Im Ruhrgebiet ist neuerdings offiziell Stadtwandern angesagt!
Nämlich auf den sogenannten Urban Trails, die in Zusammenarbeit der Ruhr Tourismus GmbH, des Sauerländischen Gebirgsvereins, des Regionalverband Ruhr und des Tourismus NRW entstanden bzw entstehen.
Aktuell gibt es vier Urban Trails: in Dortmund, Hagen, Mülheim und Oberhausen, bis 2028 sollen es ganze 15 Trails werden.
Die Länge der Trails variiert zwischen 7 und 15 km, wodurch sich moderate Halbtages- oder Tagestouren ergeben.
Ziel ist es, die touristisch wenig bekannten, besondere Quartiere und Sehenswürdigkeiten zu zeigen, wobei die Themen Kunst, Kulur, Food und Naherholung eine zentrale Rolle spielen.
Der Urban Trail Sub.KulTour in Dortmund ist der erste, der heute bereits durchgängig mit Wegezeichen markiert ist.
Er wurde am 08. April 2026 offiziell eröffnet und kann seither erwandert werden.

Ich habe erst vor Kurzem überhaupt von den Urban Trails erfahren. Nach zahlreichen großartigen Wandergungen im Ruhrgebiet bin ich großer Fan der Region! Daher stand sofort fest: Die Trails muss ich mir anschauen! Den Anfang macht natürlich Dortmund als erster fertig gestellter Urban Trail.
Mit seinen 14,3 km ist er aktuell der längste der vier Trails. Er startet und endet als Rundweg ganz praktisch am Hauptbahnhof Dortmund. Besser geht es für einen Bahnfahrer nicht. Mit einer Stunde Fahrtzeit und ohne Umsteigen ist Dortmund von mir aus sehr gut zu erreichen.
Ich bin die Runde mit dem Uhrzeigersinn gelaufen und würde sie auch so empfehlen, du kannst sie aber natürlich auch gegen den Uhrzeigersinn gehen.

Über die Straße vor dem Bahnhof hinweg gelangt man direkt zum Fußballmuseum, das auch noch auf meiner Bucketlist steht. Direkt dahinter taucht man in die Häuserschluchten Dortmunds ein und bald zeigen sich auch die ersten Grafitti. Zahlreiche Sprayer haben sich in der Stadt mal mehr, mal weniger künstlerisch ausgetobt. Eine Vielzahl dieser Werke bekommt man auf diesem Urban Trail zu sehen. Die Tour ist bunt, auf ganz unterschiedliche Arten. Daran gibt es keinen Zweifel. Ich würde dazu raten, die Tour nicht in den Abend hinein zu laufen. Viele Abschnitte sind insgesamt wenig einladend, oft vermüllt, geschlossene Shops und verwohnte Häuser reihen sich aneinander. Ich war morgens früh gegen acht unterwegs und habe kaum Leute getroffen. Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber abends würde ich mich ungern dort aufhalten.

Das „Dortmunder U“ kannte ich trotz diverser Besuche der Stadt nur aus der Ferne vom Zug aus, heute führte mich der Trail dorthin. Wenn du magst, kannst du einen Abstecher direkt zum „U“ machen. Ich habe es beim Blick von der Straße aus belassen, da ich wirklich nur die Runde gehen wollte. Einst Gebäude der Dortmunder Union-Brauerei, ist das Hochhaus heute ein Kreativzentrum, auf dessen Dach das goldene „U“ thront. Auf der Fassade des Turms werden über den Tag verschiedene Videos abgespielt. Im Gebäude befinden sich diverse Ausstellungen, ein Museum, ein Restaurant und sogar ein Kino, in dem an ausgewählten Tagen Filme gezeigt werden. Das „Dortmunder U“ steht genau wie das Fußballmuseum bereits auf der Liste. Ich denke, da steht bald ein Museumstag in Dortmund an.

Fotomotive muss man sich auf der Sub.KulTour oftmals wirklich suchen. Man könnte auch sagen, man muss sich bei der Suche umstellen, denn schöne Landschaften, idyllische Plätze und romantische Wälder sind offenkundig nicht das Aushängeschild dieser Touren. Ich habe eine kleine Weile gebraucht, um mich an den rauen städtischen Charme zu gewöhnen, aber dann lief es eigentlich auch mit den Fotos. Auf dem Urban Trail Dortmund haben es mir vor allem die vielen bunten Graffiti leicht gemacht, die im Verlauf der Strecke immer aufwendiger und sehenswerter wurden. Alleine mit ihnen kann man schon einiges anstellen in Sachen Fotos. Bei diesem Roller habe ich sehr gestaunt, wie rebellisch er Protest piepst, wenn man ihn zwecks Foto um ein Stück verschiebt.

Mit dem Westpark gelangt man schließlich zum ersten grünen Fleckchen auf der Tour. Da allerbestes Wetter war, war im Park bereits so früh einiges los. Der Park war einst ein Friedhof, was heute noch an mehreren Grabstätten und kleinen Gräberfeldern erkennbar ist. Mächtige alte Bäume deuten ebenfalls auf die frühere Nutzung hin. 1912 entstand der neue Hauptfriedhof und für den alten Friedhof startete die Umgestaltung zum Park. Bei schönem Wetter kann man sich hier leicht länger umtun, Leute beobachten, Sport treiben, picknicken und auch verschiedene Veranstaltungen besuchen. So direkt nach der Stadt konnte ich dem Park einen gewissen Erholungsfaktor nicht absprechen. Aber es war noch zu früh auf der Runde, um mich im Schatten gemütlich auf eine Bank zu setzen und eine Pause einzulegen.

Es wird nicht besser, wenn ich es weiter aufschiebe. Daher ein paar Worte zur Beschilderung der Sub.KulTour Dortmund. Als „durchgängig“ kann ich sie nicht bezeichnen. Es gibt einige Kilometer, die ohne Track auf dem Handy funktionieren. An diversen anderen Punkten funktioniert das nicht. Ich hätte mir einige Schilder mehr gewünscht. Mir ist klar, dass eine Beschilderung in der Stadt andere und vermutlich mehr Anforderungen erfüllen muss. Deshalb ist es sicher schwierig. Aber ohne die Route auf dem Handy wäre ich weit mehr als einmal aufgeschmissen gewesen. Groß sind die Schilder auch nicht. Meist hängen sie – aus nachvollziehbaren Gründen – weit oben an Pfeilern. Und so sehr ich das Wegezeichen mag (wirklich!), Schwarz-Gelb ist vielleicht nicht die ideale Farbgebung um sich in Dortmund von Stickern, Bannern, Bändern usw des hiesigen Fußballvereins abzuheben. Ärgerlich fand ich es, dass einige Wegezeichen bereits von Deppen überklebt oder halb abgeknibbelt wurden. Besten Dank auch!


Zurück im städtischen Teil des Unionviertels übernehmen wieder die zahlreichen Graffiti den Job des Blickfangs. Seit der Tour denke ich, eine Graffiti-Wanderung würde sich in Dortmund sicher auch lohnen! Nach dem belebten Westpark herrschte hier im Viertel wieder eine überraschende Ruhe. Vielleicht lagen die meisten Bewohner nach einem rauschenden Tanz in den Mai noch in den Betten. Wer weiß? Hier muss man gut schauen, wo die Strecke entlangführt. Sie schlägt so manchen Haken und führt auch mal durch Tore, die einem zunächst gar nicht auffallen. Oder von denen man auf den ersten Blick denkt, dass man dort nichts verloren hat. Das stimmt aber nicht! Jede noch so kleine Gasse darf erkundet werden! Ein absoluter Pluspunkt an diesem 1. Mai: Hier hatten sogar einige kleine Shops und Büdchen geöffnet! Man hätte sich also selbst am Feiertag zumindest mit Getränken und Snacks versorgen können!

Aus dem Viertel heraus steht nun ein Abschnitt entlang großer und an Wochentagen sicher stark befahrener Straßen an. An meinem Wandertag hielt es sich damit im Rahmen, aber von „schön“ ist es hier unter den Brücken weit entfernt. Wieder am Tageslicht angekommen und über die Bahnlinie hinweg geht es nun minimal aufwärts. Über die Höhenmeter dieser Wanderung zu sprechen, das lohnt sich nicht. Aber es ist eine Stadtwanderung! Außer in den Parks kommst du vom Asphalt nicht herunter! Das können die Füße übel nehmen! Ich habe manchmal selbst mit Fußschmerzen zu tun, wenn es lange über befestigten Untergrund geht. Entsprechend gespannt war ich auf diese Tour, aber es hielt sich in absolut erträglichen Grenzen. Nach der Zugfahrt zurück war schon nichts mehr zu spüren.

Nun ist der Hafen und damit die Halbzeit des Urban Trail Dortmund bereits zum Greifen nahe. Man sieht eine ganze Weile lang nichts davon, weil direkt daneben ein neues ICE-Werk gebaut wird und die Sicht von einer Skyline aus Bahnschwellen verdeckt wird. Ich hatte schon Sorge, gar kein Wasser zu sehen zu bekommen. Dabei hatte ich mich auf den Hafen am meisten gefreut, denn Wasser tut jeder Landschaft gut!
Als die Strecke eine Brücke hinaufführte, schöpfte ich wieder Hoffnung. Tatsächlich hat man von dort oben trotz der gigantischen Baustelle eine großartige Aussicht. Der Alte Hafenturm mit der Uhr macht was her und selbst der Blick auf die Werke am Wasser hat seinen Reiz. Sowas muss man mögen, klar, aber mir gefällt es. Auf der Treppe zum Kran hinunter habe ich meine Halbzeitpause gemacht. Hier schlich übrigens ein Wachdienst umher, also auf keinen Fall irgendwelchen Mist bauen! Eh klar, oder?


Wenn es etwas gibt, das ich auf meinen Wanderungen im Ruhrgebiet schon immer gemocht habe, dann sind es Routen durch Schrebergartenanlagen. Ich bin mir absolut sicher, dass das längst nicht überall möglich ist. Dabei ist es so schön entspannt, durch die Siedlungen zu laufen. Ich liebe es, mir die Gärten und die Gartenhäuser anzuschauen. Es gibt so viele niedlich gestaltete Häuschen und Parzellen, bei denen sich die Laubenpieper richtig Mühe gegeben haben! Außerdem ist es rundum grün und bunt von Bäumen, Sträuchern und Blumen. Hinter dem Kleingartenverein Hafenwiese hier ragt die imposante Stahlkonstruktion der ehemaligen Knauf-Halle auf. Die konnte ich mir wegen eines Bauzauns leider nur aus einiger Entfernung ansehen. Einen Zugang zur Graffitiwand „Hall of Fame“ scheint es wegen des Zauns aktuell auch nicht zu geben.

Ehe ich es mich versah, stand ich wenig später bereits im Fredenbaumpark. Den Park kenne ich nur vom Mittelalter-Weihnachtsmarkt, zu dem ich immer schon mal wollte, wohin ich es aber bislang nie geschafft habe. Das muss sich ändern, denn der Park ist wirklich wunderschön. In dieser Kulisse kann ich mir solch einen Weihnachtsmarkt bestens vorstellen! Man kann hier in Ruhe spazieren, ein Picknick machen, am Teich ein Tretboot leihen und ein paar Runden drehen oder man besucht die Veranstaltungen, die hier regelmäßig stattfinden. Wenn du sportlich unterwegs bist, kannst du hier Boule spielen, Inliner fahren, Minigolf spielen oder klettern.
Die Route führt einmal fast komplett um den Teich herum und ich konnte dort heute so manche Gänsefamilie samt flauschigem Nachwuchs beobachten. Allerliebst!


Aus dem Park heraus führt die Strecke am Naturmuseum Dortmund entlang. Wer mag, kann also gleich die Ausstellung besuchen oder sich im Café stärken. Ich habe darauf verzichtet, das Museum aber auf die Liste gesetzt. Wie wäre es denn beispielsweise mal mit einem Museumstag in Dortmund? Naturmuseum, Fußballmuseum, das „U“, alleine diese drei Kandidaten dürften einen Tag gut füllen, oder? Wir werden sehen, der nächste Herbst und Winter mit Kälte und Usselwetter kommt bestimmt!
Nun ist man bereits auf dem letzten Drittel der Sub.KulTour im Norden der Stadt unterwegs und die Umgebung wird wieder bebauter.
Die CEAG-Siedlung mit ihren leuchtend grünen Containern vor den Häusern fand ich richtig cool! Einst war hier das Gelände der CEAG, der Concordia Elektrizitäts-AG. Heute läuft man hier durch ruhige Straßen und entlang von modernen Wohngebäuden. Die Container sind eine kleine und charmante Reminiszenz an die Industriegeschichte des Viertels.

In Dortmunds Nordstadt herrscht unverkennbar Multikulti! Ich habe im Nachgang der Tour leider nur wenig Gutes darüber gelesen. Inwiefern das stimmt, kann ich nicht sagen. Ja, die Straßen wirkten auf mich wenig einladend, an vielen Ecken lag wild entsorgter Müll, speziell am Nordmarkt war es proppevoll und ich fiel alleine optisch schon komplett aus dem Rahmen. Mehr als ein paar verwunderte Blicke habe ich aber nicht wahrgenommen. Ich habe mich dort nicht ganz so sicher gefühlt wie auf dem Rest der Tour, aber auch nicht als wäre ich in Gefahr. Wie sich das abends anfühlen würde, kann ich nicht sagen. Mir ist nichts passiert und ich hatte auch nie den Eindruck als wäre es kurz davor gewesen. Aber Probleme gibt es in diesem Viertel und die sieht man. Ich kann mir vorstellen, was der Sinn dahinter ist, den Urban Trail Dortmund durch diese Gegend zu führen, aber ob es hilft…?

Kurz hinter dem Viertel kann man den Bahnhof fast schon sehen. Am Kino und dem Bus- und Fernbusbahnhof vorbei, ist er bald erreicht. Nur eben von der anderen Seite her als der, auf der man gestartet ist.
Der Urban Trail Sub.KulTour Dortmund fällt sicher unter die Rubrik „Wanderung Special Interest“. Es ist eine waschechte Stadtwanderung mit allen Ecken und Kanten, die in einer Großstadt dazu gehören. Es ist nicht überall schön, es ist auch nicht überall sauber, aber man gelangt in Viertel und an Orte, die man bei einem Citytrip sicher nicht auf dem Schirm hat. Dabei haben doch auch diese Ecken durchaus etwas zu bieten! Im Falle dieses Trails sind es die zahlreichen Graffiti, die szenigen Viertel und die überraschend grünen und lauschigen Parks. Der Charme ist mitunter wirklich rau und direkt nach der Runde hielt sich meine Begeisterung im Rahmen. Einige Stunden später sieht die Welt schon anders aus und ich muss sagen: Es war cool!
Die Beschilderung ließ für mich allerdings oft zu wünschen übrig. Ich rate daher dazu, den Trail unbedingt auf dem Handy dabei zu haben.
| Name & GPX | Urban Trail Dortmund – Sub.KulTour (GPX) |
| Länge | 14,5 km |
| Auf- & Abstieg | ↑ 90 ↓ 90 |
| Start- & Ziepunkt | Hauptbahnhof Dortmund |
| Wegbeschaffenheit | Asphalt, anderer befestiger Untergrund |
| Aktualität | 05 / 2026 |
