Eine Nacht über den Baumwipfeln – Luftiges Biwak im Wald

Die Mittwochsartikel drehen sich ja meist nicht um Touren, höchstens im weitesten Sinne wie zB um Ausrüstung etc.
Um eine Tour welcher Art auch immer, geht es auch in diesem Artikel nicht. Es geht um eine Draußenübernachtung an einem Ort, den man aber durchaus hätte mit einer Tour verbinden können.


Es war kein offizieller Trekkingplatz und somit ein Ort, den ich hier nicht näher benennen möchte.
Solche Orte sind empfindlich und brauchen und verdienen Respekt und Ruhe.
Aus diesem Grund habe ich mich beim ersten Bild für ein KI-generiertes Bild entschieden. Das kommt hier auf dem Blog nur selten vor, dieses Mal erschien es mir sinnvoll.

Einsamkeit – Manchmal eine Geduldsprobe

An diesem Tag sind wir erst gegen Abend aufgebrochen um den meisten Wanderern, Gassigängern und Spaziergängern nicht mehr zu begegnen. Es war ein warmer Tag und ein angenehm lauer Abend, an dem es sicher viele Menschen nach draußen und in den Wald getrieben hat, sodass man durchaus mit der einen oder anderen Begegnung rechnen musste. Also sind wir lieber erst losgefahren als die Mehrheit vermutlich bereits vor der Tagesschau saß. Einen kurzen Fußmarsch bergauf brauchte es noch und schon waren wir an Ort und Stelle und sogar alleine.
Leider nicht lange, denn kurz nach uns traf ein Pärchen ein, das sich den Platz wohl für ein kleines Stelldichein ausgesucht hatte. Es blieb uns nichts anderes übrig als die Sache auszusitzen. Und die beiden hatten einen ziemlich langen Atem. Die Zeit zog sich. Wir knipsten mit ihnen um die Wette und überlegten bereits, das Unternehmen abzubrechen, aber dann räumten sie doch noch das Feld. In letzter Sekunde quasi kamen wir noch dazu, wenigstens ein paar Fotos vom Sonnenuntergang zu machen, der an diesem Abend wahrlich beeindruckend war.

Es wird Nacht

Schließlich verschwand auch das letzte Licht zwischen den Bäumen und die Konturen der Landschafft verloren sich in der Dunkelheit.
Eigentlich hatten wir uns noch etwas zum Essen machen wollen, doch darauf haben wir schließlich verzichtet und uns mit einem Tee begnügt. Tee hat bei uns auf Draußenübernachtungen bereits Tradition, selbst im Sommer wie an diesem Abend. Ein warmer Tee stimmt zu jeder Jahreszeit gemütlich auf die Nacht ein.
Natürlich hatten wir immer ein Ohr auf die Geräusche ringsum um eventuelle Schritte schnellstmöglich zu bemerken. Aber es waren nur die typischen Waldgeräusche zu Beginn einer Nacht zu hören. Windrauschen in den Baumwipfeln, Rascheln und Knacksen zwischen den Bäumen und Sträuchern und gelegentlich der Laut eines Vogels auf dem verspäteten Weg zum Schlafplatz. Eine Geräuschkulisse, die man in der Stadt niemals geboten bekommt und die genau deshalb so besonders und stimmungsvoll ist. Stimmen, Motoren, alles ganz weit weg.

Eine ruhige und trockene Nacht draußen

Wir hatten ja bisher kein Glück damit, mal eine Nacht draußen ohne Regen zu erwischen. Selbst im Hochsommer mit einer Regenwahrscheinlichkeit von läppischen 5 % hatte es uns bereits erwischt.
Für diese Nacht war gar kein Regen angesagt gewesen und zudem hatten wir ein solides Dach über dem Kopf. So fielen die Schlafplätze ausnahmsweise sehr luftig aus. Maik begnügte isch mit der Isomatte, dem Schlafsack und einem Kissen. Für mich war meine Hängematte als Bodenkonstruktion errichtet worden, praktischer Mückenschutz durch das Netz inklusive. Darin ebenfalls Schlafsack, Isomatte und Kissen.
Gemütlich gebettet lagen wir noch eine kleine Weile wach und lauschten den Waldgeräuschen (und noch immer auch auf etwaige Schritte eines späten Besuchers), ehe wir schließlich einschliefen.

Die frühen Vögel und wir

Lange ausschlafen funktioniert bei uns einfach nicht so richtig. Erst recht nicht im Sommer, wenn es früh hell wird. Hier an diesem Spot war es auch nicht ratsam, denn lange würde es nicht dauern bis die ersten Sonntagsausflügler eintreffen würden. Die Sonne schickte gerade ihre ersten Strahlen durch die Wolken, da waren wir bereits auf den Beinen.Noch reichlich zerknittert und gähnend gönnten wir uns noch kurz den Sonnenaufgang und die frische Morgenluft, die an diesem Tag sehr bald der Hitze weichen sollte.
Ganz egal, wo und wie man draußen schläft, das Lager ist jedes Mal im Nullkommanichts -man kann es nicht fein ausdrücken- ein kompletter Saustall. Da bildete auch dieser stille, noch leicht verschlafene Morgen keine Ausnahme.
Schweigend machten wir uns ans Aufräumen und Einpacken. Frühstück sollte es auf der Rückfahrt beim Bäcker geben.

Sieht nicht so aus, aber wir haben gut geschlafen
Verantwortung gehört dazu

Eine solche Nacht ist immer etwas Besonderes. Wir kommen viel zu selten dazu. Vielleicht in 2026 häufiger?
Wir haben uns natürlich an alles gehalten, was draußen selbstverständlich sein sollte:

  • Ruhe
  • kein auffälliges Licht und erst recht kein Feuer
  • nichts beschädigt
  • keinen Müll hinterlassen
  • den Ort so verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben

Damit das so bleibt, gibt es an dieser Stelle keine weiteren Details.
Ich möchte nicht dazu beitragen, dass der Ort womöglich überrannt und verwüstet wird.

Ehrensache: Leave no trace
Es muss nicht immer ein großes Abenteuer sein

Diese Nacht war weder eine spektakuläre Wandertour, noch ein großes Abenteuer.
Eher das Gegenteil. Still, dunkel und reduziert auf die Geräusche im Wald.
Aber solch ein Mikroabenteuer reicht oftmals aus um sich komplett aus dem Alltag herauszuholen und zu bemerken, wie gut sich Stille, Entschleunigung und die Nähe zur Natur anfühlen. Für mich fühlen sich die Wochenenden nach solch einer Unternehmung immer deutlich länger an als sie sind. Umso entspannter und ausgeruhter starte ich danach in die Woche. Fast wie nach einem Kurzurlaub.
Daher: raus mit dir in die Natur!

Packliste (Juli)

Ohne eine Wanderung vorab packt man meist eher auf Komfort ausgelegt und nicht auf möglichst geriges Gewicht, was man dieser Packliste auch anmerkt. Das bitte berücksichtigen!

  • Rucksack (40 l, Atompacks)
  • Schlafsack (Sioux II S, Vaude)
  • Isomatte (NeoAir Xlite NXT, Thermarest)
  • Hängematte (Moskito Traveller Thermo, Amazonas)
  • Kissen (Outdoorer)
  • Thermo Unterwäsche (Decathlon, nicht auf dem Bild, weil in der Wäsche)
  • Technik-Kit (10000er Powerbank & Kopflampe)
  • Hygiene & 1. Hilfe Kit
  • Tasse (GSI Outdoors)
  • 2 x Teebeutel
  • Lampe (E-Smarter)
  • Snacks, Schoki (nicht auf dem Bild)

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