Vergangenen Mittwoch starteten die ersten Mottowochen auf dem Blog! Ab sofort dreht sich hier mittwochs alles um das Thema „Wanderpässe“.
Als begeisterte Stempeljägerin hat sich mir über die Jahre immer mal wieder die eine oder andere Frage zu Wanderpässen gestellt. Vielleicht geht es dir genauso. Dann ist diese kleine Artikelreihe genau das Richtige für dich! Schau mit mir hinter die Kulissen der Stempeljagd!
Mit diesen fünf Regionen habe ich zu diesem Thema interessante Interviews geführt
Tourismusagentur der Wirtschaftsregion Bergstraße (Nibelungensteig)
Tourismusverband Sächsische Schweiz (Malerweg)
Weserberglandtourismus e.V. (Weserberglandweg)
Region Hannover, Team Tourismus (Deister)
Edersee Marketing GmbH (Urwaldsteig & Kellerwaldsteig)
Dieser zweite Teil befasst sich mit den Fragen nach Logistik und Pflege der Stempelstellen. Ganz gleich, ob es sich um klassische Stempelkästen im Wald handelt, oder um Stempelstellen in Gastronomiebetrieben entlang des Wegs. Beides hat sein Für und Wider, wie wir sehen werden.

Keine Angst vor leeren Stempelkästen!
Malerweg – Der Künstlerweg in der Sächsischen Schweiz
Auf dem rund 116 km langen Malerweg genießt der Wanderer praktisch ein Rundum-sorglos-Paket und muss sich daher kaum Gedanken darum machen, dass er in den teilnehmenden Hotels und Restaurants auf Ratlosigkeit stößt. Die Gastgeber bilden mit dem Tourismusverband eine Projektgemeinschaft, wodurch stetig Kontakt zwischen ihnen besteht. Regelmäßige Telefonate und Mailings sind an der Tagesordnung, sodass keine Stelle uninformiert über die Stempelaktion bleibt. So ist es außerdem ausgeschlossen, dass z. B. eine Lokalität plötzlich geschlossen ist. Sollte doch mal ein anderweitiges Problem in dieser Richtung auftauchen, so reicht ein Anruf oder eine Mail.
Deister Wanderpass – Bald geht es raus! Und dann?
Im Deister befinden sich die meisten Stempelstellen (noch) in Gastronomiebetrieben. So ist auch hier durch die Zusammenarbeit gewährleistet, dass die Stempel funktionstüchtig sind und die Mitarbeitenden darüber Bescheid wissen. In Zukunft sollen die Stempelstellen aber in klassische Holzboxen nach draußen wandern, wodurch die Betreuung intensiver werden dürfte. So engagiert wie die Deisterfreunde sind, kommen sie dem aber sicher zuverlässig nach. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Engagement nicht ausgenutzt werden wird. Sollten Wanderer vor geschlossenen Lokalen stehen, so finden sie alternativ einen Code vor Ort, der in den Wanderpass eingetragen werden kann. Defekte Stempelkästen können künftig via Mail oder per Telefon gemeldet werden.
Weserberglandweg – Burgen & Fachwerk
Selbst ist der Wanderer! So könnte man das Thema auf dem Weserberglandweg beschreiben. Zwar arbeitet man mit den Qualitätsgastgebern und Tourist-Informationen zusammen, in Stein gemeißelt sind diese Stempelstellen aber nicht. Schließlich kann es immer mal passieren, dass man außerhalb der Öffnungszeiten an einer Tourist-Info ankommt. Wenn dann aber der Bäcker nebenan geöffnet hat, reicht im Pass auch dessen Stempel als Nachweis über die erwanderte Etappe. Dieses Prinzip stellt für Wandersleute natürlich das Maximum an Flexibilität dar. Praktischerweise entfällt damit auch die klassische Pflege der Stempelstellen. Quasi eine Win-win-Situation für beide Seiten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der durchschnittliche Wanderer durchaus mit dieser Art der Freiheit zurechtkommt.

(c) Wildunger Waldläufer
Edersee – Urwald- & Kellerwaldsteig – Besonders besonders
Die Stempelboxen entlang des 156 km langen Kellerwaldsteigs werden ehrenamtlich gepflegt, nämlich von den „Gründern“, den Wildunger Waldläufern. Sie kümmern sich bei Defekten an den Boxen oder fehlenden Geocaches. Steht der Wanderer an solch einer beschädigten Station, so hat er die Möglichkeit, über einen QR-Code eine entsprechende Meldung abzusenden. Dieser Code findet sich an jeder Box und ermöglicht eine umgehende Meldung, sodass man es nicht bis zuhause aufschieben muss und dann eventuell doch vergisst.
Da es auf dem Urwaldsteig die Stempel nur im Rahmen geführter Wanderungen gibt, besteht hier natürlich so gut wie gar keine Gefahr, dass etwas defekt ist oder entwendet wurde. Sicherer geht es nicht.
Nibelungensteig – Sagenhaft wandern
Der Nibelungensteig fährt mit seinem Stempelsystem zweigleisig. Es kann analog im Pass gestempelt werden, aber auch digital über die App Summit Lynx. Die Frage nach der Logistik und Pflege des Systems stellt sich natürlich vor allem für die analoge Variante. Sobald der Pass in eine Neuauflage geht, werden auch die Stempelstellen kontrolliert. In der Regel ist das einmal alle zwei Jahre. Da in Tourist-Informationen und Gaststätten gestempelt wird, aber auch je nach Bedarf, wenn sich bei den Betrieben Veränderungen ergeben haben. Wird ein Betrieb zur Stempelstelle „befördert“, erhält er ein Infoblatt und ist damit auch in der Pflicht, Mitarbeitende (auch Saisonkräfte) entsprechend zu informieren.

………………………………………………………………………………………..
Mein Fazit
Dieses Thema hatte mich aus verschiedenen Gründen vor dem Check am meisten interessiert. Es war interessant zu sehen, wie die Regionen die Themen Pflege und Logistik handhaben, denn solche Stempelsysteme sind halt nur so gut wie ihre Wartung. Daher finde ich die persönliche Betreuung der Stempelstellen durch „Wegepaten“ sehr sympathisch. Mir gefällt aber auch die Variante der Stempelstellen in Tourist-Informationen und Gastronomiebetrieben. Sie bieten die größte Sicherheit darüber, dass die Stempel vorhanden und in Schuss sind. Gut finde ich es außerdem, dass alle Regionen es so unkompliziert handhaben, wenn ein Stempel defekt ist. Eine Mail oder ein Anruf genügen und schon ist der Defekt gemeldet.
Ich schätze auch die Flexibilität, die man vor allem beim Weserberglandweg hat. Hier wird nicht auf fixe Stempelstellen gepocht, was das Sammeln natürlich erleichtert. Ich muss aber ehrlich sagen, dass es nicht das gleiche Gefühl ist, wenn man sich von der Bahnhofspizzeria einen Stempel geben lässt, statt – im Falle dieses Weges – bei einem der Partnergastgeber. Mein Sammlerherz mag „richtige“ Stempelstellen lieber. Es fühlt sich mehr nach Belohnung für eine bezwungene Etappe an.

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten
Eines muss einem aber immer klar sein: wir sprechen in diesem Wanderpass-Check durchweg von großen und bekannten Wanderwegen, die zum großen Teil als Qualitätswanderwege zertifiziert sind. Bei allen wird großer Wert auf die Pflege ihres Sammelsytems gelegt. Das erwarte ich bei solchen zertifizierten Wegen auch.
Bei kleineren Wegen sieht das meiner Erfahrung nach leider manches Mal anders aus. Meldungen über defekte Stempelstellen werden entweder komplett ignoriert, oder man erhält eine Dankesnachricht, aber am Defekt tut sich trotzdem nichts. Das habe ich nicht nur einmal erlebt. Ich habe auch schon in „Stempelstellen-Hotels“ gestanden, in denen niemand etwas von den Wanderstempeln wusste. Manchmal ergaben sich bereits im Vorfeld einer Tour Unklarheiten über die Stempelsituation. Die wollte ich per Mail klären, habe aber nie eine Anwort erhalten. So etwas ist ärgerlich und hinterlässt keinen guten Eindruck.
Wie sind deine Erfahrungen mit Stempelstellen? Wirkten sie auf dich stets gepflegt oder hast du auch schon das komplette Gegenteil erlebt? Welchen Eindruck von einer Region bzw. einem Sammelsystem hinterlässt der Zustand einer Stempelstelle bei dir?
Eine Region, die bekannt für ihre Wanderstempel ist, das ist natürlich der Harz. Dort kann man z. B. auf dem Harzer Hexenstieg Stempel sammeln!
