Streckenwanderungen sind eigentlich gar nicht so sehr unser Fall, uns sind Runden deutlich lieber.
In letzter Zeit hat sich aber immer mal wieder eine Streckenwanderung eingeschlichen, so wie in diese Falle.
Von Lohr am Main führt diese rund 18,5 km lange Tour nach Gemünden am Main. Dazwischen liegen die Hügel des Spessarts und auch die Ruine Schönrain, die ein Zwischenziel für uns sein sollte.
Lohr kennen wir bereits von unserer Trekkingtour auf dem Schneewittchenweg in 2025 und so wussten wir, dass man vom Bahnhof dort gut und schnell ins Grüne gelangt.

Die etwa ersten vier Kilometer sind noch schön flach und entsprechend gut zu laufen. Zunächst ist man eine ganze Weile sehr ortsnah unterwegs, etwas später gelangt man dann an den Main. Das wertet die Strecke augenblicklich auf. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass Wasser jeder Wanderung nur gut tun kann. Hier kann man unterwegs prima Schiffe beobachten, was außerdem von dem festen Untergrund ablenkt. Aber keine Sorge an dieser Stelle, das ändert sich noch. Wenn auch nicht unbedingt zum Guten. Dazu aber später dann mehr.

An der Schleuse Steinbach mit dem Wehr herrschte kurz Ratlosigkeit, denn die Route wollte uns über das Wehr auf die andere Mainseite führen. Es war aber vor Ort zunächst keine Möglichkeit zur Überquerung zu sehen. Man muss quasi zur Rückeite der Schleuse gehen und einmal um die Ecke, dann steht man vor der Metalltreppe, die auf die Brücke führt.
Ich war mir erst gar nicht sicher, ob man das überhaupt darf. Es steht aber nirgends ein Verbotsschild und als uns oben Leute entgegenkamen, war ich beruhigt. Es ist schon ein seltsames Gefühl auf der Gitterbrücke, unter der man das Wasser tosen hört und sieht.

Auf der anderen Seite vom Main angekommen zweigt die Route bald in den Wald ab. Dort geht es direkt satt bergauf! Ziel ist der Heckenwedelstein. Was für ein verrückter Name! Der Stein liegt hier zur Erinnerung an den Förster Hermann Goldbach. Sonderlich groß ist der Stein zwar nicht, übersehen kann man ihn trotzdem nicht.
Bis hierher waren wir noch guter Dinge und gespannt auf die weitere Strecke. Die Anstieg hielten sich vorläufig im Rahmen und der Wald war wirklich schön. Das tröstete sogar darüber hinweg, dass eigentlich gemäß Wetter-App längst die Sonne hätte da sein müssen.

Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf! Lange haben wir keinen so von Waldarbeitsfahrzeugen kaputt gefahrenen Wald mehr gesehen. Die Wege waren kaum noch als solche zu erkennen. Wir haben uns so oft gefragt, ob die Schneise vor uns überhaupt mal ein Weg war. Kaum hatten wir einen Abstieg geschafft, folgte ein mordsmäßig steiler Aufstieg. Auch hier stellte sich uns die Frage: ist das überhaupt ein Weg? Wir sind schräg am Hang entlanggestapft, über querliegende Bäume hinweg und in eine Sackgasse hinein. Nach kruzem Überlegen und einem ausführlichen Blick auf die Karte, sind wir in einer tiefen Fahrspur wieder aufwärts gestiegen. Oben sollte ein richtiger Weg kommen. Schwer vorzustellen, aber man darf ja hoffen. Nachdem wir einige Matschgruben bewältigt hatten, standen wir tatsächlich an einem echten Weg.

Unsere Laune als wir oben ankamen, lässt sich recht gut als grantig beschreiben. Was für ein Chaos diese Fahrzeuge in den Wäldern hinterlassen, ist wirklich oft kaum zu glauben. Sie zerstören ganze Wege, Wegkreuzungen und Abzweige. Als Wanderer kann man kartenmäßig noch so gut ausgerüstet sein, selbst dann ist man im Nu aufgeschmissen. Wir waren kurz davor gewesen, die Drohne voraus zu schicken um zu sehen, ob und wie die Route weiterführen würde. Einfach nicht zu glauben. Hier am Salzberg ist allerdings Naturschutzgebiet, daher blieb die Drohne im Rucksack.
Immerhin kam nun endlich die Sonne heraus, wenn auch mit fünf Stunden Verspätung. Außerdem hatten wir den ersten Blick auf die Ruine Schönrain.

Der folgende Abstieg zum Main tat nach dem anstrengenden Laufen in dem verwüsteten Wald richtig gut. Selbst das kurze Abschnitt Straße war uns herzlich willkommen. Die Eisenbahnbrücke ist recht sehenswert, auch wenn der Blick daraf ziemlich zugewachsen ist. Vor allem die Spiegelung hatte es mir angetan. Ich bin ja ein großer Fan von Spiegelungen! Die Sonne hatte sich nochmal kurz verzogen und kam erst wieder hervor als wir an einem vergessenen Weinkeller entlang in den Aufstieg zu Ruine Schönrain starteten.
Der Aufstieg hat es so richtig in sich. Es dürfte der heftigste der kompletten Wanderung sein. So kamen wir nur langsam voran. Die Erleichterung war groß als die Ruine endlich in Sicht kam.

Als wir die Ruine erreichten, war der Himmel endlich blau, fast wolkenlos und die Sonne schien wieder.
Die Ruine ist sehr schön und es lohnt sich, sich dort ausgiebig umzuschauen. Der Turm ist zwar nur ein halber Aussichtsturm, der Blick von oben kann sich aber sehen lassen! Die paar Stufen sollte man sich also gönnen.
Schönrain wurde einst als Benediktinerkloster gegründet, einige hundert Jahre später zerstört und schließlich vom Grafen von Rieneck wieder aufgebaut. Er nutzte es als Wohnschloss. Nachdem auch die letzte Gräfin dahingeschieden war, wurde es bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zur Unterkunft der eingesetzten Forstverwalter. Die Ruine hat also eine sehr bewegte Geschichte hinter sich.

Da uns das Herumirren unerwartet viel Zeit gekostet hatte, haben wir an der Ruine umgeplant. Eigentlich hatten wir noch einen Schlenker mehr geplant, aber das kam mit dem Zug nicht mehr aus. So sind wir von der Ruine aus direkt in den Abstieg gestartet. Schließlich standen wir wieder am Main und sind ihm in Richtung Gemünden gefolgt. In dem Licht so gegen Spätnachmittag sah die Landschaft fast herbstlich aus. Von hier an kommt man vom Asphalt nicht mehr runter. Das ist weniger schön, aber es war der direkteste Weg.

Der Blick von der Brücke auf Gemünden ist wirklich hübsch! Überhaupt ist die Innenstadt bzw Altstadt ganz urig. Wir sind an einem öffentlichen Bücherschrank vorbeigekommen, wo gegen eine Spende ein Wanderführer aus meinem Geburtsjahr mit durfte. Außerdem fanden wir einen Flyer mit Infos und Tipps zu Gemünden an der Touri-Info, der ebenfalls eingesackt wurde. Vielleicht besuchen wir im Herbst in Gemünden sogar eine Veranstaltung. Eine sehr bemühte (im positiven Sinne) und einladende Stadt auf jeden Fall! Paddelbar außerdem! Ob man vielleicht sogar mit dem SUP zu der angepeilten Veranstaltung fahren könnte? Wir planen bereits!

Am Bahnhof angekommen hatten wir noch eine gute halbe Stunde Zeit, aber in der Halle kann man halbwegs gut und warm sitzen und warten.
Der Start der Wanderung verhieß eine zwar anstrengende, aber sonst sehr schöne Tour. Leider hat uns das Schlachtfeld im Wald die Sache ganz schön vermiest. Selten haben wir solch ein Chaos erlebt und so ratlos mitten im Wald gestanden. Komplett dreckig waren wir natürlich daher auch wieder. Die zweite Hälfte der Wanderung hat uns dann doch wieder etwas versöhnt. Die Ruine Schönrain ist sehr sehenswert und Gemünden am Main ein wirklich interessanter und hübscher Ort. Wir werden ihm bestimmt nochmal einen Besuch abstatten.
| Name | Weg? Weg! – Über die Ruine Schönrain von Lohr am Main nach Gemünden (GPX) |
| Länge | ca. 18,6 km |
| Auf- & Abstieg | ↑ 450 ↓ 480 |
| Startpunkt | Lohr am Main, Bahnhof |
| Zielpunkt | Gemünden am Main, Bahnhof |
| Wegbeschaffenheit | Asphalt, Offgrid, Waldwege |
| Aktualität | 01 / 2026 |
