissen rund um diese sagenhaften Gestalten. Und es ist lustig. Die Hörspiele sind unfassbar witzig und ganz sicher auch etwas für ältere und erwachsene Hörer.

Eine meiner Lieblingsfolgen ist die Nr. 7 – “Die Rückkehr des Rattenfängers“, die in Hameln spielt.
Auf diesem kleinen Stadtspaziergang habe ich mir die verschiedenen Schauplätze der Geschichte angeschaut.
Filmtourismus ist nichts Neues, aber Hörspieltourismus? Probieren wir es doch einfach mal aus!

Ich war nicht alleine unterwegs, ich hatte Begleitung.

Hier wirft der kleine Herr Kollege vom Wanderweg aus einen ersten Blick auf Hameln. Für seinesgleichen eine schicksalhafte Stadt.

Von dort aus sind wir bergab zur Weser spaziert und über die große Brücke in die Stadt. Von der Brücke aus hat man eine sehr schöne Aussicht auf Hameln, die Weser und das Wehr. An diesem Tag war die Weser ganz glatt, im Hörspiel fließt sie unruhig. So als ahne der Fluss, dass sich an seinen Ufern Seltsames und Unheimliches tut.

Kaum in Hameln angekommen, begegnet Faust dem jungen Straßenmusiker Janus. Die beiden lernen sich in einer Unterführung kennen, wo Janus auf seiner Gitarre spielt und singt. Ich hatte zunächst eine andere Unterführung näher an der Weser im Verdacht, bin aber später auf diese hier gestoßen, die mir wahrscheinlicher erscheint. Die Schauplätze der Geschichte liegen nämlich -betrachtet man sie auf einer Karte- ziemlich auf einer Linie. Darunter eben auch diese Unterführung.

Auch Luna und Janus treffen sich bei dieser Unterführung zum ersten Mal, was sich später noch als schicksalhaft herausstellen wird.
Doch weshalb sind Faust und Luna überhaupt in Hameln? Faust ist dort, weil seine Mutter der Meinung ist, er müsse endlich mal etwas Richtiges arbeiten. Darum hat sie ihm ein Vorstellungsgespräch im Museum Hameln eingebrockt, das Faust mehr oder minder glänzend besteht. Jedenfalls darf er das Museum bei der anstehenden Neueröffnung unterstützen, wobei er auf seltsame Vorkommnisse stößt. Gab es den Rattenfänger tatsächlich? Und ist er etwa zurückgekehrt?

Luna dagegen hat ein Praktikum bei einer Hamelner Zeitung ergattert. Im Hörspiel wird erwähnt, dass Faust und sie den gleichen Weg zu ihren Jobs haben, weil das Museum und die Redaktion nebeneinander liegen. Ganz stimmt das zwar nicht, aber es liegen tatsächlich nur weniger Gebäude dazwischen. Scheinbar jobbt Luna also bei der Deister- und Weserzeitung.

Ganz in der Nähe trifft Faust den ersten Rattenfänger in Hameln, nämlich bei der Rattenfängerstatue. Die steht wirklich nahe beim Museum und der Zeitungsredaktion. Und es stimmt auch, dass man dort auf den einen einen oder anderen Rattenfänger treffen kann. Denn die Statue gehört zu den Stationen, die auf einer Stadtführung mit einem Rattenfänger angesteuert werden. Ich hatte sie mir größer vorgestellt und wäre beinahe daran vorbeigelaufen.

Hier hört Faust zum ersten Mal die Geschichte vom Rattenfänger und sie klingt doch etwas anders als sie landläufig erzählt wird. Gegenüber an der Ecke Ostertorstaße / Bungelosenstraße steht das Rattenfängerhaus. Die Inschrift unter dem Dach erzählt vom Drama der Rattenfängergeschichte, der Entführung der Kinder. Das Schild auf dem Foto hängt weiter unten am Haus, damit man sich beim Lesen nicht den Nacken verrenken muss. Genau dort stehen auch Faust und der Rattenfänger.

“Anno 1284 / Am Dage Johannis und Pauli/ war der 26. Juni / Durch einen Pieper mit allerley Farve bekleidet gewesen / CXXX Kinder verledet / Binnen Hameln geboren / To Calvarie bei den Koppen verloren.”

Eine erste Spur im Fall des Rattenfängers führt Faust des Nachts in die Krypta St. Bonifatius. Dort händigt ihm eine unheimliche Gestalt ein sagenunwobenes Buch aus. Eine dezent schaurige, aber auch sehr spanneden Szene an einem richtig coolen Schauplatz.
In der Kirche habe ich nicht fotografiert, irgendwie erschien es mir fehl am Platze. Doch auch von außen ist die Kirche beeindruckend und man kann sich gut vorstellen, dass sie bei weniger sommerlichem Wetter etwas Unheimliches an sich hat.

Als Luna plötzlich verschwindet, spitzt sich die Lage in Hameln zu und Faust gerät immer mehr unter Druck. Er muss dringend Licht ins Dunkel um den Rattenfänger bringen. Als er denkt, es könne nicht mehr schlimmer werden, bekommt er einen Anruf eines alten Bekannten. Und der hat gleich die nächste Hiobsbotschaft auf Lager. Der Anruf erreicht Faust bei der Eröffnungsfeier des Museums in der Marktkirche St. Nicolai Hameln. Auch sie kann man besichtigen, aber auch dort habe ich von Fotos abgesehen. Von außen sprach natürlich nichts dagegen.

An diesem Tag endete meine kleine Stadttour in Hameln auf den Spuren von Faust und Luna an dieser Kirche.
Die Geschichte ist an dieser Stelle aber noch nicht zuende. Allerdings wechselt der Schauplatz zum Ende hin ins nahegelegene Coppenbrügge und den Wald dort. Dafür hatte ich leider keine Zeit mehr, aber es wird sicher einen zweiten Teil dieser “Reihe” geben und dann geht es für den kleinen Kollegen und mich zu den Koppen und zur Teufelsküche. Was uns dort wohl erwartet…?

Falls ihr bis zu dem Ausflug nach Coppenbrügge noch nach tollen Wandertouren in der Region Hameln-Pyrmont sucht, der Deister ist nicht weit: Stempeljagd im Deister

Informationen (Stand 08 / 2022)


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