An diesem Tag musste aus verschiedenen Gründen eine eher kurze Tour her. Oder eine, die nicht allzu weit von zuhause bzw relativ schnell per Bahn zu erreichen war. Also haben wir uns die Verbindung vom RE6 genauer angeschaut. Sonst fahren wir damit meistens ins Ruhrgebiet, aber der Zug hat ja auch noch ein paar Stopps vorher.
Die Wahl fiel letztlich auf Oelde, weil uns auf der Karte direkt das Geisterholz ins Auge sprang. Das Geisterholz ist ein Wald und außerdem ein Naturschutzgebiet. Irgendwo hatte ich sogar schon davon gehört. Aufgrund des coolen Namens stand es -wenn auch weit hinten- bereits auf meiner Liste.
Eine Tour mit für uns passender Länge war fix gefunden, wir haben sie aber doch um den Abstecher vom Bahnhof aus verlängert. So kommt die Runde auf eine recht entspannte und höhenmeterfreie Länge von etwa 12 km.

Aus dem Ort heraus führt die Route eine hübsche Allee entlang und vorbei am ersten Kreuz / der ersten Gedenkstätte. Davon haben wir auf der Runde mehrere gesehen, was uns überrascht hat. Aber immerhin gab es so immer mal wieder etwas anzuschauen. Denn das kann ich bereits hier vorab sagen: Highlights sucht man auf der Wanderung vergebens. Wir sind die Wanderung im Dezember gegangen, da waren einige der Gedenkstätten weihnachtlich hergerichtet. Im Nachhinein habe ich ergoogelt, dass Oelde vorwiegend katholisch ist. Mit der Nähe zu Münster eigentlich nicht verwunderlich. Aber gewusst hätte ich das nicht.

Wald hatten wir lange Zeit nur auf der einen Seite, auf der anderen lief die Landstraße entlang. So kamen wir auch an einigen Bushaltestellen vorbei. Ein paar Fahrpläne haben wir uns näher angeschaut und zusammenfassend kann man sagen, dass man am Wochenende gar nicht hierher kommt. Wenn ich in der Diskussion um die Nutzung der Öffis höre oder lese, dass viele Menschen auf dem Land gar keinen ÖPNV vor der Tür haben, kann ich es oft nicht glauben. Aber es stimmt. Es gibt sogar Regionen, die touristisch sehr weit vorne mit dabei sind, zu denen man aber mit Bus und Bahn schwer bis gar nicht kommt. Das verstehe ich absolut nicht. Zum Glück (wenn man so möchte) machte Oelde jetzt nicht den touristischsten Eindruck.

Das Geisterholz ist wirklich ein sehr hübscher Wald, der teilweise richtig verwildert aussieht. Auch hier gibt es einige solcher Kreuze zu sehen. Höhenmeter hat die Runde so gut wie gar keine, was das Laufen es sehr angenehm machte. Auch mal schön! Dafür war das Stück im Geisterholz aber auch der einzige Abschnitt, wo wir nicht auf Asphalt unterwegs waren. Das war weniger angenehm. Aber auf der Streckenlänge wenigstens nicht schmerzhaft.
Was uns auf dieser Runde aufgefallen ist: jeder, wirklich jeder, dem wir begegnet sind, hat freundlich gegrüßt oder zurück gegrüßt. Das haben wir noch nirgends erlebt. Unheimlich freundlich sind sie dort in Oelde. Wie passend zum Geisterholz!

Das Wasserschloss Haus Geist macht richtig was her! Es ist aber in Privatbesitz, daher sollte man nur vom Weg aus schauen.Seit 1884 bewirtschaftet die Familie Pellengahr-Gröblinghoff den Hof und die Flächen rundum. An ihrer Stelle hätte ich auch etwas dagegen, wenn immer wieder Wanderer oder Spaziergänger auf den Hof gelaufen kämen. Man kann Haus Geist aber als Eventlocation buchen, beispielsweise für Hochzeiten oder andere größere Feierlichkeiten. Ansonsten ist leider keine Besichtigung möglich. Am Grundstück steht eine Infotafel mit einer sehr freundlichen Erklärung der Familie, warum man Haus Geist bitte nur von Weitem bestaunen soll.

An einigen neugierigen Pferden auf der Koppel und an einer zerbrochenen Steinbrücke über den Bach vorbei sind wir zügig weitergelaufen. Und dann zeigte sich mal wieder, wieso man komoot manchmal würgen möchte. Wir gelangten ins Oelder Industriegebiet! Das wäre ja noch okay gewesen, aber vor zwei Werkstoren ging es einfach nicht mehr weiter. „Zeitlich eingeschränkt begehbar“, oder wie komoot das nennt. Ich bin nicht sicher, ob die von den Fimen dort es so dolle finden, wenn da zB werktags Leute übers Gelände latschen. Aber was weiß ich schon? Wir haben also kehrtgemacht und sind einen anderen Weg gegangen.

An einigen Schafen vorbei, die mit Rasenmähen beschäftigt waren, kam bald schon die Bahnlinie wieder in Sicht. Die restliche Strecke sieht halt so aus, wie Gegenden zwischen Bahnhöfen und Industriegebieten oft aussehen. Grau mit maximal ein paar wenig sehenswerten Graffitis. Das ebenfalls sehr graue Wetter an diesem Tag tat sein Übriges dazu. Irgendwie waren wir froh als wir wieder am Bahnhof ankamen und auf den Zug nach Hause warteten.

Eine Tour, die man machen kann, aber nicht muss. Das Geisterholz ist hübsch und Haus Geist lohnt den Blick, ansonsten wenig Schauwert und umso mehr Asphalt. Man kann halt nicht immer Glück haben mit der Tourenplanung
ABER: es hat ausnahmslos jeder gegrüßt, dem wir begegnet sind!
In Oelde leben super freundliche Menschen! Kompliment!!
| Name | Die freundlichen Menschen von Oelde (GPX) |
| Länge | ca 12 km |
| Auf- & Abstieg | ↑ 60 ↓ 70 |
| Start- & Zielpunkt | Bahnhof Oelde |
| Wegbeschaffenheit | Waldwege im Geisterholz, ansonsten Asphalt |
| Aktualität | 12 / 2025 |
