10 Irrtümer vom Anfang meiner „Wanderkarriere“

Egal, womit man neu beginnt, irgendwie hat man immer gewisse Vorstellungen und Erwartungen. Sogar, wenn man sich mit dem Thema zuvor noch keine fünf Minuten im Leben befasst hat. Entsprechend oft stellen sich die Erwartungen als Irrtum heraus.
So ging es mir mit dem Wandern natürlich auch als ich 2018 vor einem Schild des Harzer Hexenstiegs stand und spontan beschloss, ihn in 2019 zu wandern. Ich. Die Person, die bis dahin nach der Devise gelebt hatte: jede Strecke, die länger ist als mein Auto, wird gefahren!

Hier habe ich dir 10 dieser Irrtümer aufgeschrieben.
Ganz wichtig: es waren FÜR MICH Irrtümer. Das bedeutet nicht, dass sie für dich nicht doch stimmen können! Jeder in diesem Hobby macht andere Erfahrungen. Das ist ganz normal und gut so!

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Ich laufe nur beschilderte Wege!

Diesen Irrtum habe ich sehr schnell erkannt, nämlich nach nur drei Wanderungen. Das Problem war nur, dass ich keinen ausgeprägten Orientierungssinn habe und außerdem nicht gut Karten lesen kann. Aber erstens gibt es nicht so viele gut und durchgängig beschilderte Wege und zweitens bin ich mitten in Corona so richtig mit dem Wandern angefangen. Da waren die Wälder voll, ich wolte aber meine Ruhe haben! Also musste ich mich mit Navigations-Apps beschäftigen. Heute laufen wir kaum beschilderte Wege. Wenn, dann sind es große, bekannte Wege wie zB Rheinsteig oder Neckarsteig.

Bergab ist leichter zu laufen als bergauf!

Das ist sicher einer der größten Irrtümer, die man beim Wandern haben kann. Aber bergrunter kann genauso anstrengend sein wie bergauf! Es tut dabei halt nur woanders weh, nämlich besonders in den Knien. Die müssen jeden Schritt nach unten abfangen und das schmerzt auf Dauer ordentlich. Außerdem gerät man je nach Gelände bergab schneller ins Stolpern, rutscht eher mal aus und knickt auch häufiger um.
Ob nun bergauf oder bergab, ich rate für beides zu Trekkingstöcken. Die erleichtern beide Richtungen ungemein!

Man muss immer auf alles vorbereitet sein!

Was habe ich anfangs alles mitgeschleppt, sogar auf eine Tagestour von 5 – 10 km! Der Rucksack war jedes Mal sehr gut gefüllt! Unter Anderem mit Sachen, die ich niemals gebraucht habe. Oder mit schweren Dingen, von denen ich damals noch nicht wusste, dass und wie es leichter geht. Heute packe ich übersichtlicher. Ein Getränk, Snacks, eventuell eine zweite Jacke je nach Witterung, etwas Erste Hilfe und die Kamera. Das war es oft schon. Es soll und darf natürlich jeder mitnehmen, was beliebt. Nach einigen Touen wird man von alleine reduzieren.

Auf komoot ist Verlass!

Über diesen Irrtum kann ich heute nur noch lachen! Natürlich ist komoot wohl die bekannteste App / Website für Wanderer und andere Outdoorenthusiasten. komoot kann einem aber auch sehr gut den letzten Nerv rauben, wenn es Wege anzeigt, die offenkundig seit vielen Jahren nicht mehr existieren. Oder wenn es die geplante Wanderroute dickfellig direkt neben der Bundesstraße plant. Uns hat es neulich in ein abgesperrtes Gebiet geschickt. Gar nicht mal so selten verhilft es einem auch zu einer kleinen Durchschlageübung oder an einen Abhang, den man zum Fuß beim besten Willen nicht ohne gebrochene Knochen bewältigen kann.

Das schaffe ich noch!

Ein wirklich gut gemeinter Rat: nimm immer eine kleine Schaufel und Toilettenpapier mit! Am besten biologisch abbaubares Toilettenpapier! Spätestens wenn man einmal in höchster Not ohne alles im Wald stand, weiß man das zu schätzen. Mich hat es auf einer meiner ersten Touren erwischt und ich habe es gerade so und mit Schweißperlen auf der Stirn noch aus dem Wald und zur nächsten Tankstelle geschafft. Niemals sonst in meinem Leben war ich jemals so dankbar für eine Tankstelle. ABER unbedingt verbuddeln und NIEMALS Toilettenpapier in den Wald schmeißen!

Spontan 100 km laufen? Kein Problem!

100 km? Das ist doch NUR von Zuhause bis nach Hannover! So etwas oder so etwas ähnliches muss ich mir vor einigen Jahren wohl gedacht haben, anders kann ich mir das heute nicht mehr erklären. Man kann sich so einiges schönreden. Selbstverständlich hat das nicht geklappt und ich bin nach 40 km ausgestiegen. Hinterher konnte ich mich eine Woche vor Schmerzen kaum bewegen. Bestimmt gibt es Menschen, die das schaffen, in falschen Schuhen und null im Training, aber ich gehöre nicht dazu. Immerhin hatte ich nach einem  42 km Mammutmarsch nur am Abend danach noch Schmerzen. Die Übung macht’s!

Ein Zeltplatz im Wald ist schnell gefunden!

Bevor jemand Schnappatmung bekommt: ich weiß, es ist verboten, sein Zelt im Wald aufzustellen und darin zu schlafen!
Ich dachte trotzdem, eine Nacht draußen, das wird schon klappen. Da ich kein Zelt hatte, hatte ich mir eine Schutzhütte ausgesucht .
An dem Abend war ich bei einem Mitternachtskino und kam zwischen zwei und drei Uhr zurück. Alles an Equipment lag im Kofferraum. Das Hotel in der Nähe sollte um die Zeit geschlossen sein. Pustekuchen! Dort tobte eine Familienfeier. Ungesehen zur Hütte kommen, das konnte ich vergessen. Außerdem hatte ich Sorge, dass einer der Partygäste mir (später) folgen könnte.

Alle Wanderpässe sind gepflegt!

Ich kam mit schicken Wanderpässen inklusive zahlreicher Stempel vom Harzer Hexenstieg zurück. Alle Stempelstellen hatten funktioniert, waren gut erreichbar gewesen und bei Abholung der Pins waren die Leute in den Touriinfos sehr freundlich gewesen. Daher war ich der Meinung, das sei bei allen Wanderpässen so. Von wegen! Kaputte Stempel, die trotz Hinweis auch Wochen später nicht repariert waren. Hotels als Stempelstelle, wo keiner etwas davon wusste. In einem Hotel auf dem Rheinsteig (sollte eine Stempelstelle sein) wurden wir in unseren Wanderklamotten angeschaut wie eklige Insekten. Auch dort wusste man von nichts.

Wanderstöcke? Niemals!

In meiner Nähe gibt es einen Wald mit vielen Strecken für Nordic Walking. Immer wenn ich die Walker gesehen habe, dachte ich, niemals werde ich mit Wanderstöcken laufen! Solch eine schöne fließende Bewegung würde ich sowieso nicht hinbekommen. Dazu waren alle ein paar Jährchen älter als ich. Das würde früh genug kommen. Heute möchte ich meine Trekkingstöcke nicht mehr missen! Speziell auf argen An- und Abstiegen nicht und genauso wenig auf Strecken über 25 km. Sie erleichtern all das so sehr, das hätte ich niemals gedacht. Sie im Laufen quasi „mitzunehmen“ funktionierte zu meinem Erstaunen auf Anhieb und komplett intuitiv.

Der Blog wir den gleichen „Stand“ haben wie die reziratte

Die reziratte war mein erster Blog, den ich über sieben Jahre geführt habe und der in der Hörspielwelt überall bekannt war. Bei Hörspielhörern, Hörspielmachern und Verlagen. Das ging damals schnell. So ähnlich hatte ich mir das mit der wanderratte auch vorgestellt, doch das dauerte deutlich länger und dauert in gewissen Belangen immer noch an. Unabhängig von Zahlen, Likes, Followern etc ärgert es mich, dass ich auf freundliche Anfragen meist keine Antwort bekomme. Nein, es geht dabei nicht ums Schnorren! Mal eine geteilte Story? Nein! Mal eine Erwähnung seitens der Firmen, deren Sachen ich teste? Nein! Warum?

Hast du auch solche Irrglauben erlebt bei deiner Wanderkarriere? Dann erzähle mir gerne in den Kommentaren davon!

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