Babenhausen (Hessen) – Die schönste Enttäuschung der Deutschen Bahn

Was macht man, wenn man auf der Bahnfahrt nach Hause einen Umstieg mit nur 4 Minuten Umstiegszeit hat, bei dem die Klappt-nicht-Quote bei etwa 95% liegt?
Genau! Man verlegt die Sonntagswanderung genau an diesen Ort und überspringt so quasi den bedenklichen Umstieg. Dabei kann es passieren, dass man so richtig überrascht wird!

So kam es zu dieser mit etwa 8 km eher kurzen Runde bei Babenhausen in Hessen. Eigentlich ist es eher ein ausgedehnter Spaziergang und als solcher auch sehr angenehm und leicht zu gehen. Start- und Zielpunkt ist der Bahnhof von Babenhausen.

Da die kleine Runde am Bahnhof startet, ist sie im ersten Teil eine sehr ortsnahe Tour. Allgemein sind wir davon keine großen Fans, aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden. Es hat ja auch Vorteile, beispielsweise wenn man eine Wanderung mit einem leckeren Eis oder Kaffee kombinieren möchte. Wobei beides an unserem Wandertag im März trotz Sonne etwas fröstelig gewesen wäre.
Bis zu diesem Tag war Babenhausen für uns nur der Ort mit der verhängnisvollen Umstiegszeit gewesen, einen Besuch hatten wir dem Städtchen also noch nicht abgestattet. Umso überraschter waren wir von den vielen kleinen Bächen und Flüssen. Die Route trifft auf die Gersprenz, auf den Ohlebach und die Lache.Da muss ich noch schauen, ob man eins davon mit dem SUP bepaddeln darf.

Auch die Altstadt von Babenhausen ist sehenswert und war für uns gleich die nächste Überraschung. Mehrere hübsch hergerichtete Fachwerkhäuser säumen die Strecke, darunter das älteste Fachwerkhaus Babenhausens von 1442. An den Resten der alten Stadtmauer entlag läuft man direkt auf den Hexenturm zu. Der Hexenturm diente im Mittelalter als Gefängnis, in dem es auch zu Folterungen kam, die teils zum Tode des Gefangenen führten. Ob dort auch Hexenverbrennungen stattfanden, ist nicht belegt, es geht aber das Gerücht um. Solche Geschichten mag ich ja, und Hexen auch! Wenn man allerdings in den Turm hinein schaut, darf man sich schon fragen, wie die früher darin umher gelaufen sind. So ganz ohneTreppen…

Schließlich führt die Strecke doch ein wenig ins Grüne. Es wird waldig längs der Wanderautobahn. Auf diesem Abschnitt steht eine hübsche kleine Rasthütte, wo sogar der Tisch eingedeckt war. Nämlich mit einem Glas voller Stifte und Papier zum Malen oder Schreiben und mit einigen hübschen Steinen und Figuren. So etwas darf natürlich nicht ungenutzt bleiben, wobei allerdings kein erwähnenswertes Kunstwerk zustande kam. Aber die Idee ist toll und ich hoffe, es bleibt lange so erhalten. Leider ist es ja oft so, dass Sachen her zerstört oder geklaut werden, wenn sie frei herumstehen.
An dieser Hütte stellten wir fest, dass aus den geplanten 10 km wohl nichts werden wüde, weil es dann mit meinem Zug eng werden würde. Also haben wir etwas umgeplant, wodurch die Runde auf 8 km gestutzt wurde.

Damit brachte uns der Weg auch schon wieder raus aus der Natur und bald liefen wir an einigen Höfen vorbei. Entsprechend ist der Untergrund auf dieser Wanderung zum allergrößten Teil befestigt. Das ist bei einer so kurzen Strecke zwar eigentlich kein Problem, aber weicher Untergrund ist schon deutlich angenehmer. Nun kommt bald Babenhausens „Wasserstraßenkreuz“ in Sicht. Hier treffen sich die Gersprenz und der Ohlebach, was nicht nur schön aussieht, sondern tatsächlich das Highlight der Runde war. Es gibt sogar einen kleinen Steg, von dem aus man eine feine Aussicht hat. Sollte es erlaubt sein, auf einem oder beiden Flüsse zu SUPpen, bekäme man es hier allerdings mit einem Wehr zu tun, an dem man umtragen müsste.

Dem Ohlebach bleibt man nun den Rückweg zum Bahnhof über treu. Der Weg verläuft parallel dazu an einem Feld entlang, wobei ich kurz Zweifel hatte, ob man dort überhaupt laufen darf. Außerdem ist man hier so sehr von Bäumen, Feldern und überhaupt von Grün umgeben, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, schon bald wieder am Bahnhof zu stehen. Es sah so gar nicht nach einem Ort, geschweige denn nach einem Bahnhof aus. Nur der Bach und Felder so weit das Auge reicht.
Das änderte sich am nächsten Abzweig von einem Moment auf den anderen und schon ist man zurück im Ort und der Bahnhof kommt fast in Sichtweite. Im kleinen Babenhausen liegt eben alles sehr nah beieinander.

Diese kurze Spazierwanderung bei Babenhausen hat uns auf ganzer Linie überrascht. Vorher war der Ort nur ein unzuverlässiger Umstieg auf Bahnverbindungen gewesen, aber Babenhausen lohnt tatsächlich einen Besuch. Es ist ein hübsches Städtchen mit Fachwerk, historischen Gebäuden und erstaunlich viel Wasser. Gleich drei Flüsse / Bäche verlaufen um und durch den Ort. Außerdem ist man schnell im Grünen und vergisst stellenweise glatt, wie nah Häuser und Straßen eigentlich sind. Die Tour kommt gänzlich ohne Höhenmter aus und ist auch sonst ausgesprochen angenehm zu gehen.

NameBabenhausen (Hessen) – Die schönste Enttäuschung der Deutschen Bahn (GPX)
Längeca. 8 km
Auf- & Abstieg↑10 ↓20
Start- & ZielpunktBahnhof Babenhausen (Hessen)
Wegbeschaffenheitüberwiegend befestigt, kurze Wiesenabschnitte
Aktualität03 / 2026
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