Gestatten, Thorsten Oehrlein! – Als Testpassagier an Terminal 3

Am 22.04.2026 wird am Flughafen Frankfurt das neue Terminal 3 eröffnet, am 23.04.2026 soll bereits der Flugbetrieb starten.
Nach rund 10 Jahren Bauzeit ist das neue Terminal nun so gut wie fertiggestellt und soll künftig die Abfertigung von 19 Millionen Passagieren (später bis zu 25 Millionen) ermöglichen. Dies soll die beiden anderen Terminals deutlich entlasten.

Bewerbung als Testpassagier – Wie alles begann

Anfang Herbst 2025 stieß ich auf Facebook auf eine „Stellenausschreibung“ des Flughafens Frankfurt, in der Testpassagiere für den Probebetrieb von Terminal 3 gesucht wurden. Da ich Flugzeuge liebe, für mein Leben gerne fliege und hin und wieder zum Planespotten gehe, habe ich mich direkt beworben. Große Chancen rechnete ich mir allerdings nicht aus und lange Zeit tat sich nichts. Eines Abends kam eine E-Mail, ob ich Zeit für ein Telefonat hätte. Natürlich! Es war ein Gespräch mit einer KI, die abfragte, woher das Interesse an der Teilnahme rührt. Es folgten zwei Fragebögen, die Terminauswahl, der Vertrag.
So zog sich das Auswahlverfahren über Monate mit oft wochenlangen Pausen hin, in denen ich schon dachte, dass es doch nichts wird. Aber es wurde tatsächlich und so durfte ich im April als Testpassagier für Terminal 3 dabei sein. Als eine von 8.000 Testpassagieren aus 120.000 Bewerbungen.

Die Mission

Zwischen Ende Januar 2026 bis Mitte April 2026 finden / fanden an insgesamt 21 Tagen ein Probebetrieb des Terminals statt. Etwa 8.000 Statisten spielen dabei die typischen Vorgänge und Stationen durch, die auch ein ganz normaler Passagier durchläuft. Vom Check-in über die Gepäckabgabe und den Sicherheitscheck bis hin zum Boarding und der Gepäckabholung nach der „Landung“.
So sollte geprüft werden, ob alle Stationen funktionieren, um einen reibungslosen Betrieb gewährleisten zu können. Für uns Testpassagiere bedeuteten die Termine aber auch einen exklusiven ersten Einblick in das neue Terminal, noch vor den ersten echten Passagieren. Eine spannende Sache und schon ein ganz besonderes Erlebnis.

Die Vorbereitungen – Plötzlich bin ich ein Mann

Pro Probetag nahmen / nehmen mehrere hundert Personen am Testbetrieb teil, dementsprechend begann der Tag mit Schlangestehen zwecks Registrierung. Das ging unerwartet fix. Für mich vor allem, weil scheinbar nur wenige Menschen einen Nachnamen mit dem Buchstaben „B“ haben. Am Tisch für die A – C Leute war fast gar nichts los. Nach der Registrierung und ausgestattet mit grünen Warnwesten wurden die Taschen kontrolliert. Gemäß der Devise „Ohne Mampf kein Kampf“ durften wir uns danach unsere Lunchpakete abholen. Einen schicken Terminal 3 – Beutel gab es dazu. Zuletzt ging es zum Briefing. Dort erfuhren wir Wichtiges zum Ablauf des Probebetriebs und erhielten Hinweise auf gewisse Vorgänge und Verbote. Darunter das erwähnte Foto- und Filmverbot. Ein Formular der Bundespolizei mussten wir auch noch unterschreiben.
Bestens gebrieft führte unser erster Weg zum Check-in, wo wir jeder zwei Koffer bekamen.
Als letztes erhielten wir unsere fiktiven Reisedokumente.Darf ich mich vorstellen? Thorsten Oehrlein auf dem Weg nach Dublin. Angenehm!

Bild erstellt mit KI

Gepäck abholen & Check-in

Die Abholung der Koffer verlief komplett entspannt. Es standen massig Koffer in der Halle, die an die Testpassagiere ausgegeben wurden. Mein Koffer war erschreckend schwer, wie ich feststellen musste.
Auf dem Weg in die Schalterhalle bekam man einen Eindruck davon, wie weit der Bau des Terminals bisher vorangeschritten war. Während wir uns in Richtung Halle bewegten und die ersten sanften Durchsagen hörten, jammerte im Hintergrund eine Flex. Wir liefen an leeren Shops, Bars und Minimärkten vorbei, gefolgt von abgedeckten Sitzgruppen. Ohne den Trubel des Probebetriebs wäre die Atmosphäre fast etwas unheimlich gewesen. Man konnte sich bereits gut vorstellen, wie es hier aussehen wird, wenn alles fertig ist und Passagiere herumwuseln.
In der Halle angekommen teilte die Gruppe sich auf die Schalter und die Automaten zum Self-Check-in auf.
Meine Airline war nicht so modern und die lange Schlange dürfte das authentischste Element des Probebetriebs gewesen sein.
Die Halle war hell, lichtdurchflutet und die hohe Decke sorgte trotz der Menschenmenge für ein angenehmes Raumgefühl.
Die dagegen eher dunkel gehaltenen Schalter bildeten dazu einen geradezu gediegenen Kontrast.

Baustelle Check-in Halle (Quelle: Fraport AG)
Handgepäckkontrolle

Bei der Station an der Handgepäckkontrolle wartete bereits die nächste Schlange, aber immerhin musste ich den Monsterkoffer nicht mehr herumwuchten. Also nein, liebe künftigen Passagiere an Terminal 3, auch hier kommt ihr um Wartezeiten nicht herum!
Es ging bei der Handgepäckkontrolle aber doch bedeutend schneller voran als beim Check-in. Es konnten jeweils zwei, manchmal sogar drei Personen gleichzeitig zum Band gehen und sich eine graue Box nehmen. Jedenfalls bis eins der zwei Rollbänder spontan den Dienst quittierte. Sofort eilte emsiges Personal herbei, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ärgerlich, aber an sich für einen solchen Probebetrieb ein idealer Vorfall.
Parallel zum Handgepäck wurden auch wir Testpassagiere durchleuchtet: einmal bitte in Hampelmannposition vor den Scanner stellen, dankeschön! Anschließend klaubten wir unser Geraffel wieder aus den Boxen und liefen unter den wachsamen Augen der Bundespolizei weiter.

Bild erstellt mit KI
Die App & Sonderaufgaben

Geleitet wurden wir im Probebetrieb von einer App, zu der wir bereits während der Bewerbungsphase Zugang erhalten hatten. Hatte man eine Station erledigt, konnte man sie in der App abhaken und wurde zur nächsten geschickt. Dabei konnte es passieren, dass die App eine Sonderrolle vergab. So gab es beim Check-in Personen, die zB ein Haustier oder Sperrgepäck mitführten. Andere wiederum spielten gänzlich verwirrte Passagiere. Das hätte ich stellenweise auch ohne die App hinbekommen, denn speziell der Weg vom Check-in zur Handgepäckkontrolle war vom Schalter aus nicht ausgeschildert.
Ich habe meine Sonderaufgabe erst nach der Handgepäckkontrolle bekommen. Ich war ein Reisender aus einem Nicht-EU-Land und durfte vor einem aus Pappe nachgebauten Automaten so tun, als mache ich meine Angaben zur Einreise. Da hätte ich mir schon etwas Spannenderes gewünscht, muss ich gestehen. Jedenfalls gab der Pappkamerad grünes Licht für meine Einreise.

Mein, äh, Thorstens Boardingpass
Notfall beim Boarding

An der Station zum Boarding fühlte ich mich eine ganze Weile etwas ratlos, denn zunächst saßen wir alle herum und die App gab auch keine Anweisungen. Für Abwechslung sorgte ein gestellter Notfall, bei dem tatsächlich ein echtes Notfall-Team anrückte und der Dame mit dem angeblichen Schwächeanfall zu Hilfe eilte.
Endlich begann das Boarding, wobei sich der Scanner für den Boardingpass als größte Schwachstelle dieses Tages herausstellte. Manche Boardingpässe akzeptierte er einfach nicht. Wie schon bei dem streikenden Band bei der Handgepäckkontrolle kam seitens des Personals eine gewisse Unruhe auf.
Mein Boardingspass funktionierte zum Glück.
Natürlich stiegen wir nicht in ein Flugzeug ein, was ich wirklich sehr bedauert habe.
„Abgehoben“ mit einer satten Verspätung von fast einer Stunde. Es sollte ja alles möglichst realistisch sein.
Nachdem wir hinter einer Wand entlanggelaufen waren, endete unser „Flug“ bereits nach wenigen Sekunden. Schon standen wir in Dublin.
Ich war schon einmal am Flughafen in Dublin und habe ihn anders in Erinnerung, aber lassen wir das.
Irgendwie war die Situation schon sehr witzig.

Fensterblick
Grenzkontrolle – Halb offiziell

Die kleine Kabine mit dem Gesichtsscanner bei der „Einreise“ war mein persönliches Highlight. Einfach, weil ich so etwas noch nie erlebt hatte und diese Möglichkeit sehr cool finde. Da mag man mich jetzt für komisch halten, es ist aber nun mal so.
Danach durften wir einmal mehr unseren echten Ausweis bei der Bundespolizei vorlegen. Hin und wieder war es doch etwas knifflig, ob man nun die echten oder die Fake-Papiere brauchte. Zum Glück waren alle Beteiligten mit offensichtlichem Vergnügen bei der Sache, sodass man im Zweifel einfach fragen konnte.
Somit an dieser Stelle: Willkommen in Irland, Thorsten!

Einreise Flugsteig (Quelle: Fraport AG)
Gepäckabholung – Warten auf den Monsterkoffer

Genau wie bei der Ankunft nach einem richtigen Flug polterten die Koffer nicht sofort aufs Band. Auch hier mussten wir uns etwas in Geduld üben. Immerhin durften wir einen beliebigen Koffer vom Band nehmen und mussten nicht auf den warten, den wir aufgegeben hatten. Das war etwas, was bei einem echten Flug definitiv anders sein sollte.

Damit endete unser Schauspiel als Testpassagiere von Terminal 3.
Wir gaben die Koffer wieder ab und wurden die grünen Westen samt der Namensschilder los.
Dafür bekamen wir eine leuchtend gelbe Warnweste mit dem Logo des Flughafens als Souvenir.
In der App wartete bereits der Fragebogen zum Tag, den ich gemütlich auf der Rückfahrt mit dem neuen Skytrain ausgefüllt habe.

Der neue Skytrain

Ich liebe es ja, Einblick in Orte zu bekommen, die eben nicht jedem offen stehen. Oder eben vor allen anderen wie in diesem Falle. Als einer der Ersten das neue Terminal testen, ehe der erste „richtige“ Passagier seinen Koffer aufs Band wuchtet. Das erlebt man ja nun nicht allzu oft. Alleine deshalb war dieser Tag als Testpassagier schon genau nach meinem Geschmack. Es war aber eben auch das Flair eines Flughafens, das ich so sehr mag. Die Atmosphäre, der Trubel, diese Spannung in der Luft. Eben wie im echten Betrieb, Die einzelnen Stationen boten ein authentisches Erlebnis, auch wenn es hier und da noch etwas im Getriebe knirschte. Aber dafür sind solche Testtage und wir Testpassagiere ja da. Thorsten Oehrlein und ich fühlen uns geehrt, dabei gewesen zu sein.

Vor zwei Jahren haben wir eine XXL-Tour am Flughafen Frankfurt gemacht, schau gerne vorbei!

Werbung / Transparenzhinweis
Für meine Teilnahme am ORAT-Testlauf habe ich eine Aufwandsentschädigung erhalten. Mein Bericht gibt dennoch ausschließlich meine eigenen, ehrlichen Erfahrungen als „Versuchskaninchen“ wider.

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2 Gedanken zu “Gestatten, Thorsten Oehrlein! – Als Testpassagier an Terminal 3

  1. Coole Sache, darauf hätte ich auch Lust gehabt. Allerdings wäre ich wohl ein bisschen enttäuscht gewesen, nicht wirklich fliegen zu dürfen. Am Flughafen bricht bei mir nämlich immer akutes Fernweh aus.
    Liebe Grüße, Kerstin

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