Die Hermannshöhen sind ein 226 km langer Weitwanderweg, der sich aus dem Eggeweg und dem Hermannsweg zusammensetzt.
Der Weg startet in Rheine im Münsterland und verläuft größtenteils als Kammweg über den Teutoburger Wald und das Eggegebirge bis nach Marsberg im Sauerland. Dabei durchquert er sowohl den Naturpark TERRA.vita, als auch den Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge. Er führt den Wanderer an bekannten Sehenswürdigkeiten vorbei wie z. B. die Externsteine, das Hermannsdenkmal und das Lippische Velmerstot.
Wie es dazu gekommen ist, kann ich nicht sagen, aber irgendwie sind wir 2026 sehr oft auf offiziellen und mehr oder weniger bekannten Wanderwegen unterwegs. Neulich haben wir den Neckarsteig abgeschlossen und seit Jahresbeginn so manchen Weg frisch in Angriff genommen. Darunter auch die Hermannshöhen, von denen wir die erste Etappe gelaufen sind.
Startpunkt dieser ersten Etappe ist der Bahnhof Rheine. Von dort aus sind es offiziell rund 20 km bis nach Hörstel. Wir haben es aus Gründen von Bahnhof zu Bahnhof auf etwa 22 km gebracht. Die beiden Orte sind ideal an die Bahn angebunden, was den Hermannshöhen einen ersten Pluspunkt einbrachte.

Zu Beginn führt die Etappe durch Rheines Zentrum. Wir bzw ich waren schon häufiger hier, aber fast jedes Mal ging es mt dem Bus noch ein Stück weiter. Daher kannten wir Rheines Innenstadt noch gar nicht. Uns hat das Zentrum prima gefallen. Ein hübscher Ort, den wir sehr wahrscheinlich noch einmal für einen kleinen Stadtbummel besuchen werden. So früh morgens war es zudem noch angenehm ruhig. Eine schöne Kirche, kleine und größere Läden, einige Cafés, so macht Rheine einen sehr gemütlichen Eindruck.
Man kann die Stadt mit so mancher Wanderung kombinieren, sodass sich auch eine etwas längere Anreise lohnt.

Schließlich gelangt man an die Ems und folgt ihr eine gute Weile. Auch das Emsufer kann sich einwandfrei sehen lassen und lädt zum Schlüren und Wandern ein. Hier fließt die Ems sehr gerade dahin, später aber schlängelt sie sich wunderbar. Sie würde sich sicher auch für eine SUP-Tour eignen, aber leider ist es mit dem Paddeln eher schwierig auf der Ems. Angemeldete / Organisierte Kanutouren sind wohl möglich, SUPs dagegen verboten. Soweit meine bisherige Recherche. Falls jemand etwas Genaueres weiß, dann ab damit in die Kommentare. Ich würde mich freuen! Der Fluss wirkt so einladend, aber natürlich wollen wir nichts Verbotenes unternehmen.

Über dieses niedlich gestaltete Hinweisschild mit der großzügigen Erlaubnis „Echte Wanderer laufen hier! – Wanderern ist es erlaubt, den Randstreifen auf dieser Seite des Weges zu benutzen“ haben wir noch geschmunzelt. Da ahnten wir noch nicht, was noch auf uns zukommen würde. Hätten wir es gewusst, hätten wir die läppischen 30 cm rumpeligen Wiesenstreifen sicher mehr geschätzt. Das war uns aber zu eng und so haben wir den festen Untergrund daneben gewählt. Dort bekamen wir bald einen ersten Vorgeschmack auf das, was diese erste Etappe unter Anderem auszeichnet. Nämlich, dass man sich große Teile der Strecke mit Fahrradfahrern teilen muss.
Ich wusste gar nicht, dass Wandern ein Sport ist, bei dem man mehr zur Seite springt als nach vorn läuft.

Ständig klingelte es hinter uns und wir mussten ausweichen. Ich werde nie verstehen, wieso man (bei offiziellen Wanderwegen) nicht die Wanderwege von den Radwegen trennt. Viele Radler sind offenkundig nicht imstande, kurz hintereinander zu fahren um zu überholen. Nein, es wird geklingelt und als Wanderer sprintet man seitlich, damit die Damen und Herren bequem nebeneinander überholen können. Das nervt ohne Ende und kann doch nicht die Lösung sein!
Das Problem zieht sich übrigens über so ziemlich die komplette Etappe. Fast überall ist der Untergrund entweder gleich asphaltiert oder zumindest extrem befestigt. Ich trage schon Trailrunner beim Wandern, die eine ordentliche Dämpfung haben. Aber diese erste Etappe Hermannshöhen hat die Schuhe und damit mich in kaum 10 km an die Grenzen gebracht. Aua!

Mit nicht einmal 100 Höhenmetern ist die Etappe zwar topfflach, aber Höhenmeter hätte ich aus diesem Asphaltalbtraum auch wirklich nicht mehr gebraucht. Selbst die kurzen Waldpassagen bieten keinen einzigen weichen Weg. Alles ist so verdichtet, dass man auch gleich eine Straße daraus hätte machen können. Aussichten kann man sogar im Flachland haben, doch auch darauf muss man auf dieser ersten Etappe verzichten. Mal ein Feld, mal eine Wiese, mehr ist es nicht. An einem Punkt haben wir uns glatt verfranst. Unter Anderem auch deshalb, weil alles so gleich aussah. Das war der Punkt, an dem die Strecke nicht nur bei mir, sondern sogar bei Maik verloren hatte. Verlaufen ist einfach nervig. Erst recht, wenn die Füße sowieso schon brennen. Wir mussten ein gutes Stück zurücklaufen, das ich nicht getrackt habe. Somit sind wir fast 25 tatsächliche Kilometer gelaufen.

Durch ein weiteres kleines Waldstück hindurch erreichten wir schließlich ein rot-gelbes Schild, das vom Hermanns-Weg kündete.
Ich weiß nicht mehr, wo wir oder ich ein solches Schild schon einmal gesehen haben, aber sie sind wirklich cool. Viel cooler als die meisten herkömmlicher Wegweiser auf Wanderwegen. Die Tour konnte aber auch dieses Schild nicht mehr retten. Endlich war unser Ziel Hörstel ausgeschildert. Wie lang so 20 km doch sein können. Auf anderen Wanderungen laufen sie sich weg wie nichts, andernorts ziehen sie sich wegen verschiedenster Gegebenheiten. In diesem Falle hier waren es ganz klar die Wege. Von weichen Waldwegen weit und breit keine Spur! Und das dicke Ende sollte erst noch kommen!

Der Abschnitt in Bevergern und entlang der Bevergener Aa ist der schönste Teil der Etappe. Der kleine Fluss ist richtig hübsch und urig. Hier war es dann auch prompt rappelvoll bei dem ausnahmsweise schönen Wetter. Das kann man aber auch niemandem übel nehmen. Eines der Häuschen hier hat sogar eine eigene kleine Zugbrücke über die Aa. So niedlich! Ich finde, es sollten viel mehr Häuser eine eigene Zugbrücke haben. Das hat Stil!
So gelangten wir schließlich auch zu Levedags Mühle, die sehr sehenswert ist. Bevergern ist insgesamt ein ausgesprochen netter Ort, das hatten wir schon auf unserer Tour zum Nassen Dreieck festgestellt.


Ehe es in den Endspurt nach Hörstel geht, wartet noch die Schleuse am Dortmund-Ems-Kanal Bevergern. Sie ist ebenfalls ein Highlight der Route, weil man einen wirklich erstklassigen Blick in die Schleuse hat. Die Fotos unten entstanden auf der erwähnten Wanderung zum Nassen Dreieck. Damals war an der Schleuse nichts los gewesen und wir konnten in Ruhe eine Schleusung anschauen. Als wir die Etappe der Hermannshöhen gelaufen sind, drängelten sich an der Schleuse die Leute. Es war kein einziges brauchbares Foto hinzubekommen. Hier an der Schleuse solltest du unbedingt eine kurze Pause einlegen. Ganz egal, ob du auf einer Wanderung vorbeikommst, oder mit dem Auto.


| Name | Hermannshöhen Etappe 1 – Asphaltalbtraum statt Waldesglück (GPX) |
| Länge | ca 22 km |
| Auf & Abstieg | ↑ 60 ↓ 70 |
| Startpunkt | Bahnhof Rheine |
| Zielpunkt | Bahnhof Hörstel |
| Wegbeschaffenheit | fast durchgängig befestigter oder asphaltierter Untergrund |
| Aktualität | 03 / 2026 |
Nach der Schleuse kam das Sahnehäubchen der Etappe: ganze 2 km stumpf an der Westfalenstraße entlang bis zum Bahnhof Hörstel. Mit massig Autos an der Seite und absolut gar nichts zum Anschauen um sich abzulenken. An der Bushaltestelle Abzweig Elsbeck kommt man vorbei. Dort startet die 2. Etappe der Hermannshöhen. Startet man also ab dem Bahnhof Hörstel in die zweite Etappe, hat man ebenfalls fast 2 km Zuweg entlang der großen Straße und auf steinhartem Untergrund. Zusätzlich zu den 20 km der Etappe an sich. Wenn ich nicht wüsste, um wieviel schöner Etappe 2 ist, hätte ich die Hermannshöhen direkt an den Nagel gehängt. Aber wir werden sie weiterlaufen.Nur nicht so ganz bald vermutlich.
Liebe Hermannshöhen, nehmt es uns nicht übel, aber Etappe 1 war für uns ein ziemlicher Reinfall. Keine Höhenmeter, schön und gut, aber mehr als 20 km fast komplett nur auf befestigtem Untergrund, die machen selbst mit den besten Schuhen keinen Spass. In Kombination mit dem ständigen Spießroutenlauf mit den Radlern erst recht nicht. Aussichten, die man beim Namen „HermannsHÖHEN“ vielleicht erwartet, Fehlanzeige. Mit dem hübschen Ortskern von Rheine, der Schleuse, der Bevergerner Aa gibt es Highlights, ohne Frage. Aber eine angenehme Wanderung ist es dadurch auch nicht.
