Wird das unsere erste Trekkingtour 2026? – Dem Lipperlandweg auf der Spur

Seit einer ganzen Weile überlegen wir bereits, welche mehrtägigen Trekkingtouren wir in 2026 angehen wollen. Durch Zufall bin ich auf den Lipperlandweg aufmerksam geworden, der  einigermaßen in der Nähe liegt. Man muss ja nicht immer gleich in die Ferne schweifen. Der Lipperlandweg ist 58 km lang und wäre damit ideal für eine zweitägige Wanderung. Er führt von Lemgo zum Köterberg bei Lügde.

Erste Recherchen offenbarten allerdings schnell, dass die Anreise per ÖPNV höchst umständlich ist. Egal wie, es geht nicht ohne 5 km oder mehr  zusätzlich um von einer Haltestelle zum Start zu kommen. Egal, ob wir in Lügde oder in Lemgo starten würden. eMails an verschiedene Infostellen – fünf an der Zahl – halfen nicht weiter. Genauer gesagt, vier von fünf haben nicht einmal geantwortet.

So beschlossen wir, uns die Sache vorab  einfach mal anzuschauen. Ist der Weg überhaupt interessant? Haben wir bei der Recherche etwas übersehen? Gibt es  eventuell doch brauchbare Bus- oder Bahnhaltestellen? So kam es zu dieser rund 23 km langen Wanderung, die in Schieder startet.

Vom Parkplatz aus sind es nur wenige Gehminuten im Ort, dann führt die Route bereits in den Wald und außerdem in den ersten saftigen Aufstieg. Am Ende wartet als Belohnung aber auch der Kahlenbergturm und für den lohnt es sich. Außerdem war ich vor vier Jahren schon einmal hier und auch am Turm. Daher kam der Anstieg nicht überraschend. Den Lipperlandweg hatten wir jedenfalls schnell entdeckt und sind ihm über weite Teile der Tour auch gefolgt.
Vom Kahlenbergturm sieht man lange nichts, er steht mittlerweile gut im Wald versteckt. Aber schließlich kam er doch in Sicht.

Der Turm ist 23 m hoch und steht auf dem 312 m hohen Kahlenberg. Am Fuße des Turms gibt es ein Bank, die zu einer kurzen Rast einlädt. Während ich an der Bank meine Jacke in den Rucksack gepackt habe, ist Maik die 101 Stufen auf den Turm hinaufgestiegen. Obwohl man den Turm auf dem Weg herauf lange nicht sieht, man kann vom Turm aus doch weit ins Land schauen. Zugewachsen ist die Sicht nicht. Da darf man sich also nicht täuschen lassen. Die Stufen sollte man sich daher ruhig gönnen. Vor vier Jahren war ich auch oben gewesen, dieses Mal habe ich es mir gespart. Der Turm ist ja bereits erobert.

Vom Turm herunter ging es an einer wirklich hübschen Hütte vorbei direkt in den nächsten Aufstieg. Er ist aber auf jeden Fall deutlich moderater als der Weg zum Kahlenbergturm. Dazu ist der Wald wirklich wunderschön. Der Lipperlandweg begleitete uns weiterhin und sammelte durchaus Pluspunkte. Ich bin an sich kein Fan davon, Wege zweimal zu laufen. Daher war diese Tour für mich so eine Sache. Denn sollten wir uns für den Lipperlandweg entscheiden und die An- und Abreise irgendwie managen, dann würden wir ja wieder dort herumwandern. Aber vorerst ist ja noch nichts entschieden.

Die zweite auf der Karte als „romantische Hütte im Wald“ ausgewiesene Hütte wirkte leicht sonderbar. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen, aber aus dem Schornstein kam Rauch. Das sahen wir bereits von Weitem und sind entsprechend vorsichtig näher an die Hütte herangegangen. Der „Hof“ sah komplett verrümpelt aus und es war nichts zu hören oder zu sehen. Mitten im Wald liegt die Hütte auch nicht, sie steht direkt am Weg. Manchmal darf man sich schon fragen, was ein paar Leute auf komoot sich bei ihren Highlights denken, wenn sie sie eintragen. Zugänglich ist die Hütte jedenfalls nicht. Es ist keine Wanderhütte, an der man pausieren kann.

Der folgende Abschnitt gehört für mich zu den schönsten der ganzen Tour. Mitten durch einen dunklen Nadelwald hindurch. Ich liebe Nadelwälder. Ich mag es, dass sie so dunkel sind. Und dass der Boden dort sogar im Winter oft sattgrün ist durch das viele Moos. Die Farben sind ein Traum und es läuft sich so weich auf diesem Untergrund. Selbst die Nadelbäume an sich bringen zu der düsteren Jahreszeit Farbe ins Landschaftsbild. Nichts gegen Laubbäume, aber im direkten Vergleich würden bei mir immer die Nadelwälder gewinnen.

An dem kleinen Teich erwischte uns natürlich wieder mal ein Regenschauer. Es geht derzeit einfach nicht ohne, auch wenn wie an diesem Wandertag gar kein Regen angesagt gewesen war. Arg war es nicht, aber nervig. Der hölzerne Steg war durch den Regen äußerst rutschig und man musste gut aufpassen und sich am besten an den Seilen festhalten. Wir haben hier nur einen kurzen Stopp eingelegt, denn das vermeintliche Highlight der Tour lockte inzwischen schon sehr.
Zunächst erreichten wir aber einen Wegweiser, der ein Ende des Lipperlandwegs auswies: den Köterberg. Von hier aus bis dorthin waren es 19 km, also rund ein Drittel der gesamten Strecke. So nah und doch so fern.

An der dritten Hütte haben wir unsere große Pause gemacht. Diese Hütte ist richtig cool. Fest gebaut, nicht aus Holz, mit einem Kamin und an einem super schönen Platz. Nur leider wieder direkt am Weg. Anschließend führte die Route uns einmal mehr dezent bergauf. Ein Schild informierte über eine Jagd, die zum Glück am Vortag stattgefunden hatte. So sind wir dem Weg guter Dinge und unbehelligt gefolgt bis hinauf zur ehemaligen Raketenbasis. Viel gibt es nicht mehr zu sehen, aber ein paar Details durchaus noch. Trotzdem hatten wir uns ein bisschen mehr davon versprochen. Das Tor zum Gelände stand freundlicherweise offen.

Dann begann das Unheil der Wanderung. Den nächsten Abzweig konnten wir trotz mehrmaligem Hin- und Herlaufen beim besten Willen nicht sehen. Also sind wir einem Trampelpfad abwärts gefolgt um schließlich am Fuße des Wegs auszukommen, den wir von oben hätten nehmen sollen. Aus dieser Richtung ließ sich immerhin grob erahnen, dass es tatsächlich mal einen Weg gegeben haben muss. Vor drei Jahrzehnten oder sowas in der Richtung. Mit nassen Füßen sind wir weitermarschiert bis mitten im Wald schließlich Schluss war. Wäre es nach komoot gegangen, hätten wir uns kopfüber einen Überhang hinabstürzen müssen. Gehend war dort nichts zu machen.

Also haben wir uns für einen Umweg entschieden, bei dem nicht klar war, ob er zurück auf einen Weg führen würde. Eine Alternative gab es nicht. Über und durch querliegende Bäume standen wir am Ende wirklich auf einem Weg und hier waren sogar der Lipperlandweg ausgeschildert und der Rundweg A7. Wo kamen die denn plötzlich her?
Die folgende Kahlschlagfläche gab den nassen Schuhen und Füßen endgültig den Rest, aber auf den elend langen Kilometern danach konnten wir beides halbwegs trocken laufen. Kilometerlang Asphalt, autsch!

Endlich auf Kurs zum Schiedersee ließ sich tatsächlich nochmal die Sonne kurz blicken. Laut google sollte am Schiedersee selbst zu dieser Jahreszeit eines der Lokale geöffnet haben. Das habe ich mir kurz per Telefon bestätigen lassen, sicher ist sicher. Wir brauchten aus Gründen gewisse Einrichtungen. Da ist es schon besser vorab die Sicherheit zu haben, nicht vor verschlossenen Türen zu stehen.
Dass wir uns dort direkt auch mit Käsekuchen und heißen Getränken stärken konnten, hatte natürlich auch etwas für sich. Ich warte ja jedes Mal darauf, dass wir mal irgendwo vor die Tür gesetzt werden, wenn wir auf einer Tour mit dreckigen Schuhen und Hosen einkehren.

Nun waren es nur noch 4 km, allerdings wieder auf Asphalt auf einem kombinierten Fuß- und Radweg. Außerdem dämmerte es bereits beträchtlich. Als wir im Park am Schloss ankamen, war es schon stockdunkel. Mit drei Kilometern über Planung  hatte die Runde gut eine Stunde länger gedauert als vorgesehen. Ohne den Umweg hätten wir es wohl noch bei Hellem geschafft.

Insgesamt eine schöne Runde mit mehreren Highlights am Weg und so einigen saftigen Aufstiegen. Die Abschnitte vom Lipperlandweg haben uns gut gefallen, der Weg scheint sich durchaus zu lohnen. Abseits vom Lipperlandweg wartete allerdings auch die eine oder andere böse Überraschung in Gestalt von nicht mehr vorhandenen Wegen, unerwarteten Abhängen und Umwegen. Ob der Lipperlandweg unsere erste Trekkingtour 2026 wird, ist nachwievor offen, im Rennen ist er jedenfalls. Zusatzpunkte könnte er sammeln, wenn sich die touristische Betreuung in der Region etwas kooperativer zeigen würde.


Informationen

NameScouting Lipperlandweg Episode 1 (GPX)
Längeca 23 km
Auf- & Abstieg↑ 500 ↓ 500
Start- & ZielpunktParkplatz an der Pyrmonter Straße, Schieder
WegbeschaffenheitWanderwege, querwaldein, gegen Ende Asphalt
Aktualität12 / 2025
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