Man lernt ja so viel beim Wandern!
Bei dieser Tour habe ich zB gelernt, dass es „Hoechst“ als Chemieunternehmen gibt bzw gab, ein Stadtteil von Frankfurt heißt wiederum „Höchst“ und ein solches „Höchst“ gibt es im Odenwald gleich nochmal.
Am Bahnhof von diesem Höchst im Odenwald startet diese rund 18 km lange Wanderung, die einmal mehr aus den Vorschlägen von komoot stammt. Das heißt ja bekanntlich eher selten etwas Gutes. Aber die Burg Breuberg liegt an der Route. Dort waren wir 2023 schon einmal und wussten daher, dass sich die Burg auf jeden Fall lohnt. So sind wir guter Dinge losmarschiert.

Für die ersten zwei Kilometer bleibt man im Ort und hat festen Untergrund unter den Schuhen. Zu Beginn einer Tour stört mich das wenig. Außerdem gibt es in Höchst gut Ablenkung durch einige hübsche Fachwerkhäuser. So sind die ersten beiden Kilometer gut zu meistern. Schließlich gelangt man in den Wald und bald schon kommt eine hübsche Rasthütte in Sicht, die unter der Namen „Schillertempel“ bekannt ist. Eine grobe Treppe führt zur Hütte hinauf. Uns war es an dieser Stelle noch zu früh für eine Rast. Meistens machen wir unsere Pause auf halber Strecke einer Wanderung. Das hat sich bisher sehr gut bewährt.

Die rund 420 Höhenmeter der Wanderung verteilen sich ausgesprochen angenehm. Es geht zwar schön im Wechsel auf und ab, aber niemals so sehr, dass es sonderlich anstrengend wäre. Die Wege sind bequem zu gehen und überwiegend echte Wanderwege. Auch damit sollte fast jeder zurechtkommen. Am Wegesrand gibt es immer mal wieder kleinere Kuriositäten zu sehen, wie etwa einen komplett im Kreis gewachsenen Baumstamm. Fast wären wir daran vorbeigelaufen, dabei ist das wirklich sehenswert. Die Natur schafft alles und lässt enen regelmäßig staunen. Natürlich gibt es krumm und schief gewachsene Bäume, aber solch einen Wuchs hätte ich einem Baumstamm doch nicht zugetraut.

Etwas später führt ein Abstecher zum im Wald versteckten ehemaligen Sandbacher Steinbruch. Es führt ein Trampelpfad an den Rand, dennoch ist hier Vorsicht geboten. Der Steinbruch ist bis an die Abbruchkanten zugewachsen und komplett ungesichert. Mit Vorsicht kann man an der Kante entlanggehen, aber es geht dort tatsächlich mehrere Meter senkrecht nach unten. Also pass bitte gut auf, wohin du trittst. Der Abstieg in den Steinbruch ist ebenfalls möglich. Es gibt einen Abschnitt, wo das Gelände nicht so abschüssig ist. Trotzdem, sei lieber vorsichtig! Es soll im Steinbruch auch Höhlen geben. Ich selber war nicht unten, Maik schon. Er meinte, er hätte keine Höhle gesehen.

Die spinnen, die Römer! – Oder?
Nachdem der Steinbruch erkundet war, sind wir den Abstecher zurückgelaufen und auf dem Wanderweg weiter. Nun ist man bis zum nächsten Highlight wieder im Wald unterwegs.
Mit den Römern hat die Wanderung bis hierher noch nichts zu tun, doch das wird sich bald ändern.
Das Wamboldtsche Schlößchen liegt bald am Weg. Auch hier wären wir beinahe vorbeigelaufen. Die Sehenswüdigkeiten auf dieser Runde liegen mitunter gut versteckt. Über einen kurzen etwas rumpeligen Pfad gelangt man zu den Ruinen, die sich „Wamboltsches Schlößchen“ oder auch „Villa Rustica“ nennen. Hier laden zudem Tische und Bänke zu einer Pause ein. Schilder geben Aufschluss über das Leben und die militärische Architektur zu Zeiten der Römer.

Einer Sage nach soll es sich bei den Ruinen um die Überreste des Stammsitzes der Herren Wambolt vom Umstadt handeln, die hier im 13. Jahrhundert residiert haben sollen. Daher rührt der Name des Orts. Fundstücke aus Ausgrabungen führten über die Jahre allerdings zu der Erkenntnis, dass die Überreste aus der römischen Zeit stammen. Darüber was die Anlage einmal war, herrscht (noch) Unklarheit. Es könnte ein Heiligtum gewesen sein, ein Gutshof oder auch eine Station an der Alten Frankfurter Straße, die ein alter Handelsweg ist. Auf ihr wandert man nach der Ausgrabungsstätte nun weiter in Richtung Burg Breuberg. Sogar ein Wegweiser weist diese alte Handelsstraße hier aus.
Burg Breuberg

In Richtung der Burg wurde es auf den Wegen immer voller. Zuvor waren wir so gut wie niemandem begegnet. Aber Burg Breuberg ist natürlich nicht nur ein ideales Ziel für Wanderer, sondern auch für Ausflügler jeglicher Art. Die Burg ist eine Höhenburg und entstand kurz nach 1200. Sie ist sehr gut erhalten, obwohl sie eine bewegte Vergangenheit und mehrere Besitzerwechsel erlebt hat. Heute gibt es auf der Burg eine Jugendherberge und das Breuberg-Museum. Außerdem kann man hinauf auf den Turm, was wir bei unserem ersten Besuch 2023 gemacht haben. Der Ausblick kann sich sehen lassen! Damals kostete der Aufstieg pro Nase nur € 1,00. Ob das immer noch so ist, haben wir auf dieser Runde nicht geprüft.


Dieses Mal sind wir einmal um die Burg herumgegangen. Auf der anderen Seite kann man -wenn man möchte- die Rutsche ausprobieren, die natürlich vor allem für den Nachwuchs ein Highlight ist. Sie macht aber auch als Erwachsener Spass, das haben wir 2023 getestet. Anschließend führt die Strecke über einen urigen Hohlweg abwärts und an einer hölzernen Aussichtsplattform vorbei. Vor zwei Jahen hatten wir von der Plattform aus einen großartigen Blick, jetzt im Oktober war das leider nicht ganz so dolle. Einen kurzen Stopp ist die Plattform aber allemal wert.

Eine Nacht in einem Baumhaushotel?
Es gibt etwas, das ich unbedingt einmal machen möchte: eine Nacht in einem Baumhaushotel verbringen! Wenn das nur nicht immer so fürchterlich teuer wäre! Auf dieser Wanderung kommt man an einem Baumhaushotel vorbei, man sieht es aber nur von Weitem. Zu diesem Hotel muss ich sagen, dass es nicht meine erste Wahl wäre. Ein Baumhaushotel stelle ich mir uriger vor, nicht so futuristisch wie hier. Eines sieht aus wie ein eckiges UFO. Wie es sich gehört, kostet eine Nacht aber auch hier -für meine Verhältnisse- ein kleines Vermögen leider. Wenn du dir das Hotel einmal anschauen möchtest, dann kommst du über diesen Link dorthin. Von innen sehen die Häuser bzw Apartments allerdings schon schick aus. Man kann zum Baumhaus verschiedene Optionen hinzubuchen, wie zB Frühstück oder Holz für ein Lagerfeuer. Das wäre schon was! Ich habe mir das Hotel auf jeden Fall gemerkt.

Zwischen Wiesen und Sonnenblumenfeldern hindurch geht es in den Endspurt der Wanderung. Dabei hat man nochmal einen feinen Blick auf die Burg Breuberg. Im Gegensatz zum Start bleibt man hier lange im Grünen. Erst in Dusenbach wird es wieder städtischer. Über den Fluss Mümling hinweg erreicht man bald darauf wieder Höchst, wo es durch die Stadt zurück zum Bahnhof geht.
Insgesamt eine schöne Wanderung, die man gut und bequem laufen kann. Mit der Ausgrabungsstätte, der Burg Breuberg und dem Sandbacher Steinbruch liegen eine Handvoll Highlights am Wegesrand. Ich würde bei der Planung allerdings schauen, ob man die Runde nicht doch irgendwo etwas abkürzen kann. Es gbt auch einige Abschnitte, die sich etwas ziehen. Das muss ja nicht unbedingt sein.
| Name | Auf römischen Handelswegen unterwegs bei Höchst (GPX) |
| Länge | ca. 18 km |
| Auf- & Abstieg (lt Garmin) | ↑ 460 ↓ 470 |
| Start- & Zielpunkt | Bahnhof Höchst im Odenwald |
| Wegbeschaffenheit | überwiegend Wanderwege, Abstecher teis unwegsam |
| Aktualität | 10 / 2025 |
