Weserberglandweg Etappe 13 – Vom Kaiserblick zum Pizzabäcker

225 km, 13 Etappen. Das ist der Weserberglandweg, der von Hann. Münden zum Weserdurchbruch ins Mittelgebirge bei Porta Westfalica führt. Auf der hügeligen Strecke sind über 6.000 Höhenmeter zu bewältigen.
Entlang des Wegs liegen zahlreiche sehenswerte Wanderziele wie Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte.

Nachdem uns die Hermannshöhen mit ihrer ersten Etappe nicht überzeugen konnten, haben wir uns am nächsten Wandertag der letzten Etappe des Weserberglandwegs gewidmet. Wir laufen ihn rückwärts, weil die letzten Etappen von Herford aus zunächst noch gut per Bahn und Bus zu erreichen sind.

Die 13. Etappe startete für uns also bei Porta Westfalica, direkt am Bahnhof. Vor uns lagen knapp 19 km bis Rinteln und dazwischen eine gute Schüppe Aufstiege. Außerdem drohte von oben bereits wieder ein ordentlicher Regenguss. Es soll dieses Frühjahr einfach nicht sein mit sonnigen Touren. Mich erwarteten bei dieser Tour zudem einige Punkte, an denen ich auf anderen Wanderungen bereits war. Davon bin ich bekanntlich ja kein Fan. Wir würden sehen.

Vom Bahnhof aus läuft man zunächst ein Stück die Straße entlang und überquert sie schließlich. Danach führt die Route zum verlassenen Berghotel, wo wir kurz etwas ratlos waren, aber dann zeigte sich der Weg. Er führt gewissermaßen hinter das Hotel, wo eine rumpelige Treppe aufwärts in Sicht kommt. Auf dieser Treppe gewinnt man bereits einige der Höhenmeter und auch wir kamen zügig ins Schnaufen. Beim Weserberglandweg scheint es wie bei vielen Weitwanderwegen zu sein: Die Etappenziele liegen „im Tal“ und für die nächste Etappe muss man erstmal wieder auf die „Berge“ gelangen. Immerhin ist man oben angekommen schon warm.

Am Aussichtspunkt Porta-Kanzel haben wir kurz verschnauft und den Ausblick genossen. Er zählt sicher zu den schönsten und bekanntesten Ausblicken bei Porta Westfalica. Man schaut über die Weser hinweg zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg. Hier erlebt man einen der seltenen Momente, in dem sich selbst eine große Straße recht harmonisch ins Landschaftsbild einfügt. Leider war die Kanzel selber an unserem Tag sehr vermüllt und einige Dinge vor Ort waren leider auch kaputt. Das attraktivste Fleckchen auf dem Weserberglandweg ist hier also definitiv nicht. Es wird mir nie in den Kopf gehen, wieso sich manche Menschen einfach nicht benehmen können. Es muss doch nicht sein, dass man seinen Müll in der Natur hinterlässt und mutwillig Zäune etc. zerstört.

Das Schlageter-Denkmal ist nun nicht mehr weit. 1934 wurde es aus Sandstein aus Porta Westfalica erbaut und trug für einen sehr kurzen Zeitraum ein Kreuz, welches bald entfernt wurde. Das Denkmal entstand zur Erinnerung an Albert Leo Schlageter, der 1923 von französischen Truppen zum Tode verurteilt wurde. 1958 bekam es schließlich die Aussichtsplattform. Für eine Aussicht lohnt sie sich allerdings nicht. Die Bäume rundum überragen das Denkmal bei Weitem. Es muss sehr lange her sein, dass man vom Denkmal weit ins Land schauen konnte. Irgendwie werde ich beim Anblick des Kolosses nie das Gefühl los, dass es unter seinem Sockel noch weiter abwärts geht. Immerhin ist der Jakobsberg ein Schweizerkäse voller Stollen und Höhlen. Bei unserem Besuch im Bergwerk konnten wir einige davon bestaunen.

Da lohnt sich der Fernsehturm schon deutlich mehr! Von April bis Oktober kann er für nur 1,00 € erklommen werden. Dafür waren wir leider zu früh dran, genau wie ich bei meinem ersten Besuch 2023. Am Fuße des Turms gibt es einen Kiosk, der während der Saison verschiedene Getränke und Snacks anbietet. Daneben kann man sich auf einer großen Wippe vergnügen oder sich auf einer Wellenliege in der Sonne aalen. Diese hier hat die Besonderheit, dass sie gleichzeitig eine Schaukel ist. Solch eine Konstruktion ist uns sonst noch nirgends begegnet, also sollte man sie unbedingt ausprobieren. Bei unserem ollen Wetter haben wir darauf aber verzichtet, weil die Liege nass war.

Wanderer, Du überschreitest hier den 9. Längengrad.
Jedes Mal, wenn ich vor diesem Pfahl stehe, bin ich dezent beeindruckt. Dabei sollte man doch denken, dass man schon oft irgendwelche Längen- oder Breitengrade überschritten hat. Aber man wird scheinbar selten darauf hingewiesen wie hier auf dem Weserberglandweg. Noch dazu so hübsch gestaltet. Drei große Wanderwege sind hier ebenfalls ausgewiesen. Der Europaweg E11 (4700 km), der Weserberglandweg (225 km) mit dem Kürzel XW und der Bückebergweg X11 (58 km). Da ist also für jeden Geschmack etwas dabei. Hier oben bleibt man von Anstiegen zunächst verschont und kann den Weg ganz gemütlich laufen und genießen. Vor allem ,wenn wie bei uns plötzlich die Sonne durchblitzt.

An einigen imposanten Klippen vorbei erreicht man schließlich den Steinbruch der Barbara Erzbergbau GmbH, auf deren Gelände man natürlich nichts verloren hat. Hier geht es nun wieder ordentlich bergauf, aber mit den Tiefblicken in den Steinbruch ist für reichlich Ablenkung gesorgt. Der Pfad führt oberhalb entlan,g und an einigen Stellen hat man freien Blick. Das Unternehmen Barbara Erzbergbau betreibt hier das letzte deutsche Eisenerzbergwerk. Im stillgelegten Teil der Grube befindet sich das Besucherbergwerk Kleinenbremen. Dorthin gelangt man später auf dem Weserberglandweg noch.

Ganz in der Nähe gibt es einen tollen Platz für eine Rast und dafür ist nur ein kleiner zusätzlicher Aufstieg nötig. Hinauf zur „Bank Himmelfahrtskommando“ nämlich. Den Rastplatz gibt es seit 2020 und er wurde errichtet von einem gewissen Himmelfahrtskommando, welches allerdings nur in Kürzeln verewigt ist. Daher weiß ich nicht, was oder wer genau dahintersteckt. Wer es weiß, bitte sehr gerne in die Kommentare schreiben. Es dürften Männer sein, denn jedes Jahr an Himmelfahrt ist der Platz ab 10 Uhr für das Himmelfahrtskommando reserviert. An allen anderen Tagen darf hier jeder eine Pause einlegen und den Blick in den Steinbruch genießen. So haben wir es auch gemacht.

Wenn du rechtzeitig auf der Tour am Besucherbergwerk Kleinenbremen ankommst, dann kannst du sie gut mit einem Besuch des Bergwerks kombinieren. So habe ich es vor vier Jahren auch gemacht. Ich rate aber dazu, vorher online einen Termin zu buchen und die Wanderung zeitlich darauf abzustimmen, denn die Termine sind heiß begehrt. Ich kann aber versichern: Es lohnt sich! Natürlich lässt sich das Museum als alleiniges Ausflugsziel besuchen. Man muss dafür nicht fast 20 km wandern. Eine Option ist es aber auf jeden Fall! Wir sind an diesem Wandertag nach einem kurzen Blick weitergelaufen, ein Stück an der Straße entlang und dann zurück in den Wald.

„Steiler Weg (25 min.)“, das sind doch Schilder, die man als Wanderer liebt. Nicht. Aber natürlich läuft man sie trotzdem, auch wenn man dabei vielleicht ein wenig schimpft. Die Drohung auf diesem Schild ist jedenfalls ernst zu nehmen. Der Weserberglandweg scherzt nicht! Es ist der saftigste Aufstieg der kompletten Etappe. Ob wir es in 25 Minuten geschafft haben, das kann ich bis heute nicht sagen. Mir kam es deutlich länger vor. Der Papenbrink bringt es auf eine Höhe von 303 m und die wollen es wissen. Dafür warten oben angekommen aber auch einige Belohnungen: ein weiterer Steinbruch mit steilen Wänden, eine Sendeanlage und die steinerne Königshütte. Wer also nach der Kraxelei eine kurze Rast braucht, der ist hier genau richtig. Der Sage nach soll hier einst ein Priester mit dem Teufel gekämpft haben, wobei beide in ein Schlammloch stürzten. Der Priester trocknete hier anschließend seine Kleider.

Die Autobahn A2 ist auf dieser Etappe des Weserberglandwegs nie weit entfernt. Gegen Ende überquert man sie auf einer Brücke. Ich mag ja Brücken jeder Art. Auch wenn es unheimlich wirkt, ich stehe auch gerne auf Autobahnbrücken und schaue auf die Fahrbahn hinunter. Ich mag das als Autofahrer gar nicht, kann aber die Faszination und Begeisterung dafür auf der anderen Seite komplett nachvollziehen. Es ist paradox. Wir haben unseren Stopp hier kurz gehalten, man muss den Fahrern da unten ja nicht unnötig einen Schrecken einjagen. So erreichten wir bald den Endspurt der Etappe in Gestalt einer befestigten Wanderautobahn. So gelangt man schließlich nach Rinteln und dort zum Bahnhof, wo die Etappe endet.

Es gibt zum Weserberglandweg ein Serviceheft, in dem sich auch ein Wanderpass befindet. Stempeln kann man in den angeschlossenen Unterkünften und Tourist-Informationen. Dabei scheint man aber sehr auf Wanderer ausgerichtet zu sein, die mehrere Etappen laufen und dazwischen Übernachtungsmöglichkeiten brauchen. Die Hotels an dieser 13. Etappe sind vom Etappenende noch ein ganzes Stück entfernt. In Porta Westfalica müsste man rund eine halbe Stunde dahin laufen, in Rinteln gut 50 Minuten. Für Etappenwanderer wie uns kommt das also nicht infrage. Entsprechend habe ich mir meinen Stempel am Bahnhof in der Pizzeria abgeholt. Wie mir auf Anfrage mitgeteilt wurde, werden auch solche Stempel anerkannt. Ich hoffe es sehr, denn anders wäre man als Individualwanderer außen vor bei der Sammelaktion.

Die 13. Etappe des Weserberglangdwegs hat uns prima gefallen! Es gibt zwar einige deftige Aufstiege, aber der Lohn dafür kann sich jedes Mal sehen lassen. Die Etappe führt zu einigen Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten. Wer mag, der kann sie mit einem Besuch im Besucherbergwerk Kleinenbremen kombinieren, denn die Strecke führt genau daran entlang. Das empfehle ich persönlich sehr! Mit den Bahnhöfen in Porta Westfalica und Rinteln sind ideale An- und Abreisemöglichkeiten gegeben.

NameWeserberglandweg Etappe 13 – Vom Kaiserblick zum Pizzabäcker (GPX)
Längec.a. 19 km
Auf- & Abstieg↑650 ↓650
StartpunktBahnhof Porta Wesrfalica
ZielpunktBahnhof Rinteln
WegbeschaffenheitWald- und Wanderwege, wenig Asphalt
Aktualität03 / 2026

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