„Warum heißt die Station eigentlich Rückersbacher Schlucht? Gibt es hier eine Schlucht?“
„Nicht dass ich wüsste, müssen wir mal schauen.“
Es ist manchmal schon verrückt, wie man auf eine Tour kommt. In diesem Falle war es eine Bahnfahrt, auf deren Strecke uA die Haltestelle „Rückersbacher Schlucht“ liegt. Solch ein Name stimmt schnell neugierig. Abends haben wir die Karte zu Rate gezogen und tatsächlich war die Schlucht vermerkt. Google kannte sie auch. Da war er nur noch ein Katzensprung an Planung und diese rund 15 km lange Wanderung war für den folgenden Sonntag fix. Lustigerweise bedurfte es ab Kleinostheim gerade mal 3 Minuten Fahrtzeit.

Vom Bahnhof „Rückersbacher Schlucht“ aus waren es nur wenige Wanderminuten und schon standen wir im Wald auf einem breiten Weg, der Mitte November noch die schönsten Herbstfarben trug. Ausnahmsweise schien an diesem Wandertag sogar die Sonne. was kann man sich mehr wünschen? Okay, wenige Höhenmeter vielleicht noch. Die liegen hier bei dieser Runde im unteren Mittelfeld. Quälen muss man sich also nirgends und die Wege sind alle (bis auf ein kurzes Stück) alle leicht zu gehen. Eine Sonntagstour aus dem Bilderbuch also, wenn man von diesen Eckdaten ausgeht.

Für die Verpflegung ist ebenfalls gut gesorgt! Noch recht nahe beim Startpunkt erwartet einen bereits das erste Lokal, der Schluchthof. Der hatte noch nicht geöffnet als wir dort ankamen. Es wäre auch deutlich zu früh gewesen für eine ausgedehnte Pause, also sind wir am Lokal vorbei gelaufen und waren bald wieder im Wald. Dort kommt nach eine Weile ein kleines Häuschen in Sicht, zu dem eine klapprige Holzbrücke führt. Im November war diese abgesperrt. Wir hätten uns das Hexenhaus gerne einmal angeschaut, halt an der Sperre seitlich vorbei, aber leider waren wir zum dem Zeitpunkt nicht alleine auf diesem Weg. Wobei man andererseits sagen muss, es hätte wohl sowieso nichts mehr zu sehen gegeben. Wie es sich liest, ist es ein Gebäude des ehemaligen Steinbruchs,

Bis zur Schucht selber ist es von dort gar nicht mehr weit. Nach und nach wird es an den Seiten des Weges felsiger. Am Beginn dieses Abschnitts teilt sich der Weg zunächst. Nach links geht es leicht bergan und man ha einen Blick in eine Senke, die allerdings sehr zugwachsen ist. Man sieht aber eine Infotafel dort unten stehen. Dies war einst eine Reibsandkaute. Reibsand wurde an einigen Stellen im Spessart abgebaut. Es ist sicher interessant, was auf der Infortafel steht, uns war es die Durchschlageübung einen recht stielen Hang hinunter aber doch nicht wert. So sind wir umgekehrt und haben an der Wegzwille den anderen Weg gewählt. Direkt zu Sclucht hin.


Keine Sorge, auch in der Schlucht ist der Weg sehr gut zu laufen. Man hat allerdings auch schon schluchtigere Schluchten gesehen, das muss man ehrlich sagen. Die Felsen rechts und links sind schon schön und die folgenden Felsformationen beeindruckend. Allen voran der „Hexenkopf“ oben auf dem Bild.
Abenteuerfeeling kommt aber nicht auf. Da hatten wir uns etwas mehr versprochen. Für eine kleine Kraxelei hat es nicht gereicht.
Dafür sind die Felsen geologisch betrachtet spannend. Sie sind aus Phonolith, dem Klangstein. Er ist vulkanischen Ursprungs und kommt in ganz Bayern nur hier vor. Hätte man statt der Felsen nur eine dünne Scheibe Phonolith, würde sie beim Anschlagen einen hellen Klang erzeugen.


Immer weiter an dem hübschen Bach entlang durchwandert man die Schlucht und gelangt anschließend in ein Gebiet, das mit dem befestigten Weg und den grünen und hügeligen Wiesen ein bisschen an einen Golfplatz erinnert. Hier geht es zum ersten Mal etwas bergauf, was nach dem flachen Weg durch die Schlucht ungewohnt und leicht anstrengend sein kann. Aber auch nur, weil man sich bis hierher gemütlich eingelaufen hat. Der höchste Punkt ist flott erreicht. Bis hierher war es für uns zwar noch nicht Halbzeit (wo wir sonst unsere Pause machen), aber wir hattn an diesem Tag beide unsere Getränke vergessen und so war der Gasthof Büttner schon sehr einladend. Kurzerhand sind wir eingekehrt. Lecker war’s! Und sehr nettes Personal.

Frisch gestärkt ging es in den ärgsten Anstieg der Tour, der sogar per Schild markiert ist. Stolze 18% sind es. Hat man das gemeistert, wird man mit einem schönen Ausblick belohnt. Aus dem Wald ist man erstmal eine kleine Weile lang heraus. Die Wanderung bietet durchaus Abwechslung bei den Wegen, da kann man sich nicht beschweren. Uns hat sie so ehrlich überrascht. Speziell ich bin ja nicht so der Fan von Runden vor der Haustür, aber vielleicht sollte man doch mal häufiger nach solchen Touren schauen. Manche scheint sich durchaus zu lohnen!

Zurück im Wald gelangt man einmal mehr auf wunderbar breite Wege. Hier und da geht es leicht aufwärts, leicht abwärts, es kann auch mal ein Baumstamm über dem Weg liegen, über den man steigen muss, wilder wird es aber nicht. An einem kleinen als „privat“ ausgewiesenen Grundstück kommt man auf diesem Abschnitt vorbei. Hier hat sich jemand eine Art rustikale Hütte in den Wald gezimmert, soweit wir das vom Weg aus sehen konnten. Ein nettes Plätzchen dafür, ohne Frage. Allerdings hätte ich es wohl etwas besser gesichert, denn an dem „Privat“-Schild könnte man problemlos vorbei und zu dem Shelter hinlaufen. Da hätte ich immer Angst, dass man es mir kaputt kloppen würde.

Am nächsten Abzweig wäen wir fast vorbeigelaufen, so gut versteckt er sich. So kamen wir dann doh noch zu einer kleinen Durchschlageübung. Einmal mitten rein ins Grün! Es sind aber nur wenige Meter, dann ist man auch schon durch. In der aktuellen kahlen Jahreszeit dürfte das Stück noch besser zu gehen sein. Wahrscheinlich sieht man den Abzweig auch deutlich besser, wir haben zunächst recht ratlos dreingeschaut beim Blick auf die Karte und das Gestrüpp. Aber man ist von komoots Wegen ja so einigen Kummer gewöhnt, darum sollte man in solchen Momenten eigentlich nicht mehr überrascht sein. Wir sind es trotzdem immer wieder. Kann man nichts machen.

Die bunten Girlanden so mitten im Wald haben uns ebenfalls überrascht. Jedes Fähnchen war in feinstem Sanskrit mit Sinnesprüchen beschrieben. Verstanden haben wi natülich nichts davon. Mich hat das ein wenig an Klein Tibet in den Tiroler Alpen erinnert. Was das hier im Wald im Spessart zu bedeuten hatte, das wissen wir bis heute nicht. Aber es ist auf jeden Fall etwas, das man hier auf keinen Fall erwartet. Entsprechend haben wir uns hier etwas länger aufgehalten, ehe wir weitermarschiert sind.

Gegen Ende der Wanderung gelangt man auf eine schmale asphaltierte Straße, die einen zum Bahnhof zurückleitet. Viele Autos sind hier nicht unterwegs. Wer mag, der findet an der Straße noch ein weiteres Lokal für eine Einkehr. Im Al Cappuccino kann man italienisch speisen, oder man genießt im Biergarten einfach ein kühles Getränk. Das Restaurant muss gut sein, es war ganz schön was los! Wir waren aber noch satt und sind direkt weiter zum Bahnhof gelaufen.
Die Rückersbacher Schlucht war ein Zufallsfund, wie er im Buche steht! Die Wanderung hat uns ehrlich überrascht mit ihren abwechslungsreichen und schönen Wegen, einigen Ausichten und natürlich der Schlucht selber. Natürlich kann man die Schlucht nicht mit so großen Schluchten vergleichen, wie man sie etwa im Gebirge findet, aber einige beeindruckende Felsen gibt es schon zu sehen. Aus einem Gestein, das man in Bayern nirgends sonst findet noch dazu! Außerdem kann man die Runde zu einer echten Schlemmerrunde erklären, so viele Einkehrmöglichkeiten wie es an der Strecke gibt.
| Name | Unverhofft kommt oft! – Durch die Rückersbacher Schlucht (GPX) |
| Länge | ca 16 km |
| Auf- & Abstieg | ↑ 380 ↓ 370 |
| Start- & Zielpunkt | Bahnhof Rückersbacher Schlucht |
| Wegbeschaffenheit | bis auf kurze Abschnitte, breite und leicht begehbare Wege |
| Aktualität | 11 / 2025 |
