Der Neanderlandsteig ist ein 140 km langer Rundwanderweg vor den Toren der Metropole Ruhr und dem Bergischen Land. Zu erwandern ist er üblicherweise auf 17 Etappen. Markiert ist er mit einem weißen N auf rotem Grund, was ein erfreulich auffälliges Wegzeichen ist.
Leider ist der Neanderlandsteig für mich nur mit einer längeren Bahnfahrt zu erreichen, wobei es je nach Bahnhof nochmal schwieriger werden kann. Für eine einzelne Etappe lohnt sich die Anfahrt kaum. Daher habe ich mich entschieden, die erste und zweite Etappe an einem Tag zu laufen. So kommt die Tour auf etwa 26,5 km. Außerdem bin ich von Velbert-Neviges nach Haan-Gruiten gelaufen, also die zweite Etappe als erstes und danach die erste Etappe. Velbert-Neviges war für mich per Bahn besser zu erreichen.
Entsprechend ist der Bahnhof Velbert-Neviges der Startpunkt dieser Tour.

Etappe 2 – Von Velbert-Neviges nach Wülfrath-Düssel
Das erste Stück der Wanderung verläuft noch durch den Ort und der zeigt sich von seiner schönsten Seite mit Kopfsteinpflaster und hübschen urigen Häuschen. Mich hat der Stadtteil sehr an Velbert-Langenberg erinnert, wo wir damals den Deilbachsteig halbiert haben. Bereits hier im Ort deutete sich ein Problem an, das mich die gesamte weitere Tour beschäftigen und weit mehr als einmal ärgern sollte: die Beschilderung! Da es in Velbert-Neviges viele kleine Straßen und Gassen gibt, habe ich dort noch Fünfe gerade sein lassen. Später fiel mir das deutlich schwerer. Es sollte nicht das einzige bleiben, was mich auf dieser Wanderung wundern würde.

In Velbert-Neviges steht der Mariendom (auch Nevigeser Wallfahrtsdom genannt). Er ist nach dem Kölner Dom die größte Kirche des Erzbistums Köln und architektonisch dem Stil des Brutalismus zuzuordnen. Die Route führt direkt daran vorbei und mir fiel es durchaus schwer mir vorzustellen, dass jemand diese Bauform mal für schön und für den Bau eines Doms geeignet empfunden hat. Unter dem Begriff „Brutalismus“ konnte ich mir bisher nie so richtig etwas vorstellen, aber dieser Dom veranschaulicht den Begriff ganz ausgezeichnet.

Der erste kurze Anstieg brachte mich mich schließlich aus Velbert-Neviges heraus. Schon bald stand ich auf einem angenehm flachen Waldweg, der sich prima laufen ließ. Der Neanderlansteig hat auf diesen zwei Etappen durchaus einige zünftige Anstiege zu bieten. Dazwischen gibt es aber auch immer wieder gemütlichere Abschnitte, auf denen man sich erholen kann. Es ist halt das Bergische Land und das spürt man. Am Weg stehen auf diesem Abschnitt einige sehenswerte Bauwerke. Darunter ein hölzernes Xylophon, das ich natürlich direkt testen musste. Bis hierher war ich niemandem begegnet, wen sollte es also stören?

Auf meiner Karte war als Sehenswürdigkeit die Düsselquelle eingezeichnet gewesen. An der bin ich allerdings vorbeigelaufen. Ich schaue nicht ständig auf die Karte und ein Hinweisschild oder etwas in dieser Art war mir nicht aufgefallen. Als ich feststellte, dass ich die Quelle verpasst hatte, war ich bereits fast einen Kilometer davon entfernt. Bei knapp 27 km brauche ich keine Zusatzkilometer, daher bin ich nicht umgekehrt. Stattdessen habe ich an einer hübschen kleinen Hütte die erste längere Pause eingelegt. Der Blick reicht von der Hütte aus weit über die Felder. Im Rücken hat man die gut befahrene Asbrucher Straße, was weniger angenehm ist. Das kann der Neanderlandsteig ebenfalls ganz prima: er ist stellenweise nicht mehr als ein Pfad direkt neben einer Hauptstraße.

Überhaupt ist der Neanderlandsteig (auf diesen beiden Etappen) erstaunlich ortsnah. Man läuft so manches Mal einige Kilometer im Grünen und plötzlich steht man in einer Siedlung. Verrückt, wie weit die Zivilisation hier in die Natur reicht. Mir hat das nicht besonders gefallen. Da stellt sich die Frage, was vorher da war. Der Neanderlandsteig oder die Wohngebiete? Wenn die Wohngebiete zuerst da waren, dann verstehe ich nicht, wieso man den Wanderweg dort entlanggeführt hat. Von der Hütte aus sind es noch fast 6 km bis zum Ende der Etappe in Düssel. Diese Kilometer teilen sich in einen schönen und einen weniger schönen Abschnitt auf.

Los geht es mit dem nicht so schönen Abschnitt, denn bald unterquert man die Autobahn A535. Hier war der Weg schlammig und die Gegend vermüllt. Es stank unter der Brücke zum Erbarmen und ich war heilfroh als ich diesen Teil der Strecke hinter mir lassen konnte. Die kleine und komplett demolierte Brücke konnte dem Ort beim besten Willen keinen wildromantischen Touch verleihen. Nichts wie weg hier!
Dafür wurde es im Anschluss bald deutlich schöner. Ein kleiner Anstieg und schon stand ich auf einem Weg mitten im Grünen. Die Landschaft rundum war herrlich hügelig, hier und da waren wie hingestreut einige Häsuer zu sehen, der Sonne schien und einige Bäume spendeten Schatten. So geht Wanderweg!

Am Holzer Bach entlang begann nun der Endspurt zum Etappenziel in Wülfrath-Düssel. Dort wollte ich die nächste größere Rast einlegen, am besten auf einer richtigen Bank. Die war jedoch gar nicht so leicht zu finden. Die erste Bank stand voll im Schatten und so warm war es Ende März noch nicht. Schließlich fiel die Wahl auf den Platz vor der Evangelischen Kirche, wo es ein bequemes Mäuerchen zum Sitzen gab. Außerdem wollte ich nicht länger suchen und dabei zusätzlich Strecke sammeln. So habe ich mich auf der Mauer häuslich eingerichtet und während der Pause auf dem Handy den Verlauf der kommenden Etappe geprüft. Nach den gut 11 Kilometern der zweiten Etappe, hat man mit der ersten Etappe 16 km vor sich. Sie führt bis nach Haan-Gruiten, von wo ich die Rückfahrt antreten wollte.

Etappe 1 – Von Wülfrath Düssel nach Haan-Gruiten
Aber erst einmal habe ich mich verlaufen. Die Beschilderung des Neanderlandsteigs blieb auch auf dieser Etappe sehr mäßig. Häufig hing an zwei Bäumen mit 5 m Abstand dazwischen je ein Schild. An der nächsten Wegspinne mit 5 Wegen in alle Richtungen hing dafür kein einziges Schild. Daher mein gut gemeinter Rat an dieser Stelle: wenn du den Neanderlandsteig gehen möchtest, dann nimm dir die Route auf jeden Fall auf dem Handy mit.
Ich muss zugeben, dass mich so etwas jedes Mal ärgert. Speziell bei solch großen, bekannten und prominenten Wanderwegen. Man sollte doch meinen, hier würde sich um seine Wege gekümmert. Vor allem auch, wo man doch so viel Werbung macht! Ich habe unterwegs so einige Werbeplakate fürs Wandern auf dem Neanderlandsteig gesehen.

Unter der Bahnstrecke hindurch gelangt man bald an die Düssel, die wurderbar direkt am Wegesrand fließt. Lang ist dieser Abschnitt zwar nicht, aber die Holzbohlen und der Fluss zusammen mit der geradezu wild anmutenden Natur, diese Kombination macht ihn zu einem der schönsten Teilstücke der Strecke. So hätte es meinetwegen gerne noch weitergehen dürfen.
Und tatsächlich hat die Etappe mir diesen Gefallen sogar getan. Man muss ganz klar sagen, dass Etappe 1 um ein Vielfaches schöner und naturnäher ist das die zweite Etappe. Die Beschilderung ist zwar nicht besser und es gibt auch noch einiges an Asphalt, aber auf Etappe 1 geht es ruhiger zu und grüner ist sie auch.

Mein persönliches Highlight dieser gesamte Tour liegt ebenfalls auf dieser Etappe und sogar kurz vor Ende, nämlich das Naturschutzgebiet Grube 7. Von 1899 bis 1966 war es ein Kalksteinbruch, heute ist es ein Naturschutzgebiet, das sich nicht nur auf der ersten Etappe des Neanderlandsteigs erkunden lässt, sondern auch auf einem ausgewiesenen Rundweg. Ich habe selten ein solch schönes Stück Natur gesehen! Diese imposanten Felswände, der leicht holprige Weg und diese verwilderte Landschaft, das ist einfach ein Traum! Ich hätte mich sehr gerne länger dort umgeschaut, aber ich hatte mir bereits eine Zugverbindung nach Hause rausgsucht, die ich gerne schaffen wollte. Daher musste ich mich etwas beeilen.


Aus dem Naturschutzgebiet heraus gelangt man bald wieder an die Düssel, die einen fast bis zum Ende der Tour begleitet. Danach ist es es bis zum Bahnhof Haan-Gruiten nur noch ein Katzensprung.
Mein Start mit dem Neanderlandsteig war schwierig. Die beiden ersten Etappen haben ihre schönen Ecken und Abschnitte, die sich grün und hügelig präsentieren. Das Highlight war für mich ganz klar das Naturschutzgebiet Grube 7. Dazu gilt es so einige Höhenmeter zu bewältigen, wie ich es vom Bergischen Land erwarte. Die Beschilderung des Wegs ist dagegen unterirdisch. Vor allem an Stellen, wo man ein Schild wirklich bräuchte. Der Untergrund ist auf langen Abschnitten befestigt, was die Füße schnell übel nehmen können. Dazu kommt noch, dass man immer wieder in Siedlungen gerät oder an Hauptstraßen läuft, was wenig angenehm ist.
Ich werde mir sicher noch weitere Etappen anschauen, aber das hat nach diesem Einstieg erstmal Zeit.
| Name | Licht und Schatten – Neanderlandsteig Etappen 2 & 1 (GPX) |
| Länge | ca 27 km |
| Auf- & Abstieg | ↑300 ↓280 |
| Startpunkt | Bahnhof Velbert-Neviges |
| Zielpiunkt | Bahnhof Haan-Gruiten |
| Wegbeschaffenheit | oft befestigte Wege, weniger naturbelassene Abschnitte |
| Aktualität | 03 / 20026 |
