Ein Wiedersehen ohne Wiedererkennen – Der Deister im Winterkleid

Normalerweise erscheinen die Artikel hier chronologisch in der Reihenfolge, wann wir was unternommen haben. Für diesen Artikel mache ich aber eine Ausnahme, denn sicher wäre niemandem damit gedient, im März von einer Schneewanderung zu lesen. Der Artikel ist auch deshalb eine Ausnahme, weil man mich sonst niemals poisitiv über Schnee redem hört. In der Stadt mag ich das weiße Zeug absolut nicht.

Nun sollte es aber eine echte Schneetour werden und bei der Auswahl an höheren Lagen in erreichbarer Umgebung fiel die Wahl auf den den Deister. Dort war ich vor zwei und drei Jahren schon um den Deister Wanderpass zu erwandern. Somit wusste ich, im Deister gibt es -für hiesige Verhältnisse- durchaus ein paar Berge. Damit sollte die Region schneesicher sein.
Startpunkt dieser rund 14 km langen Wanderung ist der Bahnhof von Egestorf, wo wir nach dem Aussteigen bereits knöcheltief im Schnee standen. Soweit hatten wir also alles richtig gemacht.

Vom Bahnhof aus führt die Strecke für ein kurzes Stück durch den Ort, zweigt dann aber sehr bald schon in den Wald ab. Ich muss schon zugeben, was für eine Winterpracht! Dick in Schnee gepackte Bäume, weiß bemützte Wegweiser und weiterhin Schnee bis zu den Knöcheln. Eines war schnell klar, so schön die Tour wetternäßig werden würde, so anstrengend würde sie auch werden. Soweit ich mich erinnere, habe ich erst einmal eine Runde im Schnee gedreht, aber damals lagen im Vergleich gefühlt fünf Flocken nebeneinander. Das hier jetzt im Wald erinnerte sehr an den Teil der Fjoertoer am Strand in knöchelhohem Sand. Was habe ich damals nach nur zwei Kilometern geschimpft!

Auf komoot hatte die Runde einige Highlights gehabt, aber allmählich dämmerte uns, dass wir wohl nur wenige davon sehen würden. Einfach, weil überall Schnee drauf lag. Aber auf den Deister ist Verlass: Schilder können sie hier! So ist auch der Teufelssprung ausgeschildert und direkt vor Ort hängt noch ein Schild. Wer sich unterwegs ein wenig umschaut, der kann daran nicht vorbeilaufen. Für ein Foto mussten wir den Abdruck aber erst vom Schnee befreien. Man kann den Huf und den Fuß trotzdem nur schlecht erkennen. Die Legende besagt, dass einst Bergleute im Deister dem Teufel begegneten und ihn mutig in die Flucht schlugen. Auf seiner Flucht sprang der Teufel über den Deister. Darin hat das heutige Sprichwort „über den Deister gehen“ seinen Ursprung.

Was ist noch anstrengender als im Schnee zu wandern? Genau, im Schnee bergauf zu wandern. Es dauerte lediglich den ersten Anstieg, dann waren die Jacken auch schon aus und bei Maik sogar die Handschuhe. Daran habe ich mich nicht getraut, obwohl meine Hände glühten. Die Wanderung hat ihre Höhenmeter, aber es ist noch ganz erträglich. Außerdem gab es ringsum einen solch traumhaften Winterwald zu sehen, dass für reichlich Ablenkung gesorgt war. Tatsächlich waren wir auch in einem Teil vom Deister unterwegs, der mir überhaupt nicht bekannt vorkam von damals. Zuhause habe ich dann geschaut und festgestellt, hier war ich wirklich nicht gewesen auf meiner Stempeljagd.

Andere Wanderer haben wir auf der Runde extrem wenige gesehen, was uns sehr überrascht hat. Man sollte doch denken, wenn die Region mal so richtig Schnee hat, dann nix wie raus! Aber bis auf einig Spazier- und Gassigänger trafen wir auf der ersten Hälfte kaum jemanden. Ab und zu kam uns noch ein Schlittengespann entgegen, weil wo wir bergauf liefen, da konnte man aus der anderen Richtung natürlich prima bergab rodeln!
Als es plötzlich immer mehr Leute wurden, jung, alt, Familien, samt Hund und Co wurden wir misstrauisch. Sollte da etwa ein Parkplatz sein? Richtig! Direkt daneben lag ein waschechter Rodelhang und dort war dann plötzlich die Hölle los! Und der Schnee bretthart gefahren und rutschig wie der Teufel! Nichts wie dran vorbei! Aber vorsichtig!

Wo wir gerade beim Thema „vorbei“ sind, an unserem Abzweig zum Nordmannsturm sind wir auch vorbei gelaufen. Zum Glück kam etwas später noch ein weiterer Abzweig, den wir dann genommen haben. Er sollte außerdem zur sogenannten Teufelskanzel führen, was ganz interessant klang. Der Aufstieg zum Turm führte über einen schmalen Trampelpfad und hatte es anstiegsmäßig schon in sich. Die Teufelskanzel ist eine Felsklippe und da sie wie alles andere von Schnee bedeckt war, haben wir nur vom Weg aus einen Blick hinübergeworfen und sind direkt weitergelaufen. Wie gesagt, einige Highlights sah man durch den Schnee gar nicht.

Oben angekommen empfing uns Nebel. Für den erhofften Ausblick vom Turm über den überzuckerten Wald sah es ganz schlecht aus. Das Stück bis zum Turm war angenehm flach und so kamen wir bald dort an. Die Gaststätte am Turm hatte sogar geöffnet und es war richtig voll. Drinnen durfte man an diesem Tag nur mit Reservierung sitzen und so haben wir unsere Pommes und Currywurst auf die Schnelle draußen verputzt. Im Stehen wurde es doch ziemlich fix ziemlich kalt. Auf dem Turm waren wir nicht mehr, das hätte sich bei dem Nebel kaum gelohnt. Der Turm kostet € 0,50 Eintritt. Ich war auf meiner Stempeljagd auf dem Turm und kann sagen, das Geld lohnt sich! Wenn du bei klarer Sicht dort bist, dann lass es dir nicht entgehen!

Nach der Rast am Turm ging es für uns bereits auf den Rückweg. Nochmal an einem brechend vollen Rodelhang vorbei und in Richtung Egestorf. Unterwegs wurde uns klar: wenn wir so zügig weiterlaufen, dann würden wir viel zu früh am Bahnhof ankommen und etwa 45 Minuten in der Kälte auf den Zug warten müssen. So sehr konnten wir gar nicht trödeln um die restliche Strecke auf eine solch lange Zeit auszudehnen. Nach kurzem Überlegen entschieden wir, einen Bahnhof weiter in den Zug einzusteigen. Das waren 2 km zusätzlich, dafür aber weniger Wartezeit am Bahnhof. Aus diesem Grund ist die Wanderung keine richtige Runde von und nach Egestorf. Sie beginnt zwar dort, endet aber in Kirchdorf.

Parallel zur Bahnstrecke blieb die Tour genauso schön wie sie bis dahin gewesen war. Erst als wir Kirchdorf erreichten und das letzte Stück durch den Ort liefen, wurde es entsprechend ekliger. Auf nassen und matschigen Straßen, um rutschig gefrorene Pfützen und zwischen Häusern und Autos hindurch erreichten wir schließlich den kleinen Bahnhof von Kirchdorf. Nicht ganz 30 Minuten später kam dann auch der Zug.

Sicher sind uns unterwegs so einige Highlights aus der Planung entgangen, weil sie zugeschneit waren. Aber das größte Highlight der Tour war sowieso der Schnee, der den Deister in einen echten Winterwald verwandelt hatte. Solch eine Schneewanderung habe ich noch nie gemacht und es war wirklich super schön. Da fielen die paar Anstiege kaum ins Gewicht. Der Nordannsturm ist ideal für einen Einkehrschwung. Wenn du magst, dann nimm bei solchem Wetter unbedingt einen Schlitten mit! Es liegen einige Rodelhänge am Weg.

NameEin Wiedersehen ohne Wiedererkennen – Der Deister im Winterkleid (GPX)
Längeca 15 km
Aufstieg & Abstieg (lt Garmin)↑ 358 m ↓ 365 m
StartpunktBahnhof Egestorf
ZielpunktBahnhof Kirchdorf
WegbeschaffenheitWanderwege, Wanderpfade
Aktualität01 / 26
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