Unser erster Nordmarsch – Ruhrseen-Marsch Herdecke (24 km)

Nach zwei Mammutmärschen in 2023 und 2024 sollte es 2025 mit den Extremmärschen nicht klappen. Die Tickets für die 30 km Strecke in Wiesbaden hatten wir schon gekauft, der Termin war fix und dann…kam mein Umzug. Da wir fast nur an den Wochenenden richtig etwas dafür tun konnten, wäre es dumm gewesen, eines davon aufzugeben. Auch wenn damit der Mammutmarsch Geschichte war.

Aber irgendwie hat uns das Extremwandernvirus befallen und so ganz ohne eine solche Veranstaltung sollte das Jahr nun doch nicht enden. Allerdings gibt es gegen Jahresende nur noch sehr wenige Märsche. Da war die Entdeckung des Ruhrseen-Marschs vom Nord-Marsch ein Glücksgriff. Eine Extremwanderung mitten im November. Perfekt! Oder?

Da wir ursprünglich mit der Bahn anreisen wollten, fiel die Wahl auf die 24 km Strecke. Zum Schluss haben wir zwar beschlossen, doch einen Tag früher anzureisen und eine Nacht in Witten zu verbringen, aber da war es zu spät um noch auf die 43 km zu wechseln.

Unsere Startgruppe sollte um 9 Uhr losmarschieren, gemeinsam mit der letzten Gruppe der 43er. Zum Glück hatten wir die Startformalitäten bereits am Abend zuvor erledigt, denn durch die Verspätung vom Bus kamen wir quasi auf den letzten Drücker am Start an und reihten uns direkt ein. Nur für ein schnelles Foto gemeinsam mit Fiete, dem Maskottchen des Nordmarschs, reichte es noch. Am Vorabend hatte ich mir übrigens einen kleinen Fiete aus Plüsch gekauft, der seither an meinem Rucksack baumelt und auf jeder Tour dabei ist. Der Lütte ist schon gut herumgekommen!

Vom Start aus führte die Route an die Ruhr, an der wir eine ganze Weile entlanggelaufen sind. Begleitet wurden wir von einem großartigen Sonnenaufgang und dem Blick auf das beeindruckende und hübsche Eisenbahnviadukt. Der Eisenbahnfan in mir war schon an diesem Punkt äußerst begeistert. Anfangs lag das Feld auch noch dicht zusammen, sodass man zunächst nur schwer in sein gewohntes Lauftempo fallen konnte. Das war schon etwas anstrengend, aber zu Ablenkung gab es -und das ist absolut freundlich gemeint- so viele lustig gewandete Wanderer und so viele goldige Hunde zu sehen. Das hat über den kleinen Stau schnell hinweggetröstet.

Noch ein Stück durch den Ort und dann löste sich der Stau plötzlich auf, denn es ging in den ersten saftigen Anstieg. Hier und da pausierte bereits jemand kurz und so entstanden Lücken. Die Pulks, die noch zusammen liefen, kämpften sich den ersten Berg hinauf. So ungefähr muss es am Mount Everest aussehen, wenn die Schlangen an Bergsteigern sich aufwärts mühen. Da ich gewöhnlich immer friere, war ich viel zu dick angezogen und bereits jetzt verschwand die erste Jacke im Rucksack. Im November morgens um halb zehn! Unfassbar! Das gibt es bei mir sonst nie! Aber ich wollte gar nicht erst in Schwitzen kommen. Im Hoodie war es gleich viel angenehmer.

Endlich oben angekommen gab es die letzte Aussicht mit Sonne oben drüber. Sie ist uns leider nicht weiter treu geblieben an diesem Wandertag. Nun ging es wieder abwärts, was angenehm war um die Beine wieder freizulaufen. Der Ausblick zog sich zurück, dafür breitete sich um den Weg herum ein richtig schöner Wald aus.
Leider wurde der Marsch von einem traurigen Zwischenfall überschattet, von dem wir aber erst hinterher erfahren haben. Daher haben wir uns an diesem Punkt noch über die Sirenen, das Blaulicht und die plötzlich von Feuerwehrleuten bewachte Route gewundert. Es galt einen Haken zu schlagen, dann herrschte kurz Ratlosigkeit über die weitere Wegführung, aber schließlich waren alle Teilnehmer wieder auf Kurs.

Prima!

Der zweite Anstieg ließ nicht lange auf sich warten. Man soll es im Ruhrgebiet nicht glauben, aber die haben hier richtige Berge! Inzwischen hatte sich das Feld komplett verteilt und so trabte jeder bzw jedes zusammengehörige Grüppchen seines Weges. Das war schon bedeutend angenehmer als der zähfließende Verkehr nach dem Start. Auch dieses Mal waren wir ganz froh als wir oben auf dem Berg ankamen. Dort habe ich dann auch noch meinen Hoodie in den Rucksack gepackt. Nun war auch der erste Verpflegungspunkt bereits in Aussicht. Bei etwa 10,5 km sollte es auf einem Alpakahof in eine größere Pause gehen. Zum Hof galt es noch ein paar wenige Höhenmeter zu bewältigen, dann hieß es: Snacks und ein halbwegs bequemes Plätzchen sichern. Wie bei jedem Extremmarsch bisher galt auch hier, man muss sich nicht zwigend etwas zum Essen mitbringen. Man wird bestens versorgt!

Lange haben wir uns am Verpflegungpunkt nicht aufgehalten, denn es wurd im Sitzen dann doch schnell ziemlich frisch. Schnell noch einen Lolly für unterwegs am Tresen gemopst und schon waren wir wieder unterwegs. Der zweite Verpflegungspunkt war nur rund 5 km entfernt und damit das nächste Etappenziel. An Herdecke-Ende vorbei ging es kurz etwas urbaner zu auf dem Weg, später kehrte man aber wieder in den Wald zurück. Der Asphaltanteil der 24 km – Route hielt sich erfreulich im Rahmen. Davor hatte zumindest ich durchaus etwas Bammel gehabt. Lange Asphaltabschnitte sind mein Endgegner, direkt nach den Höhenmetern. Dass das Verhältnis auf dieser Route so ausgewogen sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet.

Da de Route in Schleifen verlief, war der zweite Verpflegungpunkt der Start- und Zielpunkt. Dort hatte man in der Zwischenzeit ein Zelt mit Getränken, Snacks und anderen Leckereien aufgebaut. Hier haben wir uns tatsächlich noch kürzer aufgehalten. Es gab Tee bzw Kaffee und natürlich die bei solchen Veranstaltungen übliche saure Gurke. Lecker! Außerdem habe ich auf dem Rückweg von der Toilette noch fix ein Jäckchen für den armen frierenden Fiete gekauft. So ist er warm eingepackt wieder mit uns auf die Strecke gestartet. Anfangs führte die Route eine Weile durch Herdecke inklusive Schlenker über den Weihnachtsmarkt, dann ging es zurück in die Natur.

Die letzten Kilometer liefen so dahin. Aus den Anstiegen waren wir heraus und insgesamt wähnten wir uns bereits durch das Schlimmste durch. Schließlich wurde es wieder städtischer und dann durchquerten wir einen Park. Hübsch hier mal wieder! Ich kann es nicht oft genug sagen: man kann im Pott ganz wunderbar wandern! Glaubt mir, ich lande seit Anfang meiner „Wanderkarriere“ immer wieder dort und war noch jedes Mal begeistert. Auch wenn es manchmal nur Parks oder Schrebergartensiedlungen sind, es gibt mehr Natur als man denkt. Auch in diesem Fall konnte sich die Gegend wirklich sehen lassen!
Als weit weniger sehens- und noch weniger laufenswert entpuppte sich dann leider der Weg aus dem Park heraus. Denn der war so steil, dass ich dachte, ich komme nie oben an. Das dachte außer mir übrigens auch eine Gruppe deutlich jüngerer Kerle.

Es ging auf Weihnachten zu

Nun war es nur noch ein kleiner Hopser bis zum Ziel und nach ziemlich genau 5,5 Stunden trafen wir dort ein. Aus Gründen ohne die sonst übliche Musik. Vom Veranstalter aus wurden im Ziel noch ein paar Fotos gemacht und dann durfte man sich an einer Bude das verdiente Finisher-Getränk abholen.Urkunde, Abzeichen und die Stempelhefte gab es dort, wo wir am vorigen Abend die Startunterlagen abgeholt hatten. Da lässt sich der Nordmarsch echt nicht lumpen. Eine so tolle Medaille haben wir noch bei keinem Extremmarsch bekommen.

Das war er also, unser erster Nordmarsch, der gar nicht so sehr nördlich stattfand. Eigentlich überhaupt nicht, aber das tat nichts zur Sache. Es hat uns jedenfalls so viel Spass gemacht und so gut gefallen, dass wir uns bereits für 2026 ein weiteres Mal angemeldet haben. Dieses Mal dann in Oldenburg und über zwei Tage. Da gilt es am ersten Tag 15 km zu laufen und am zweiten Tag weitere 25 km. Einen solch sympathischen Veranstalter und so eine familiäre Atmpsphäre haben wir noch auf keinem anderen Marsch erlebt.

Zu dem Zwischenfall auf der Strecke nur kurz: ein Teilnehmer aus einer 43er-Gruppe ist auf der Route ums Leben gekommen. Was genau passiert ist, wurde nicht öffentlich gemacht. Die Person ist zusammengebrochen und die Reanimation konnte ihn nicht mehr retten. Es war ein erfahrener Wanderer / Läufer mit weit über 1000 Marathonläufen. Mehr weiß ich nicht. Auch an dieser Stelle: unser Mitgefühl glit den Angehörigen.

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Ein Gedanke zu “Unser erster Nordmarsch – Ruhrseen-Marsch Herdecke (24 km)

  1. Herzlichen Glückwunsch zum ersten Nordmarsch! 24 km um die Ruhrseen sind eine klasse Leistung, besonders bei den aktuellen Temperaturen. Es ist schön zu lesen, wie euch die Strecke trotz der Anstrengung begeistert hat. Die Ruhr-Region hat einfach tolle Wanderwege zu bieten. Danke für den motivierenden Bericht und weiterhin viel Spaß bei den nächsten Märschen.

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