Auf die Bretter, fertig, los! – Das erste Mal Skilanglauf in Willingen

Uns war in einem Podcast zu Ohren gekommen, dass Skilanglauf so ähnlich ist wie Wandern und dass man dafür noch nicht mal besondere Ausrüstung bzw Kleidung braucht. Man könne das in normalen Wanderklamotten machen. Das klang danach als müsse es ausprobiert werden.
Letzten Winter ergab sich mangels Schnee in unseren Regionen und ihrem mittelweiten Umkreis leider gar keine Gelegenheit dazu.
Als sich diesen Winter abzeichnete, dass uns der Schnee noch etwas erhalten bleiben würde, war fix ein Zimmer im Willingen gebucht und die nötige Ausrüstung reserviert.

Vorab: dies ist nur ein Bericht über unser erstes Mal auf Langlaufskiern. Wir sind absolute Anfänger und hatten keinen Kurs belegt. Das ist sicher nicht die ideale Herangehensweise. Alles was ich hier beschreibe und erkläre, rührt einzig aus dieser einen ersten Erfahrung her. Bei Tipps beschränke ich mich auf Allgemeines, das überwiegend nichts mit der Technik des Langlaufs zu tun hat. Da musst du dir dann selber ein Bild machen!

Fragen und Tipps zum Skilanglauf (in Willingen)

Skilanglauf in Wanderkleidung?

Dass man Skilanglauf in Wanderklamotten machen kann, das stimmt. Das haben wir bei diesem ersten Mal genauso gemacht. Zieh dich nicht zu dick an, auch wenn tiefster Winter ist! Man kommt schnell ein wenig ins Schwitzen. Wenn du Handschuhe trägst, sollten sie eine griffige Innenfläche haben. Das gibt mehr Halt an den Stöcken. Meine Fleecehandschuhe sind immer wieder gerutscht. Ansonsten kannst du ganz nomale Winterklamotten für draußen wählen. Falls du eine Schneehose hast, ist das ideal. Wir haben beide keine, aber selbst unsere Wanderhosen haben die Nässe vom Schnee gut abgehalten. Man legt sich ja doch mal auf die Nase.

Frisch beschuht
Ausrüstung – Leihen und / oder kaufen?

Natürlich kannst du direkt nach der Planung deines ersten Laufs dafür Ausrüstung kaufen gehen. Man kann sie aber auch entspannt ausleihen. So haben wir es gemacht. Das Paket mit Ski, Stöcken und Schuhen kostete für einen Tag € 17,00 pro Person. Ein Helm hätte zusätzlich € 5,00 gekostet, eine Brille € 4,00. Das fand ich erstaunlich moderat, wenn man bedenkt, wie teuer ansonsten alles rund um Wintersport ist. Vermutlich ist Skilanglauf nicht cool genug um horrende Preise dafür aufrufen zu können.

Ausrüstung ausleihen bei der Snow & Bike Factory Willingen

Wir haben unsere Ausrüstung in Willingen bei der Snow & Bike Factory ausgeliehen, die am Fuße der Skipisten liegt. Ich hatte zuvor alles online reserviert, weil es so laut Angabe der Factory beim Verleih schneller gehen sollte. Der Shop ist riesig und an solchen Winterwochenenden ist dort der Teufel los! Die Angestellten waren alle sehr freundlich. Pass bitte dennoch auf! Wir haben im ersten Anlauf Stiefel für Abfahrtski bekommen. Das haben wir reklamiert und die Langlaufschuhe bekommen. Maik jedoch im ersten Versuch in der falschen Größe. Da darf man sich schon fragen, wieso man bei der Reservierung alle Daten wie Schuhgröße, Gewicht, Körpergröße angibt, wenn beim Vorzeigen der Mail mit den Daten keiner darauf achtet. Die Langlaufski wurden gesondert ausgegeben, allerdings war der zuständige Herr plötzlich verschwunden und tauchte erst nach Minuten auf. Wir waren heilfroh als wir aus dem Chaos im Laden heraus waren. Immerhin, die Ausrüstung bestand aus Teilen von Fischer und Salomon, also Markenartikel.

Braucht man ein Ticket für die Loipen?

Kurz und knapp: nein! Während man für die Pisten Tickets benötigt, ist das bei den Loipen nicht der Fall. Auf der Seite wird jedoch ein Loipenticket angeboten, das pro Person € 5,00 kostet. Für mich war nicht klar ersichtlich, ob man dieses Ticket braucht. Es steht geschrieben, die Einnahmen kommen der Pflege und dem Erhalt der Loipen zugute. Beim Kauf wählt man allerdings auch ein Zeitfenster aus, wann man laufen möchte. Das sprach für mich wiederum für eine Art Eintrittskarte und ich habe zwei gekauft. Das Ticket wird anschließend per Mail zugeschickt und enthält sogar einen QR-Code zum Scannen.Es sei dem Verein von Herzen gegönnt, aber man braucht hier kein Lopienticket um Langlauf zu betreiben. Es gibt nirgends eine Station zum Abscannen.

Auf der Anfänger Loipe „Stryck“

Die Loipen bei Willingen starten nicht direkt im Ort. Für uns kam erstens nur eine Anfängerloipe in Frage und zweitens nur eine, die nicht allzu weit entfernt von Willingen war. Schließlich mussten wir später noch einen Zug erwischen. Somit war die Loipe bei Stryck die einzige Option. Dorthin gelangt man am einfachsten mit dem Bus 590 zur Haltestelle Willingen, Abzweig Stryck. Von dort sind es wenige Minuten Fußweg bergab die Straße entlang zum „Loipen-Zentrum Winterpark“. Einen Parkplatz gibt es ebenfalls.
Am Anfag der Loipe haben wir die Skier angelegt, was sich beim ersten Mal als nicht so einfach herausstellte. Ich hatte vor allem Probleme damit, die Schuhe in die Bindung des Ski einzuklicken. Rechts, gar kein Problem, links fast unmöglich. Vorne am Skischuh ist ein schmaler Metallsteg, der unter einen Bügel an der Bindung geklickt werden muss. Erst rutschte der Ski nach vorne weg, dann ich mit dem anderen Bein zur Seite und schwupp, da lag ich auch schon im Schnee.

Die Loipe führt zunächst eine ganze Weile durch eine Wiesenlandschaft und kommt zu Beginn ohne Schwierigkeiten aus. So konnten wir uns in Ruhe in die ungewohnte Bewegung einfinden. Es ist fast wie normales Laufen. Die Schuhe sind im hinteren Teil nicht fest am Ski und man macht quasi einen Schritt nach dem anderen und schiebt dabei die Ski voran. Die Stöcke schwingen über Kreuz mit und sorgen bei Bedarf für Halt oder Standfestigkeit. Zum Beispiel, wenn man anhalten und sich umdrehen oder ein Foto machen möchte. Beides übrigens nur, wenn niemand sonst hinter einem fährt! Ansonsten muss man aus der Loipe heraustreten und Platz machen. Außerdem herrscht in der Loipe Rechtsverkehr!

Blick zur Mühlenkopfschanze und dem Skywalk Willingen
Ab geht die (wilde) Fahrt!

Die Loipe führt vorbei an der Mühlenkopfschanze. Es ist die weltweit größte Skisprungschanze und lohnt einen kurzen Stopp. Zuvor gilt es kleinere Abfahrten zu bewältigen. Objektiv betrachtet kein halber Meter, mit den rutschigen Ski unter den Füßen etwas abenteuerlich. Wir sind beide zwei-, dreimal auf die Nase gefallen bzw einfach seitlich umgekippt. Da man als Anfänger nicht schnell unterwegs ist, waren es Stürze wie in Zeitlupe. Passiert ist nichts dabei. Deshalb übertreibe es am Anfang nicht mit dem Tempo! Am besten und flüssigsten lief es bei uns, wenn wir gar nicht daran gedacht und auch nicht auf die Ski geschaut haben. Und wenn ich nicht dran gedacht habe, dass ich womöglich wie der größte Idiot aussehe.

Was die KI dazu sagt

Kurz vor der Schanze stellte uns ein Parkplatz vor ein Rätsel. Der ist natürlich nicht gespurt. Also wie kommt man da drüber? Schließlich haben wir die Skier abgeschnallt und sind über den Parkplatz zum Wiedereinstieg in die Loipe gelaufen. Das ist die sicherste Variante. Wir haben Könner gesehen, die über den Parkplatz gefahren sind. Als Anfänger kamen wir ohne die gespurte Loipe schnell ins Rutschen, daher war das für uns keine Option. Der Wiedereinstieg liegt hinter den Tribünen an der Schanze und dort auf dem Weg daneben. Dann gilt es einmal mehr einen kleinen Buckel hinabzufahren. So gelangt man erneut in ein breites Tal mit Wald an den Seiten und angenehm flachem Gelände.

Die Sonne kämpft sich durch

Hier kam sogar für eine Weile die Sonne heraus, was aus der Landschaft ein echtes Wintermärchen machte. Inzwischen war es auch etwas voller geworden, aber weit, weit weg von dem Ballermann-Trubel an den Skiliften in Willingen. Ein weiterer Vorteil am Langlauf: man hat eher seine Ruhe. Wer schneller ist, der hat eine Loipe zum Überholen und es muss auch niemand aus seiner Loipe „springen“, nur weil jemand hinter einem läuft. Dafür gibt es eine „Überholspur„. Das macht  Skilanglauf zusätzlich entspannt. Mich zB macht es immer nervös, jemanden hinter mir zu haben, weil ich dann denke, ich bin zu langsam und im Weg. Das ist auch beim Wandern so. Daher finde ich dieses Prinzip beim Langlauf sehr angenehm.

Auf gleichem Weg zurück

Die Loipe Stryck ist mit ihren knapp 3 km sehr kurz und so erreichten wir schon bald den Wendepunkt, wo die Loipe einen weiten Bogen zieht und dann auf gleicher Strecke zum Ausgangspunkt zurückführt. Hier war die Sonne dann endlich komplett zur Stelle. Was ein Anblick! Ich werde nie ein Fan von Schnee sein, muss aber zugeben, dass solch eine verschneite Landschaft mit Sonne darüber ein großartiger Anblick ist. Aber eben auch nur so: trocken, windstill und sonnig. Wäre der Winter immer so, wären wir die besten Freunde. Ach so, schneien dürfte es natürlich nur um die Straßen herum. Wunschdenken, natürlich.
Insgesamt muss ich sagen, Skilanglauf ist wirklich so ähnlich wie Wandern. Man ist in gemächlichem Tempo in herrlicher Natur unterwegs.

Wintermärchen

Auf dem Hinweg hatten wir einen etwas größeren Buckel bezwungen, den mussten wir nun wieder hinunter. Wahnsinn, wie steil solch ein Buckel aussieht, wenn man rutschige Ski unter die Schuhe geschnallt hat. Mir kamen gewisse Zweifel, ob ich es heile dort hinunter schaffen würde. Nach kurzer Überwindung und einem „Ach, was soll’s?“ habe ich es riskiert. Es half ja sowieso nichts! Man wird schon ganz schön schnell, aber Spass macht es halt auch irgendwie. Umgekippt bin ich erst als ich längst unten war. Warum auch immer. Das muss von außen irre komisch aussehen, wenn jemand aus dem Stand seitlich wegkippt.

Auf Kollisionskurs

Kurz vor der Mühlenkopfschanze erwischte es dann Maik, was ihm einen lustigen Spruch eines anderen Langläufers einbrachte. Freundlich sind die Menschen in dieser Sportart ja, da kann man echt nichts sagen. Am Parkplatz haben wir die Ski wieder abgeschnallt und sind darüber gelaufen. Irgendwann können wir vielleicht auch mal über Parkplätze fahren, beim ersten Mal war das einfach noch nicht drin. Sicherheit geht auch im Skilanglauf vor! Außerdem standen Autos dort und mit den sperrigen Stöcken wäre es auch in dieser Hinsicht gefährlich geworden. Man möchte ja keine Fahrzeuge beschädigen. Bedenke immer, du bist mit den Stöcken ein gutes Stück breiter als sonst!

Kurz vor Ende sind wir einmal ineinander gefahren. So schnell kommt man mit den Skiern nicht aus dem Weg, wenn hinter einem jemand „Weg da!“ ruft. Für den Umstieg in die Überholspur war keine Zeit. Diese Kollision hatte es schon mehr in sich, denn man muss nicht nur vier Beine, sondern auch vier Ski entknoten. Dafür sind mitunter Bewegungen nötig, für die menschliche Gelenke nicht ausgelegt sind. Bis hierher hatte es auf der Runde keinen einzigen Grund zum Bremsen gegeben und wir hatten beide keine Idee davon, wie das funktionieren könnte. Frisch entknotet ging es zurück zum Start und weiter zur Bushaltestelle. Wir wären gerne noch eine zweite Runde gefahren, aber das ging leider wegen der Rückfahrt mit der Bahn zeitlich nicht mehr.

Skilanglauf – Lohnt es sich?

Gaz klar, ja! Der Einstieg wird einem sehr leicht gemacht, da man Ski, Stöcke und Schuhe zu moderaten Preisen ausleihen und an Kleidung seine normalen Winter- oder Wanderklamotten nehmen kann. In die Bewegung kommt man schnell hinein. Fehler oder „Stolperer“ passsieren zwar, aber da man anfangs langsam unterwegs ist, passiert meistens nichts Wildes. Ausgeschlossen ist es aber natürlich nicht, wie man an unserem Zusammenstoß erkennen kann. Das hätte schon weh tun können. Wenn du Skilanglauf also einmal ausprobieren möchtest, dann taste dich langsam und vorsichtig heran und gehe keine Risiken beim Fahren ein! Viel Spaß!

Alle Angaben ohne Gewähr! Diese Tour beschreibt ausschließlich unsere persönliche Erfahrung. Schneelage, Loipenzustand und Wetter können sich kurzfristig ändern. Die Tour erfolgt auf eigene Verantwortung.

NameAuf die Bretter, fertig, los! (GPX)
Längeca. 3 km
Auf- & Abstieg (lt Garmin)↑ 50 m ↓ 50 m
Start- & Zielpunkt Loipezentrum Winterpark Willingen
Loipentypblau, Anfänger
ÖPNVBus 590 ab Willingen Bahnhof bis Haltestelle „Abzweig Stryck“
Aktualität01 / 26
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Ein Gedanke zu “Auf die Bretter, fertig, los! – Das erste Mal Skilanglauf in Willingen

  1. Ach toll, ich freue mich immer, wenn du in meiner ehemaligen Heimat unterwegs bist und darüber schreibst. Edersee ist ja nicht weit von meinem Elternhaus, Willingen auch nicht. Früher bin ich dort auch gern Langlauf gefahren, ich finde es tatsächlich ähnlich wie wandern oder joggen. Leider fehlt mir jetzt die Gelegenheit.
    Liebe Grüße
    Kerstin

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