Heute starten die ersten Motto-Wochen auf dem Blog!
In den nächsten drei, vier Wochen dreht sich hier mittwochs alles um das Thema „Wanderpässe“.
Ich bin selbst begeisterte Stempeljägerin und eine Umfrage auf Instagram ergab, dass ich mit dieser Leidenschaft ganz und gar nicht alleine dastehe. Oder besser gesagt: unterwegs bin!
Vielleicht hast auch du dich -so wie ich- an mancher Stempelstelle schon einmal gefragt, woher die Idee dafür eigentlich stammt? Wer die Stempel(kästen) betreut oder was zu tun ist, wenn ein Stempel defekt ist.Unter anderem diesen Fragen werde ich in dieser Artikelreihe auf den Grund gehen.
Dafür habe ich mit diesen fünf Regionen Interviews geführt und ihnen Löcher in den Bauch gefragt
Tourismusagentur der Wirtschaftsregion Bergstraße (Nibelungensteig)
Tourismusverband Sächsische Schweiz (Malerweg)
Weserberglandtourismus e.V. (Weserberglandweg)
Region Hannover, Team Tourismus (Deister)
Edersee Marketing GmbH (Urwaldsteig & Kellerwaldsteig)
In diesem ersten Teil des großen Wanderpass-Checks gehen wir der Geschichte der verschiedenen Wanderpässe und Wandernadeln auf den Grund!

Von der ersten Idee zur finalen Nadel
Nibelungensteig – Über sagenhafte Helden und moderne Stempelsysteme
Wer den Nibelungensteig wandert, der begibt sich auf die Spuren einer der bekanntesten Sagen Deutschlands und hat satte 4.000 Höhenmeter auf klassischerweise rund 7 Tagesetappen vor sich. Die Idee für den Wanderpass entstand im Jahr 2016, in 2017 erschien der Pass schließlich und soll eine kleine Motivationsspritze zum Wandern sein. Natürlich wurde darauf geachtet, das Design über die Jahre anzupassen und modern zu halten, an der Anzahl der Stempelstellen änderte sich dafür aber nur selten etwas. Inzwischen kann für den Nibelungensteig auch digital in der App Summit Lynx gestempelt werden. Als Belohnung winkt dem fleißigen Wanderer eine edle Nadel, die sowohl das Logo des Nibelungensteigs als auch eine markante Landmarke auf dem Steig zeigt.
Malerweg – Postkartenmotive zum Sammeln
Der Malerweg im Elbsandsteingebirge zählt zweifellos zu den schönsten Wanderwegen Deutschlands. Er führt als Rundwanderung auf 116 km durch die Sächsische Schweiz und bietet dabei neben grandiosen Aussichten auch so manche steile Treppe und strammen Aufstieg. Hier kam die Idee für einen Wanderpass tatsächlich von den Wanderern selbst, nachdem der Weg 2006 offiziell eröffnet wurde. 2008 durften die ersten Wanderer den Pass in Händen halten und sich unterwegs ihre Stempel abholen.
2017 wurde das Angebot um verschiedene Postkarten erweitert, die in den Stempelstellen zusammen mit den Stempeln ausgegeben werden. Sie zeigen historische Motive, die am Malerweg von Künstlern erschaffen wurden.
Sind alle Stempel gesammelt, erhält der Wanderer eine hochwertige Nadel mit dem eingravierten Namen des Wegs.

Weserberglandweg – Qualität auf Schritt und Tritt
Der Weserberglandweg ist bekannt als zertifizierter Qualitätswanderweg mit entsprechend hohen Standards, die über die gesamten 225 km des Wegs gehalten werden. Der Wanderpass erschien zeitgleich mit der ersten Zertifizierung in 2012. Damals wie heute war er Teil eines umfangreichen Serviceheftes, das außerdem u. a. Kartenausschnitte der Etappen, Streckenverläufe, Höhenprofile und Übernachtungsempfehlungen enthält. So hat man alles für den Weg direkt bei der Hand. Für die Wandernadel mit dem Wegzeichen XW und die Urkunde müssen auf den gängigen 13 Etappen acht Stempel gesammelt werden. Erhältlich sind sie in den Tourist-Infos und bei den Qualitätsgastgebern entlang der Strecke. Genau wie auf dem Nibelungensteig kann auch auf dem Weserberglandweg in der App Summit Lynx gesammelt werden.
Deister Wanderpass – Tierisch tolle Stempel sammeln in der Region Hannover
Im Deister gibt es keinen durchgehenden Weg, der für die Wandernadel absolviert werden muss. Die 12 Stempel erhalten Wandersleute (noch) in verschiedenen Ausflugslokalen. In der nahen Zukunft sollen die Stempel aber in schicke Stempelkästen umgesiedelt werden. Außerdem soll die Anzahl der Stempel auf 19 angehoben werden. Hier ist deutlich zu erkennen, dass man hier großen Wert auf die Wanderstempel legt und sich die Idee aus 2012 stets weiterentwickelt. Sie entstand nach Vorbild der Harzer Wandernadel. Den ersten Pass hielten Wanderer dann in 2015 in Händen. Zwar muss man sich im Deister eigene Touren überlegen, doch das fällt speziell dort wirklich sehr leicht. Da spreche ich aus sehr guter Erfahrung!

(c) Tourismus-Service Wennigsen
Edersee – Urwaldsteig & Kellerwaldsteig, die spezialgelagerten Sonderfälle
In der Region Edersee geht es teils exklusiv zu. Gleich zwei Steige warten hier auf begeisterte Wanderer.
Der Kellerwaldsteig mit seinen 156 km war ursprünglich vom Verein Wildunger Waldläufer als Geocachetour geplant gewesen. Der Wanderpass ist noch jung und erschien erst 2024. Zunächst wurde in Gestronomiebetrieben gestempelt, heute finden Stempeljäger klassische Holzboxen vor. Auf Stempel mit Tinte verzichtet man auf dem Kellerwaldsteig, stattdessen gibt es Stanzen mit verschiedenen Motiven. Das ist auf jeden Fall robuster gegenüber der Witterung und unabhängiger von Öffnungszeiten. Somit ein sehr kluger Schritt. Auch die Stempelstellen erlebten einen Umzug und kamen nach der Verlegung des Kellerwaldsteigs an bessere Positionen. Statt einer Wandernadel erhält man nach Erwanderung des Steigs eine Münze, die sich im Design an der Ursprungsidee orientiert.
Der Urwaldsteig führt auf 66 km rund um den Edersee. Auf diesem Wanderweg schlägt man bei den Wanderstempeln eine andere, exklusivere Richtung ein. Stempel sammeln kann jeder, der an den eigens angebotenen Etappenwanderungen teilnimmt oder an einer dreitägigen Tour. Diese wurde in 2025 zweimal angeboten. Sowohl die Etappenwanderungen, als auch die 3-Tage-Touren wird es auch in 2026 wieder geben, was klar für den Erfolg dieses Konzepts spricht. 8 Stempel können insgesamt gesammelt werden. Je mehr Stempel man gesammelt hat, desto größer wird die Überraschung zur Belohnung.

(c) Paula Schröder
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Mein persönliches Fazit
Es ist beeindruckend, wie viel Herzblut und Engagement die Regionen in die Entstehung und Weiterentwicklung ihrer Pässe gesteckt haben und noch immer stecken. Ich finde, so sollte es sein, wenn man eine solche Aktion ins Leben ruft. Auf ein gut gepflegtes Wanderpass-System ist als Wanderer Verlass. So macht das Sammeln Spaß. Überrascht hat mich die Vielfalt der Systeme, die es mittlerweile gibt. Mein Favorit werden immer die Stempelboxen sein, wie sie z. B. im Deister und auf dem Nibelungensteig zu finden sind. Ich sehe aber auch die Vorteile darin, in Lokalen und Unterkünften stempeln zu können. Dort sind die Stempel sicherer aufgehoben als in freier Wildbahn. Das kann allerdings mit den Öffnungszeiten der Restaurants kollidieren. Das digitale Stempeln folgt dem heutigen Zeitgeist, das sehe ich ein, mir ist es aber viel zu wenig greifbar. Zudem habe ich es schon erlebt, dass es manchmal einfach nicht funktioniert. Bei den erwähnten Regionen ist es aber nur eine Alternative und als solche finde ich es gut. Die App Summit Lynx konnte mich bisher aber leider nicht überzeugen, das muss ich zugeben.

Wo Theorie und Praxis getrennte Wege gehen
Zwei Punkte sehe ich kritisch. So sind im Serviceheft zum Weserberglandweg zwar verschiedene Gastgeber aufgeführt, ob das aber die Stempelstellen sind, ist nicht klar ersichtlich. Ich gehe davon aus, jedoch wäre mir eine Liste lieber gewesen. Im Interview wurde mitgeteilt, dass man auch in anderen Einrichtungen stempeln lassen kann und diese Stempel auch anerkannt würden. So habe ich in Rinteln z. B. in einer Pizzeria am Bahnhof stempeln lassen, aber das hat vor allem den Pizzabäcker in Verwirrung gestürzt. Mein Sammlerherz hat keine Luftsprünge gemacht. Ja, diese Option bietet Flexibilität, aber feste Stempelstellen, die man auch ohne eine Übernachtung leicht erreichen kann, sind mir lieber.
Der zweite Punkt ist der exklusive Stempelpass des Urwaldsteigs. Er grenzt Individualwanderer aus und das finde ich schade. Vor allem, weil die Stempelkarte für jeden herunterzuladen ist. Nur kann man damit nichts anfangen, wenn man sich nicht einer geführten und kostenpflichtigen Tour anschließt. Das finde ich vor allem deswegen traurig, weil ich noch einen Wanderpass vom Urwaldsteig habe. Der ist sicher über 10 Jahre alt, aber damals konnte man in den Betrieben entlang des Weges stempeln lassen.
Wie siehst du das? Bist du eher im Team „So viel Flexibilität wie möglich“ oder im Team „Ich mag feste Stempelstellen / Stempelkästen lieber“?
Du interessierst dich für Wanderpässe in NRW? Hier habe ich dir eine komplette Liste aller mir bekannten Wanderpässe in NRW zusammengestellt!
