Vom Hengsteysee zur Ruine Hohensyburg bei Hagen & Dortmund

Hätte mir vor einem Jahr jemand gesagt, dass das Ruhrgebiet zu einem meiner liebsten Ausflugs- und Wanderziele werden würde, hätte ich demjenigen vermutlich einen Vogel gezeigt. Durch den Besuch im Landschaftspark Duisburg und dem der Ausstellung “Das zerbrechliche Paradies” im Gasometer Oberhausen, ist es nun tatsächlich so.
Diese Runde beim Hengsteysee hinauf zur Ruine Hohensyburg stammt aus dem Buch “Panoramawege Ruhrgebiet – Die 30 schönsten Aussichtstouren”, das ich mir vor einer Weile zugelegt habe. Die Wanderung ist ca. 12 km lang und wird im Buch mit der Schwierigkeitsstufe mittel bewertet. Dem stimme ich zu.

Ich bin mit dem Zug gefahren, daher kann ich zu Parkmöglichkeiten leider nicht viel sagen. Mit dem Zug ging die Fahrt zunächst bis Hagen und dann noch eine kurze Strecke mit dem Bus weiter. Von der Bushaltestelle Hengsteyseestraße sind es etwa 10 Minuten Fußweg bis zum Startpunkt an der Bahnbrücke Hengsteyseestraße. Der Weg führt über die Brücke (als ich unterwegs war, war die Brücke eine Baustelle) und bietet bereits schöne Ausblicke. Auf der einen Seite auf den See, auf der anderen auf die Ruhr.

Der Hengsteysee ist der älteste Ruhrstausee und wurde 1920 angelegt. Ein Wehr staut das Wasser auf und regelt den Wasserstand. Insgesamt klingt das sehr nach Technik und Industrie, aber ringsherum ist einmal mehr alles so grün wie man es vom Ruhrgebiet auf Anhieb nicht erwarten würde. Das begeistert mich bei jedem Besuch aufs Neue.
Hat man die Brücke überquert, zweigt die Route ab und nun ist man geraume Zeit auf einem breiten Fuß- und Radweg unterwegs.

Zwischen den Bäumen und Sträuchern hindurch hat man immer mal wieder einen Blick auf den See. So kommt nach einer Weile schon das Koepchenwerk in Sicht. Es ist ein Pumpspeicherkraftwerk, wurde bereits 1930 in Betrieb genommen und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Irgendwie war ich mir beim Anblick des Werks sicher, vor langer Zeit schon mal hier gewesen zu sein. Leider ist mir bis heute nicht eingefallen, wann das gewesen sein könnte. Es muss also schon sehr lange her sein.

Der Uferweg lässt sich gut gehen, ist angenehm flach, aber bei gutem Wetter auch stark besucht. Fußgänger, Radfahrer, Rollerfahrer, da muss man schon ein wenig aufpassen um nicht irgendwo unter die Räder zu kommen. Für mich hat sich dieser Teil der Runde ein wenig gezogen. Dabei gibt es mit dem Koepchenwerk, dem See und dem Seeschlösschen einiges zu sehen, was für Abwechslung sorgt. Aber es ist aufgrund des Trubels nicht gerade ein typischer Wanderweg. Das sollte man im Hinterkopf behalten.

Wenn man gegen Ende des Uferwegs in die Ferne schaut, kann man sogar schon das Etappenziel sehen. Ein (noch) winzig kleiner Turm ragt aus dem Grün des Waldes auf. Aus dem Grün des Waldes eines recht stattlichen Berges! Ein leises Stimmchen in mir hoffte darauf, nicht dort hinaufsteigen zu müssen. Dem doofen Verstand war aber natürlich klar: das kann nur die Hohensyburg sein. Man kann sich also schon hier auf das einstimmen, was einem noch bevorsteht.

Hat man den Weg gemeistert, überquert man auf einer zweiten Brücke (Dortmunder Straße) nochmal den See bzw die Ruhr. Ist man auf der anderen Seite angelangt, geht es sehr bald rechts ab auf einen Wanderweg, der ebenfalls sehr bald deftig ansteigt. Der Anstieg ist zwar nicht besonders lang, ich fand ihn aber durchaus anstrengend. Der Weg ist wurzelig und steinig und man muss schon aufpassen, wohin man tritt. Stolpern oder gar stürzen möchte man auf dem Untergrund nicht. Einen ersten Aussichtspunkt gibt es bereits an diesem Weg. Ich habe dort nur einen kurzen Foto-Stopp eingelegt, der sich aber gelohnt hat.

Ich sage es, wie es ist: ich war ganz schön geschafft als ich endlich oben ankam. Höllenmeter, ganz klar!
Bei uns hier in der Region kennt jedes Kind das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bei Porta Westfalica.
Aber auch dort oberhalb des Hengsteysees gibt es ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Zu diesem gelangt man als erstes, wenn man den Berg erklommen hat. Es ist wahrlich beeindruckend und die großzügige Aussichtsplattform am Fuße des Denkmals lädt zu einer Erholungspause mit Fernblick ein.

Nun verläuft der Weg angenehm flach weiter in Richtung der Ruine Hohensyburg. Dort habe ich mich an einem Kiosk mit einer kalten Cola zu einem überaus fairen Preis gestärkt.
Gleich hinter dem Kiosk ist die Hohensyburg bereits in Sichtweite.
Die Hohensyburg war eine Höhenburg. Ihr Bau datiert sich etwa auf das Jahr 1150. Heute kann man noch die Ruine besichtigen, was ganz spannend ist. Vor allem hat es mir gefallen, dass man sich darin ganz nach Belieben umschauen kann und es keine Absperrungen oä gibt. In der Ruine befindet sich außerdem ein Kriegerdenkmal, das einen gefallenen, deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs darstellt. Steintafeln erinnern an die Syburger Kriegsopfer.

Wenn man sich beim Kaiser-Wilhelm-Denkmal und an der Ruine ausreichend umgeschaut und eine Pause eingelegt hat, führt die Route weiter. Nun hat man über einen längeren Zeitraum wieder Asphalt unter den Schuhen. Zunächst noch entlang von Feldern, später aber auch an Straßen. In diesem Bereich habe ich definitiv einen sehr großen Parkplatz (Hohensyburgstraße) gesehen. Ich meine sogar, es hätte dort keinen Parkautomaten gegeben, allerdings ohne Gewähr!

Bald führt die Strecke in das Naturschutzgebiet Hohensyburg-Kusenberg und nun liegt ein wahrlich traumhafter Wanderweg vor einem. Schön auf einem Schotter- und Wurzelweg durch den Wald, mal sonnig, mal schattig und unfassbar grün. Einfach nur ein Traum! Da stört es gar nicht weiter, dass man zunächst keinen Blick auf den Hengsteysee mehr hat. Das ändert sich aber schnell und schon taucht ein kleines Stückchen davon wieder zwischen den Bäumen auf. Es gibt auf diesem Abschnitt großartige Aussichtspunkte. Sie sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber die Abstecher sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

Auch der Weg zurück zum Ufer hinunter ist wunderschön grün. Es geht zügig abwärts, doch der Teilabschnitt ist trotzdem länger als der knackige Anstieg zu Beginn. Ich war heilfroh, die Runde so herum gegangen zu sein. So einen langgestreckten Anstieg hätte ich ungern machen wollen. Dann doch lieber kurz und zünftig bergauf. Dann hat man es wenigstens schnell hinter sich.

Mir hat diese andere Seite vom Hengsteysee besser gefallen. Dort war längst nicht so viel los und man konnte ganz in Ruhe gehen und sich umschauen. Man wandert genau am Koepchenwerk vorbei, wo sogar Führungen angeboten werden. Wie gerne hätte ich eine solche Führung mitgemacht. Leider gab es an diesem Tag Probleme mit meinem Handy und der Powerbank. Ich hatte zu viel Angst, bei der Ticketkontrolle im Zug ohne Strom im Handy dazustehen. Die Führungen dauern etwa 45 Minuten und kosten -soweit ich mich erinnere- nur € 5,00 pro Person. Ich muss definitiv nochmal dorthin, wenn 45 Minuten Akkuzeit keine Rolle spielen.

Im Bereich des Werks ist man kurz auf dem Energiewirtschaftlichen Wanderweg Herdecke unterwegs. Der Weg ist rund 4 km lang und liegt zwischen dem Harkortsee bei Dortmund und dem Hengsteysee. An zehn Stationen gibt es Schautafeln zu verschiedenen Aspekten der Energiewirtschaft. Da der Harkortsee ganz oben auf meiner To-Do-Liste Ruhrgebiet steht, könnte man diesen Wanderweg dann in Angriff nehmen. Eine erste Idee ist es auf jeden Fall.
Nun befindet man sich bereits im Endspurt der Runde und die Brücke, an der man gestartet ist, kommt in Sicht.
Dort wartete ein Eiswagen, was mir sehr gelegen kam.

Meine erste richtige Wanderung im Ruhrgebiet hat mir unglaublich gut gefallen! Der Hengsteysee ist wunderschön und der Anstieg zur Ruine und dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal lohnt die Anstrengung dreimal. Beides ist interessant anzuschauen und der Ausblick ist der Hammer. Das entschädigt locker für den ersten Uferweg, der aufgrund des Trubels nicht ganz mein Fall war. Der Abschnitt durch das Naturschutzgebiet Hohensyburg-Kusenberg ist ein Traum von Wanderweg, den man bergab gehend so richtig genießen kann.
Am See gibt es mit Bootsfahrten und dem Besuch des Koepchenwerks einiges zu erleben und zu unternehmen. Außerdem habe ich auf der gesamten Tour stolze drei Eiswagen gesehen. Am Ende der Tour eine schöne Belohnung.

Informationen (Stand 07 / 2022)

  • Name: Der Hengsteysee, die Ruhr & die Ruine Hohensyburg (GPX)
  • Start- / Zielpunkt: Bahnbrücke Hengsteyseestraße
  • Länge: ca. 12 km
  • Rad- und Wanderweg, Wald- und Wurzelwege, Schotterwege, teils Asphalt
  • Personenschifffahrt Hengsteysee, Kopechenwerk
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