Bereits seit Anfang 2022 versuche ich, den Neckarsteig komplett zu erwandern. Drei Jahre später sollte es nun zügiger voran gehen, wobei uns aber eine Etappe schier zur Verzweiflung gebracht hat. Nämlich die nach und ab Neunkirchen. Als wir 2024 dort eintrafen, kamen wir kaum wieder weg. Das Wander-Taxi war telefonisch nicht zu erreichen, eine Busverbindung hätte für eine Strecke von wenigen Kilometern fast drei Stunden gedauert. Schließlich haben wir ein normales Taxi genommen, wo uns der Fahrer versicherte, auch in der Woche sei die Anbindung von Neunkirchen keinen Deut besser.
Alleine schon deshalb haben wir die Etappe von Neunkirchen nach Neckargerach sehr lange vor uns her geschoben. Aber auch, weil es mit den Öffis mindestens genauso schwierig ist, wieder für die nächste Etappe dorthin zu gelangen. Dass Neunkirchen überhaupt eine Etappe ist, ist in unseren Augen ein Wunder. Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Ort nur dazugehört, damit die ansässige Hotellerie etwas an den Wanderern verdient, wenn diese über Nacht bleiben.
Dann begegneten wir auf unserer Weihnachtswanderung auf den Katzenbuckel dem Katzensteig und stellten fest: auch dieser führt nach Neckargerach, genau wie die Etappe ab Neunkirchen auf dem Neckarsteig. Der Katzensteig liegt halt nur auf der anderen Seite vom Neckar. Selbst die 17 km Länge sind fast identisch. Damit war klar: mit dem Katzensteig schlagen wir dem Neckarsteig ein Schnippchen!

Der Startpunkt an diesem Wandertag war die Bushaltestelle Waldkatzenbach Ort, die wir vom Bahnhof Eberbach aus sogar am Wochenende erreichen konnten. Erstaunlich, was auf dieser Seite des Neckars alles möglich ist! Zunächst führt die Strecke kurz durch den kleinen Ort. Wir hatten an diesem Tag überhaupt kein ordentliches Wetter erwischt, es hat die komplette Tour hindurch geregnet. Das waren zwar die idealen Voraussetzungen, um meine neue Regenhaube für den Rucksack zu testen, ansonsten hat es hauptsächlich genervt. Wenig später im Wald wurde es etwas besser, weil der Regen nicht so richtig durch das Geäst kam, aber angenehm war es keine einzige Minute.

Da die Tour bereits auf einer gewissen Höhe startet, hat sie erfreulich wenige Höhenmeter im Gepäck. Es geht zwar dann und wann aufwärts, aber in einem vertretbaren Maß. Das dürfte jeder schaffen, der die Strecke nicht als allererste Wanderung antritt. Mir kommt das sowieso immer entgegen. Die Wege können sich sehen lassen und so sorgte das mistige Wetter immerhin für ein gewisses Flair. Da liefen sich die ersten Kilometer recht leicht weg. Auf Sehenswertes am Wegesrand muss man dieses Mal überwiegend verzichten und stattdessen die Wanderkulisse auf sich wirken lassen. Außerdem kommt man natürlich gut und zügig voran!

An der großen Eichwaldhütte haben wir eine erste kurze Rast eingelegt um einmal im Trockenen etwas trinken zu können. Die Hütte ist wirklich geräumig, hübsch und hat sogar eine Feuerstelle mit Tischen und Bänken vor der nicht vorhandenen Tür. An sich wäre die Hütte auch etwas für eine Übernachtung draußen. Der ebene Platz würde sich sicher eignen und im Falle von Regen könnte man in die Hütte wechseln. Leider liegt sie aber direkt am Weg, was weniger vorteilhaft ist. Als wir dort vorbeikamen lag außerdem noch ein kleines bisschen Schnee, da war sowieso kein ernsthafter Gedanke daran. Aber ein schöner Platz für eine Trinkpause war die Hütte mit ihrer herrlichen Lage auf jeden Fall.

Auf halber Strecke im folgenden Abstieg liegt der Wanderparkplatz Eichwald, der einigen Autos ein schattiges Plätzchen bietet. Auch von hier aus lassen sich verschiedene Wanderungen antreten. Dafür hat man aber nun auch für eine kurze Weile festen Untergrund unter den Sohlen. Das ändert sich aber bald wieder. Nur noch kurz am Landgasthaus „Zur Mühle“ vorbei, wo man gut das große Mühlrad bewundern kann. Über eine hölzerne Rinne fließt Wasser zur Mühle, was wirklich sehenswert ist. Dem Höllbach begegnet man hier zum ersten Mal und folgt ihm auf der weiteren Strecke, wo er sich langsam zu einem echten Wildwasserbach entwickelt Jedenfalls zu solch einer regnerischen Zeit. Sogar Wasserfälle gibt es!


Der letzte sanfte Anstieg bringt den Wanderer auf eine Art Hochebene. Vom Wald wechselt die Landschaft zu Wiesen und einem asphaltierten Weg mit einigen Bäumen am Rand. Wir konnten nur wenige Meter weit schauen vor lauter Regen und Nebel. Außerdem pfiff uns ein ordentlicher Wind um die Ohren, was das Laufen nicht gerade angenehmer machte. Nass waren sir sowieso schon von oben bis unten. Aber irgendwann ist das auch noch egal und man stapft bockig weiter. Jetzt erst recht! Ein gut bestückter Wegweiser informiert darüber, dass man hier schon fast die Hälfte der Strecke gemeistert hat. Acht Kilometer sind es noch bis zum Ziel in Neckargerach.

Dass ein Stück der Route auf einer richtigen Landstraße verläuft, das war uns bei der Planung gar nicht aufgefallen. Hier ist ein wenig Vorsicht geboten. Die Straße ist recht kurvig. Mancher Autofahrer sieht das scheinbar als sportliche Herausforderung und wähnt sich auf einer Rennstrecke. Man sollte also immer schön am Straßenrand laufen! Lang ist der Abschnitt nicht, aber irgendwie haben wir ihn komoot nicht abgenommen. Dieser Verein kann bei der Routenplanung einfach nicht ohne die eine oder andere Frechheit! Da half auch der zweifelnde Blick auf die Karte leider wenig. Außerdem waren wir auf der Straße natürlich komplett dem Regen ausgeliefert.

Endlich von der Straße herunter ist man wieder geschützter im Wald unterwegs und zurück auf den weichen Wegen. Das tat nach dem Stück Straße richtig gut! Am kleinen Waldsee kann man nochmal gut eine Pause einlegen. Auch hier gibt es eine geräumige Hütte bzw einen Unterstand, der bei schlechtem Wetter Schutz bietet. Tische und Bänke sind ebenfalls vorhanden und der See liegt wirklich ganz idyllisch. In der Nähe konnten wir sogar die ersten Schneeglöckchen der Saison entdecken. Die ersten zarten Anzeichen dafür, dass der Frühling in den Startlöchern stand. Auch wenn man es diesem Tag Ende Februar überhaupt nicht glauben wollte. Es fühlte sich eher an wie Mitte November.


Vom See aus ist es bis Neckargerach nun gar nicht mehr so weit. Einen kurzen Anstieg gilt es noch zu bewältigen, dann nimmt man bereits deutlich Kurs auf die Ortschaft. Wir waren so ganz langsam auch froh darüber, bald aus dem Regen zu kommen. Allerdings stand noch eine letzte Challenge auf dem Plan. Scheinbar habe ich eine alte Ausführung des Wanderpasses vom Neckarsteig und die meisten Stempelstellen gibt es gar nicht mehr. Das einzige Hotel lag ein gutes Stück abseits unserer Route. Deshalb hatte ich in der Woche vor der Tour mit dem Neckarsteig Büro telefoniert. Dort versicherte man mir, ich könne auch irgendwo in Neckargerach stempeln lassen. Darum verdanke ich den Neckargerach-Stempel nun der netten Kassiererin im örtlichen Penny.

Alle, die keine Lust drauf haben, sich auf dem Neckarsteig mit der An- und Abreise nach und von Neunkirchen herumzuärgern, dem kann ich diese Alternativroute wärmstens empfehlen. Eberbach ist deutlich leichter zu erreichen, da es an der Bahnlinie liegt. Startet man von dort, dann läuft man den kompletten Katzensteig mit seinen 28 km. Man gelangt aber auch per Bus nach Waldkatzenbach, so wie wir es gemacht haben. Das spart satte zehn Kilometer. Diese Route kommt ohne größere Highlights aus, aber auch ohne saftige Anstiege. Im Sommer ist die Strecke sicher bedeutend schöner, aber die Wege sind immer herrlich waldig und gut zu laufen. Mehrere Unterstände bieten ein Chance zum Unterstellen während einer Pause. So lassen sich die 17 km recht entspannt laufen.
| Name | Viele Wege führen nach Neckargarach – Dem Neckarsteig in Schnippchen schlagen (GPX) |
| Länge | ca 17 km |
| Auf- & Abstieg | ↑ 360 ↓ 670 |
| Startpunkt | Bushaltestelle Waldkatzenbach Ort |
| Zielpunkt | Bahnhof Neckargerach |
| Wegbeschaffenheit | angenehme Wanderwege, teils auch Asphalt |
| Aktualität | 02 / 2026 |
