Der Wilderer Wanderweg ist ein etwa 19 km lange Rundweg bei Kleinenberg im Paderborner Land.
Vor weit über 100 Jahren wurden in der Region zwei Förster von Wilderern erschossen. Ein Besenbinder fand einen der tödlich verwundeten Förster im Wald, konnte sein Leben aber nicht mehr retten. Mit Blut hatte der Sterbende in ein Notizbuch geschrieben, dass ein gewisser H. zweimal auf ihn geschossen habe. Die Wilderer konnten trotz groß angelegter Suchaktion nicht gefunden werden. Sie sollen sich nach Amerika abgesetzt haben.
An dieses Drama erinnert heute der Wilderer Wanderweg, der für mich ein kompletter Zufallsfund am Vorabend der Tour war.
Angereist bin ich mit Bahn und Bus über Paderborn, was zu meiner großen Verwunderung sogar an einem Sonntag möglich ist.
Sonst sind so kleine Orte wie Kleinenberg ja häufig an Sonntagen schwer bis gar nicht mit den Öffis zu erreichen.

Bereits nach wenigen Metern entdeckte ich ein verheißungsvolles Schild, das auf ein Pilgercafé hinwies. Spontan nahm ich mir vor, dort am Ende der Runde einzukehren. An der Wallfahrtskirche vorbei führt die Route zunächst zur Kreuzwegallee, wo es bereits leicht bergan auf den Kalvarienberg geht. Es ist eine sehr schöne Allee und die 14 Kreuzwegstationen lohnen einen näheren Blick. 2021 wurde der Weg umfassend saniert, sodass man hier ganz entspannt und sicher zum „Hohen Kreuz“ gelangt. Die dort in Stein dargestellte Szene zeigt die Kreuzigung Christi.

Hinter dem „Hohen Kreuz“ begegnete mir das erste Schild des Wilderer Wanderwegs. Er ist nahezu durchgängig gut ausgeschildert, nur hier und da hätte es zumindest für mich ein Schild mehr sein dürfen. Ich habe ja selten ein so gemeines Wanderwegeschild gesehen. Der arme Hirsch! Aber natürlich passt das Motiv prima zum Weg und so leuchtend grün fällt es zudem immer gut auf.
Nach einem kurzen Stück Weg zwischen Feldern, führt die Route schließlich in den Wald und sehr bald in die erste Durchschlageübung, der noch so einige folgen sollten! Ich bin die Tour im Juli gegangen und alles an Grün stand übermannshoch. Hier am Anfang fand ich das noch ganz lustig und spannend. Das sollte sich später aber noch ändern.

Die „Alte Eisenbahn“ ist eins der Highlights des Wilderer Wanderwegs. Etwa um 1847 / 48 sollte hier ein Eisenbahntunnel gebaut werden. Als die Gesellschaft pleite ging,war das Projekt bereits begonnen und der Tunnel zu gut zwei Dritteln fertig. Aus Sicherheitsgründen wurde er gesprengt. Heute findet man dort eine tiefe Schlucht mit schroffen Felswänden. Es ist ein kurzer Abstecher vom Wanderweg nötig, aber es sind wirklich nur wenige Meter. Das kann man gut machen und der Anblick ist es wert. Solche Schluchten kommen für mich hier in der Region jedes Mal unerwartet. Ich denke, in den weniger grünen und bewachsenen Jahreszeiten ist die Aussicht noch spektakulärer. Wieder zurück auf der Hauptroute, findet man mehrere Infotafeln vor, die über die historische Großbaustelle informieren.


Auf einer Art Hochebene angekommen, kam sogar die Sonne heraus. Ich hatte wettermäßig einen sehr durchwachsenen Tag erwischt, aber die meiste Zeit war es immerhin trocken. Manche Pfade hätte ich in nass und matschig auch wirklich nicht gebraucht.
Ein guter alter Bekannter kommt hier ebenfalls vorbei, der Eggeweg nämlich. Da wir dieses Jahr mit den Hermannshöhen begonnen haben, zu denen auch der Eggeweg gehört, werden wir hier früher oder später nochmal vorbeikommen. Vielleicht um in der hübschen kleinen Schutzhütte ein Päuschen einzulegen. An meinem Wandertag habe ich dort nur für ein schnelles Foto gestoppt und bin direkt weiter gelaufen. Sehr bald sollte es auf den Teutonia Klippenweg gehen und darauf war ich sehr gespannt.

Leider gab es dort aber nichts zu sehen. Der zugewachsene Pfad ist wunderschön, ohne Frage. Die Klippen blieben mir durch den üppigen Wildwuchs leider verborgen. Daher bin ich nach einer kleinen Weile umgekehrt. Bei rund 20 km Wanderweg brauche ich keine Zusatzkilometer. Vor allem nicht, wenn ich nicht weiß, ob ich überhaupt irgendwann etwas sehen werde. Ich glaube wirklich, den Weg werden wir nochmal laufen, wenn die Natur kahler ist. Ganz sicher wird man an mehreren Stellen dann mehr zu sehen bekommen. Im Hochsommer war es überall einfach nur undurchdringlich grün und zugewachsen.
Auch am Försterkreuz wäre ich beinahe vorbeigelaufen. Es wurde zur Erinnerung an die ermordeten Förster errichtet.

Dann stand ich plötzlich endgültig im Dschungel! Über Kilometer ragten der Farn und das restliche Grün rechts und links bis weit über meinen Kopf. Der Pfad war die meiste Zeit überhaupt nicht zu sehen, alles war zugewachsen. Irgendwo links von mir ging es (vermutlich) ziemlich tief runter. Aber das Abenteuer ist beschildert, die Richtung stimmte also. Hätte ich die Trekkingstöcke dabei gehabt, hätte ich mir damit den Weg etwas frei hauen können, so musste ich das mit den Armen versuchen. Das war unfassbar anstrengend und ich dachte einige Male, ich hätte die Route verloren. So bin ich am Kleinen Herrgott glatt vorbeigelaufen, dabei hätte ich die angebliche Opferstätte der Sachsen schon gerne gesehen. Ein weiterer Grund um nochmal her zu kommen.

Eine Stelle mit Aussicht bestätigte mir schließlich, dass es neben mir tatsächlich saftig abwärts ging. Wunderbar!
Zu allem Überfluss holte mich in diesem Dschungel dann doch noch der Regen ein und binnen kurzer Zeit war ich von oben bis unten klatschnass. Zwar nieselte es zunächst nur, aber natürlich streiften mich die nassen Pflanzen und am Boden sammelte sich die Nässe ebenfalls. Im Nieselregen schaffte ich es endlich aus dem Urwald heraus und zog erstmal die Regenjacke über. Der Regen nahm leider stetig zu. Ich bin mir sicher, der Weg ist abseits des Sommers ein Traum, im Juli war er Abenteuer pur. Schade um alles, was ich unterwegs deswegen nicht sehen konnte. Allen voran natürlich die Teutonia Klippen, an denen ich gemäß Karte lange entlanggelaufen bin.

Der Aussichtsturm Bierbaums Nagel ist glücklicherweise stolze 13,5 m hoch und steht frei auf einer Wiese. Ein Abzweig führt direkt zum Turm, der sogar begehbar ist. Der Ausblick ist nicht übel. Am Turm begegneten mir zum allerersten Mal auf der Runde andere Wanderer. Der Regen hatte inzwischen wieder nachgelassen und so bin ich natürlich auf den Turm gestiegen und habe dort eine kurze Pause eingelegt.
Mit dem folgenden geradezu märchenhaften Pfad durch einen Nadelwald hatte ich an dieser Stelle überhaupt nicht mehr gerechnet. Ich mag ja Nadelwälder besonders gerne und dieser Abschnitt hätte für mich ruhig länger sein dürfen. So verwunschen, so ein weicher Untergrund und selbst an solch einem grauen Tag so grün!

Der Endspurt des Wilderer Wanderwegs verläuft auf einer breiten Wanderautobahn. Mir war das ausnahmsweise ganz recht, weil ich hoffte, dass so die Socken wieder trocknen würden. Denkste! Die Wanderung war ungeplant der ultimative Produkttest für die doppellagigen Wrightsocks.
Da ich nach der Tour noch genug Zeit bis zum Bus hatte, bin ich tatsächlich im gemütlichen Pilgercafé eingekehrt. Bei leckerem Tee und Kuchen konnte ich immrhin zum größten Teil wieder trocknen. Das Café ist eine echte kleine Empfehlung! Es gibt sogar eine Herberge, in der Wanderer für eine Überachtung einkehren können!
Der Wilderer Wanderweg ist ein sehr schöner Rundweg, auf dem sich die Highlights quasi die Klinke in die Hand geben. Wenn du sie alle sehen und erleben möchtest, solltst du die Tour am besten in den kahlen Jahreszeiten an einem schönen Tag laufen. Im Sommer herrscht über Kilometer der pure Wildwuchs und einige der Highlights bleiben einem so leider verborgen. Mir hat die Abenteuertour trotzdem viel Spass gemacht. Die Höhenmeter halten sich angenehm im Rahmen und abseits der Dschungelpfade lassen die Wege sich gut gehen. Wir werden wohl nochmal herkommen um das Versäumte doch noch sehen zu können.
| Name | Wilderer Wanderweg (GPX) |
| Länge | ca. 19 km |
| Auf- & Abstieg | ↑ 320 ↓ 340 |
| Start- & Zielpunkt | Zentrum 33165Kleinenberg |
| Wegbeschaffenheit | im Sommer über Kilometer zugewachsene Abschnitte, sonst gut begehbare Wanderwege |
| Aktualität | 07 / 2026 |
