Der große Wanderpass-Check | Etappe 4: Mein Fazit zum Abenteuer Stempelsammeln

Das war er also nun: Der große Wanderpass-Check!
Drei Wochen lang haben wir uns die Sammelsysteme von fünf Regionen angeschaut. Wir haben uns mit der Logistik hinter den Stempelkästen befasst, die Belohnungen verglichen und einen Blick auf die Entwicklung in Richtung digitaler Systeme geworfen.

Mein Dank gilt

…den Regionen, die an meinem Interview teilgenommen haben

Weserberglandtourismus e.V. (Weserberglandweg)
Region Hannover, Team Tourismus (Deister)
Tourismusagentur der Wirtschaftsregion Bergstraße (Nibelungensteig)
Edersee Marketing GmbH (Urwaldsteig & Kellerwaldsteig)
Tourismusverband Sächsische Schweiz (Malerweg)

Zum Abschluss kommt hier nun noch mein ganz persönliches Fazit. Es gab für mich einige Aha-Momente, mal positiver, aber auch mal negativer Natur. Wie gesagt und ausdrücklich: dieses Fazit spiegelt alleine meine Meinung wider und ist keinesfalls allgemeingültig.

Darüber habe ich mich gefreut

Gefreut habe ich mich vor allem darüber, dass alle fünf Regionen spürbar mit Herzblut hinter ihren Stempelsystemen stehen und ihnen die Zufriedenheit der Wanderer sehr wichtig ist. Ich finde, das sollte auch so sein, wenn man eine solche Aktion ins Leben ruft. Ohne ein passendes Engagement dahinter kann so etwas nicht funktionieren. Gleichzeitig fand ich es gut zu hören, dass einige Regionen die Wanderer selbst in die Pflicht nehmen, indem sie sagen: Du kannst dir auch an anderen Stellen einen Nachweis geben lassen. Man muss seinen Touristen / Kunden / Wanderern nicht alles vor den Allerwertesten tragen. Eigeninitiative darf auch mal sein. Vor allem, wenn am Ende eine so schöne Belohnung wie eine Wandernadel und eine Urkunde wartet.

Das hat mich motiviert…

…weiterhin Stempeljäger zu sein und die Wege der Regionen so lange zu wandern, bis der Wanderpass fertig gestempelt ist.
Auch hier ist es das spürbare Engagement der Regionen rund um ihre Wanderpässe und Stempelstationen. Außerdem natürlich die Belohnungen, die nicht immer eine Nadel oder ein Pin sein müssen, sondern auch mal eine schicke Münze sein können. Außerdem soll der Wanderpass der Deister-Region auf 19 statt bisher 12 Stempel erweitert werden. Ich kann es kaum erwarten, die sieben neuen Stempel zu erwandern!

Das fand ich richtig cool

Die Idee für den Wanderpass des Kellerwaldsteigs rührt vom Geocaching her! Da ich selber hin und wieder geocachen gehe, finde ich diese Kombination sehr gelungen. So haben Wanderer etwas von der Tour, Geocacher auch und erst recht die Draußenmenschen, die mit beidem Zeit in der Natur verbringen.

Das hat mich geärgert

Ja, es gab auch etwas, das mich geärgert hat und es nach wie vor tut. Das sind Stempelsysteme, die exklusiv sind. Das bedeutet, den Stempelpass bekommt jeder, die Stempel aber nur Wanderer, die an geführten Touren und/oder Veranstaltungen teilnehmen. Mir ist natürlich bewusst, dass es im Leben nicht für jeden alles gibt (und das finde ich auch richtig so). Aber dass man leer ausgeht, wenn man einen über 70 km langen Weg wie den Urwaldsteig wandert, in einer Region, die sich als Vorzeigeregion sieht, das finde ich unfair. Da kommt mir durchaus der Gedanke, dass vor allem die belohnt werden sollen, die mit der Teilnahme an geführten Touren Geld in die Kasse spülen.
Diese Exklusivität scheint obendrein Schule zu machen, denn nach dem Check ist mir direkt die nächste Region begegnet, die es so handhabt.

Darüber habe ich mich gewundert

Gewundert habe ich mich darüber, dass einige Regionen im Interview angaben, kein digitales Stempelsystem anzubieten, vornehmlich aus Kostengründen. Drei Klicks später in der Summit Lynx App konnte ich sehen, dass diese Regionen sehr wohl dort vertreten sind. Ich hatte im Interview nicht nach individuellen Apps gefragt, sondern die Frage offen gehalten. Ich weiß, dass Summit Lynx es sich durchaus bezahlen lässt, Regionen bei sich aufzunehmen. Es sich sogar sehr gut bezahlen lässt! Das könnte man doch in einem solchen Interview einfach sagen, denn irgendwo ist das letztlich auch Werbung für die eigene Sache.

Das sehe ich skeptisch

Tatsächlich stehe ich dem digitalen Stempeln sehr skeptisch gegenüber. Mein Fall wird das niemals werden. Ich mag Wanderpässe aus Papier und mir ist jeder Tintenstempel lieber als ein Häkchen in einer App. Das ist ein ganz anderes Gefühl, das wesentlich mehr in Richtung Belohnung geht. Mir ist aber schon klar, dass heutzutage vieles ins Digitale abdriftet. Das ist eben der Zeitgeist. Aber ich habe z. B. Summit Lynx selber schon getestet und es hat mehr schlecht als recht funktioniert. Und wenn eine App 2026 noch nicht das zuverlässig leistet, was Geocaching-Apps seit fast zwei Jahrzehnten bereits können, dann frage ich mich doch, wieso das so ist. Auf so etwas möchte ich mich nicht verlassen müssen, wenn ich unterwegs bin. Da sind Stempelkästen und Stempel wesentlich handfester.

Das ist für mich ein zweischneidiges Schwert

Das gilt für mich vor allem für das Stempeln in Hotels / Gastronomiebetrieben. Einerseits finde ich das richtig praktisch, denn damit ist gewährleistet, dass der Stempel auch da und funktionsfähig ist. Ich kann komplett nachvollziehen, dass viele Regionen keine Lust haben, alle paar Wochen Reparaturen vorzunehmen oder für Ersatz zu sorgen, weil manche Menschen sich im Umgang mit anderer Leute Eigentum einfach nicht zu benehmen wissen.
Andererseits ist mir im Rahmen des Checks aber auch aufgefallen, dass die Betriebe längst nicht immer direkt am Etappenende sind. Mitunter ist eine Verlängerung der Wanderung um bis zu eine Stunde erforderlich. Oder eben die Nutzung des ÖPNV. Man ist hier also eher auf Wanderer eingerichtet, die eine Unterkunft für die Nacht gebucht haben. Individualwanderer müssen entweder die Zusatzkilometer laufen oder sich mit einem Foto am Zielort behelfen. Das ist aber nun mal kein Stempel.

Das war eine Enttäuschung für mich

Ganz klar: Dass ich deutlich mehr als fünf Regionen angeschrieben habe, aber nur ein Bruchteil überhaupt geantwortet hat. Wo ist bitte das Problem dabei, ein kurzes „Nein, danke, kein Interesse / keine Zeit / keine Kapazität“ zurückzuschicken? Der Check wäre zwei Wochen früher gestartet, pünktlich zu Beginn der Wandersaison Anfang April, wenn ich von allen wenigstens irgendeine Reaktion erhalten hätte. Ich habe höflich und unaufdringlich angefragt, geduldig gewartet und letztlich doch kaum eine Antwort erhalten. Warum?

Die drei Teile des Wanderpass-Checks

Der große Wanderpass-Check | Etappe 1: Von der ersten Idee zur finalen Nadel
Der große Wanderpass-Check | Etappe 2: Keine Angst vor leeren Stempelkästen
Der große Wanderpass-Check | Etappe 3: Pins am Rucksack und digitale Haken

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