Günstig essen auf Tour – Fertiggericht statt Trekkingfood?

Vor Kurzem erschien in der ZDF Mediathek eine Reportage darüber, wie sehr der Handel den aktuellen Outdoor-Hype ausnutzt und vor allem Neueinsteigern ins Hobby das Geld aus der Tasche zieht. Teufel aber auch, der Handel möchte Geld verdienen, erkennt seine Chancen und nutzt sie! Wo gibts denn sowas? Genau, überall! Selbst beim Supermarkteinkauf! Ob das  verwerflich ist, das muss jeder für sich entscheiden.

Jedenfalls beleuchtete man dabei auch das Thema „Trekkingnahrung“ und pries als preiswerte Alternative Tütengerichte wie zB von Maggi oder Knorr an.
Genau auf diese Idee waren wir für unsere Trekkingtour auf dem Urwaldsteig im Sommer auch gekommen und haben es ausprobiert.
Für uns ist es seither keine echte Alternative und ich erkläre dir hier, wieso das so ist.

Um was es in diesem Artikel nicht geht!

In der Regel kommt beim Thema „Fertigessen“ in weniger als 10 Sekunden jemand aus dem Gebüsch: Selbst gemacht ist eh besser und billiger!
Das stimmt oft. Darum geht es hier aber nicht. Es geht nicht darum, ob und wie man sein Trekkingessen am besten selber machen kann. Es geht auch nicht um eine spezielle Sorte Trekkingnahrung oder eine spezielle Sorte Tütennudeln. Die Auswahl hier war den Preisen geschuldet. Es geht außerdem nicht darum, ob oder wie ein Gericht schmeckt. Dass man die Verpackungen als Umweltsünde sehen kann, ist klar. Ich will hier davon ausgehen, dass niemand in diesem Hobby seinen Müll in den Wald schmeißt.

Was ist Trekkingnahrung?

Trekkingnahrung sind meistens gefriergetrocknete Gerichte, vom Gewicht her entsprechend leicht und einfach in der Zubereitung. Man übergießt die Mahlzeit mit heißem Wasser, verschließt den Beutel und lässt das Ganze für wenige Minuten ziehen bis es gar ist. Dann kann gespeist werden. Diese Gerichte sind  energie- und nährstoffreich, damit der Körper bei Anstrengung gut versorgt ist und Power hat. Es gibt Hauptmahlzeiten, Desserts und Frühstücksoptionen.

Das Problem: der Preis!

Da gibt es nichts schönzureden: Trekkingnahrung ist unanständig teuer. Zwischen € 5,00 und € 15,00 pro Beutel sind der Standard, je nach Marke.
Sparen kann man zB indem man sich im Winter bevorratet. Zu dieser Jahreszeit treibt es weniger Outdoorbegeisterte für mehrere Tage vor die Tür. Da gehen die Preise schon mal deutlich runter. Hin und wieder gibt es außerdem die Möglichkeit, größere Mengen zu kaufen, was auf die Einzeltüte gerechnet günstiger sein kann.
Sparpotenzial hat vor allem das Frühstück, denn eine Mischung aus Haferflocken, Nüssen und Trockenfrüchten kann man sich tatsächlich gut zuhause zusammenstellen. Milchpulver gibt es in der Drogerie oder im Supermarkt. Ein Ziplockbeutel mit alldem wiegt nicht mehr als die Mischung vom Outdoorshop und ist defintiv günstiger.

Alternativen aus dem Supermarkt?

Auf den ersten Blick kann man leicht darauf kommen, dass die trockenen Fertiggerichte eine Alternative auf Wanderungen sein können. Es sind stabile und robuste Tüten, das Gericht ist  getrocknet und gart unter Zugabe von kochendem Wasser.
Allerdings ist es nicht gefriergetrocknet, sondern dehydriert. Das macht beim Garen einen Unterschied und auch beim Gewicht! Außerdem bekommt man diese Gerichte entspannt im Supermarkt und sie kosten einen Bruchteil der offiziellen Trekkingmahlzeiten. Maggi und Knorr liegen zwischen € 2,00 und € 3,00. Im Discounter geht es eventuell noch  günstiger.

Kalorienzähler

Auf den Trekkingtüten springt sie einen geradezu an: die Kalorienangabe! Kalorien sind wichtig, wenn man Leistung bringen muss oder möchte.
Auf den Supermarkttüten versteckt sich diese Angabe in der Nährwerttabelle. Dort gilt es, genau hinzuschauen und sich nicht täuschen zu lassen. Denn die Kalorienangaben in der Tabelle beziehen sich auf 100 g der Mahlzeit in zubereiteter Form. Mit Wasser zubereitet wiegen zB die Makkaroni mit dreierlei Käse ein Vielfaches von dem, was für die 100 g angegeben istt.  Entsprechend multipliziert sich die Kalorienzahl. Auf diese Weise kann manche Fertigtüte mit der Outdoornahrung mithalten.

Darum sind die Fertiggerichte aus dem Supermarkt für uns keine Alternative

Die Voraussetzung hierbei: die Alternativen sollen in Sachen Zubereitung genauso funktionieren wie die Marken aus dem Outdoorshop.

Al dente, um nicht zu sagen: knusprig!

Wir haben das Gericht mit heißem Wasser übergossen, den Beutelrand umgeklappt und mit dem Klapp-Göffel so gut wie möglich verschlossen. Dann durfte das Gericht deutlich mehr als die angegebenen 8 Minuten ziehen. Denn im Gegensatz zu der Zubereitung im Topf, kocht das Wasser in der Tüte nicht weiter. Das war uns bewusst. Allerdings blieben die Nudeln auch nach deutlich längerer Ziehzeit sehr al dente! Man kann es auch „knusprig“ nennen. Das Käsepulver wollte sich nicht so richtig auflösen und klumpte. Als die Nudeln zumindest teilweise weich waren, war das Gericht fast kalt.

Wasserverbrauch

Natürlich kann man diese Fertiggerichte draußen im Topf zubereiten. Damit ist es aber außer Konkurrenz zu den Trekkingmahlzeiten, denn bei denen muss man das nicht. Wasser braucht man, weil man den Topf nach dem Kochen spülen / reinigen muss. Das ist auf einem Campingplatz in der Regel kein Problem, auf einem Trekkingplatz ohne fließend Wasser sieht das anders aus. Da muss man mehr Wasser mitbringen und Wasser hat Gewicht! Pro Vorgang braucht man nur wenig „Spülwasser“, man braucht es aber jeden Tag zweimal. Beim Frühstück (außer man frühstückt nur Kaffee oder Tee und Riegel) und bei der Hauptmahlzeit nochmal. Je nachdem wie lange man unterwegs sein möchte, läppert sich das. Quellen, Flüsse, Bäche oder Seen gibt es nicht überall.

Oben Maggi, unten Trek’n eat- Optisch kaum ein Unterschied (roh)
Brennstoff

Die Fertiggerichte aus dem Supermarkt müssen im Topf einige Minuten kochen. Dadurch erhöht sich der Verbrauch an Brennstoffen. Und je nach Brennstoff ist dieser auch schon mal futsch ohne jemals etwas erhitzt zu haben. Maik hat zB sehr mit einer Esbit-Krise zu kämpfen.

Essen – Einer nach dem anderen

Hat man wie wir nur einen relativ kleinen Topf dabei, dann isst man unweigerlich nacheinander. Das Wasser für die Trekkingnahrung ist relativ schnell erhitzt. Die Fertigtüten kochen ihre 8 Minuten oder mehr. Danach fängt dann der andere an mit seinem Gericht. Die Lösung ist ein größerer Topf, was aber ein Mehr an Gewicht bedeutet.

Gemütlich, satt und zufrieden

Wenn man über den Tag Berge bestiegen und / oder lange Strecken zurückgelegt hat, dann freut man sich auf die warme Mahlzeit am Abend. Die soll schnell und einfach zubereitet sein und schmecken, damit man satt und zufrieden in den Schlafsack kriechen kann. Das traf bei mir alles nicht zu. Das Herumprobieren mit der Wassermenge, das lange Warten, das hat genervt. Satt war ich hinterher auch nicht, denn ich habe kaum etwas gegessen. Man mag mich pingelig nennen, aber sonst esse ich auch keine rohen Nudeln.

Raus aus dem Alltag, aber…spülen?!

Dieser Punkt ist rein subjektiv! Ich weiß, dass viele damit kein Problem haben. Ich schon! Ich finde, ich gehe doch nicht für mehrere Tage raus um dem Alltag ein Schnippchen zu schlagen und muss mich trotzdem mit Sachen beschäftigen, die mich im Alltag schon nerven. Stichwort: spülen! Es ist nur ein Topf oder Becher, aber trotzdem! Ich kann Maik gar nicht genug dafür danken, dass er das meistens übernimmt.

Bitte nicht falsch verstehen! Die Fertiggerichte können nichts dafür. Sie sind usprünglich nicht für diesen Einsatz gemacht. Deshalb ist es okay, dass es nicht funktioniert hat. Aber eine Alternative sind sie für uns aus diesen Erfahrungen heraus nicht.

Welche Alternativen gibt es noch?

Wenn man auf leichtes und kleines Gepäck Wert legt und nicht zweimal am Tag mit dem „Abwasch“ beschäftigt sein möchte, kommt man um die teure Trekkingnahrung kaum herum. Wenn man bereit ist, diesen kleinen Job in Kauf zu nehmen, dann wäre es eine Möglichkeit, sich Mie-Nudeln und eine Tüte fertiges Soßenpulver mitzunehmen. Beides kommt ohne lange Kochzeit aus. Auch diese Asia-Nudelblöcke mit Gewürztütchen wären eine Idee. Die 5-Minuten-Terrinen müsste man umfüllen, denn der Becher ist im Rucksack viel zu sperrig. Außerdem wird mancher vielleicht nicht richtig satt von diesen „Kleinigkeiten“.
Ganz fein raus sind diejenigen, die einen Dörrautomaten und dazu die nötige Zeit und Lust haben.

Nun weißt du, wieso die Fertiggerichte uns als Trekkingnahrung nicht von sich überzeugen konnten.
Das muss so natürlich nicht für alle gelten, es sind nur unsere Erfahrungen
Was nimmt du als „warme Mahlzeit“ auf deine Touren mit? Hast du velleicht noch andere Alternativen entdeckt?
Dann schreib mir das gerne in die Kommentare, ich bin immer auf der Suche und sehr gespannt!

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