Auge in Auge mit dem Schwan! – Kajaktour auf der Elde

Mit stolzen 210 km ist die Elde der längste Fluss Mecklenburg-Vorpommerns. Sie verbindet die Region um die Müritz mit der Elbe. Dabei durchfließt sie mehrere Seen der Mecklenburgischen Seenplatte. Entlang der Elde gibt es einige Schleusen, die man in den meisten Fällen selbst bedienen muss. Daher ist es ratsam, sich vor einer Tour über die Schleusenzeiten zu informieren.

In unserem Urlaub im Mai sollte es mal wieder eine Kajaktour sein. Dazu kommen wir irgendwie viel zu selten. Nach einer kurzen Recherche stießen wir auf das Kanuteam Plau am See, das neben Kanus und SUPs auch Kajaks vermietet. Außerdem findet man direkt auf der Internetseite ein paar Tourentipps. Das ist besonders praktisch, wenn man sich wie wir in der Gegend wenig oder gar nicht auskennt.

Unsere Wahl fiel auf die 11 km lange Tour von der Verleihstation bis zur Barkower Schleuse und zurück. Wobei anfangs noch nicht feststand, ob wir die Schleuse mitnehmen würden. Ich finde Schleusen immer irgendwie unheimlich. Mir war bei dem Gedaken nicht sonderlich wohl zumute, mit dieser kleine Nussschale in einem Schleusenbecken zu dümpeln.

Nach einer kurzen Einweisung konnten wir bereits mit unserem Kajak ablegen und nach ein paar Minuten waren wir auch schon wieder drin im Paddeln. Die Elde war unsere inzwischen dritte Kajaktour und einmal mehr eine perfekte Tour für Anfänger. Dass der Fluss überhaupt Strömung hatte, konnte man nur stellenweise gerade so erkennen. Ansonsten lag eine komplett glatte Fläche vor uns und so kamen wir recht zügig voran. An den Ufern der Elde ist auf dieser Paddeltour so gut wie gar nichts los. Zu Beginn verläuft noch ein Weg parallel zum Fluss, aber wirklich nur auf den ersten paar Metern. Danach ist es rechts und links herrlich ruhig bis auf die üblichen Naturgeräusche.

Dafür dauerte es nicht lange bis wir auf dem Wasser Gesellschaft bekamen. Eine ganze Reihe von Booten kam uns entgegen. Das war verständlich, denn in der Woche zuvor hatte es fast durchgängig geregnet. Da lichtet man natürlich sofort die Anker, wenn ein sonniger Tag vorhergesagt ist. Das hatten wir genauso gemacht. Auch für uns war es in der Wetter-App der einzig sonnige Tag gewesen. Auch wenn unsere Kanutour im strömenden Regen in 2024 ein echt turbulentes Abenteuer war, bei schönem Wetter macht es auf dem Wasser schon deutlich mehr Spass. Bei dieser Gelegenheit möchte ich bei Ausflügen auf dem Wasser und Sonnenschein dringend zu Sonnenschutz raten. Nur weil wir das regelmäßig vergessen, musst du das ja nicht unbedingt nachmachen!

Schwäne haben wir eigentlich auf jeder Bootsfahrt schon getroffen. Es ist erstaunlich, wieviel Respekt einem diese Tiere einflößen. Dabei ist es ja eigentlich nur ein sehr großer weißer Vogel. Aber man hört ja doch gelegentlich gewisse Schauergeschichten über angriffslustige Schwäne. Der erste Schwan auf der Elde zog aber einfach in aller Ruhe längsseits vorbei und gönnte uns lediglich einen hochmütigen Seitenblick. Wer mit so tollen Platschfüßen schwimmt und steuert, der kann über einen Plastikkahn mit sperrigen Paddeln vermutlich nur müde lächeln. Soweit ein Schwan halt lächeln kann.

Während uns immer mal wieder weitere Boote entgegenkamen, trafen wir auf dem Hinweg keinen einzigen anderen Paddler. Aber wir waren auch früh dran, was ein Grund sein könnte. Dass uns die Boote immer in Grüppchen entgegenkamen, verstanden wir erst gar nicht. Doch dann erinnerten wir uns an die Schleuse. Vermutlich waren es immer kleine Schleusengruppen auf ihrem Weg zum Plauer See. Wenn dir für deine Kajakfahrt auf der Elde nicht nach Fluss zumute ist, sondern eher nach See, dann hat der Kanuverleih auch einige Routen auf der Seite, die zum Plauer See führen. Diese Touren sind dann aber eher Tagestouren um die 7 Stunden.

Auf der Karte war uns ein „Abzweig“ auf die Alte Elde aufgefallen. Um etwas Abwechslung in die Fahrt zu bringen, planten wir diesen kleinen Schlenker spontan ein. Nur um dann vor Ort festzustellen, dass das nicht funktioniert. Hier gibt es ein Wehr und wenn auf einem Schild etwas von Lebensgefahr steht, dann nimmt man das besser ernst. So sind wir also weiter der Elde gefolgt. Inzwischen stand der Entschluss fest: wir nehmen die Schleuse Barkow mit. Es war mir nicht geheuer, andererseits wollte ich mir das Abenteuer und unsere erste Schleusung nicht entgehen lassen. Man weiß schließlich nie, zu welchen Schleusen kommende Kajaktouren noch führen werden. Da hat man dann vielleicht keine Wahl.

Was soll ich sagen? Die Schleuse entpuppte sich als komplett ungruselig. Gemeinsam mit unserer kleinen Jolle wurden noch zwei größere Motorboote geschleust und das Pärchen auf dem Boot direkt vor uns war spontan zu einem kleinen Plausch bereit. So erfuhren wir, dass die Barkower Schleuse im Vergleich z.B. zur Schleuse Bobzin wirklich eine Anfängerschleuse ist. Wir konnten uns entspannt seitlich an einer Stange festhalten. Hätte man es an den Wänden nicht gesehen, hätte man kaum gemerkt, dass es abwärts ging. Außerdem erzählte die Frau uns, dass es ihnen vor einer Weile sogar eine große Bootsveranstaltung verregnet hatte. Das Wetter hatte im Mai beim besten Willen noch keinen Bock auf Frühsommer.

Kurz hinter der Schleuse Barkow gibt es einen Wendehafen, wo man für den Rückweg umdrehen kann. Es gibt hier einen Steg, an dem man das Kajak für eine Pause festmachen kann. Das haben wir auch gemacht um in Ruhe etwas zu trinken und ein paar Riegel zu verputzen. Diese kleinen Salzbrezeln waren natürlich ebenfalls wieder im Proviant. Irgendwie schleichen sie sich jedes Mal ein, wenn es aufs Wasser geht. Aber sie sind halt auch wirklich lecker!
Allzu lange haben wir uns nicht aufgehalten, dann ging es bereits auf die Rückfahrt und damit ein zweites Mal in die Schleuse. Dieses Mal hatten wir sie für uns.

Auf dem Rückweg hatten wir dann doch paddelnde Gesellschaft. Ein Pärchen vor uns kämpfte sichtlich mit den Paddeln und dem richtigen Rhythmus. Aber sie schienen dabei mächtig viel Spass zu haben und irgendwie kamen sie doch voran. Bei dieser Begegnung blieb es bei einem kurzen Gruß, dann waren wir an den beiden vorbei. Ich weiß nicht, wer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, dass Bootsfahrer arrogant sind. Wir haben bisher unterwegs immer nur nette Leute getroffen. Auf dieser Tour auf der Elde und auch sonst, wenn wir mit Boot oder SUP unterwegs waren.

Und dann war er plötzlich da! Der Schwan! Direkt neben uns. Und er hielt Kurs geradewegs auf unser Kajak zu! Wir hielten die Paddel zur Sicherheit ruhig und warteten ab. Man muss so ein Tier schließlich nicht mit komischen Bewegungen provozieren. Ich könnte mich ja immer totlachen, wenn ich diese großen Watschelfüße sehe. Wie können Füße so goldig sein? Für Menschenfüße habe ich gar nichts übrig. Tierfüße dagegen finde ich so süß! Der Schwan kam unterdessen immer näher und beäugte uns interessiert. Wir guckten vermutlich ziemlich dumm zurück. Sonderlich auf Krawall gebürstet schien das Tier nicht zu sein.
Etwa zwei Meter vor unserem Boot drehte der Schwan schließlich ab und würdigte uns keines weiteren Blickes. Wie war das noch? Auf dem Wasser ist niemand arrogant? Außer den weißen Herrschaften mit den Schwimmhäuten zwischen den Zehen und dem langen Hals.

Am Kanuverleih sind wir auf dem Rückweg noch ein Stück weit vorbeigepaddelt. Gleich dahinter beginnen die Gärten der Anwohner am Fluss. Bin ich die einzige, die gerne in fremde Gärten spinstet? Vor allem in Gärten direkt an Flüssen. Da gibt es oft so spannende Sachen zu entdecken. Neidisch bin ich dann auch immer. Es muss so toll sein, den Fluss direkt hinter dem Haus zu haben. Schönes Wetter? Dann raus aufs SUP oder rein ins Kajak! Ohne große Planung, ohne lange Anfahrt, ideal! Vor allem natürlich im Sommer. Und ein absolut handfester Grund, sich ein Kajak anzuschaffen. Diese Idee spukt mir ja seit unserer ersten Kajaktour im Kopf herum.

Zurück am Verleih holten wir das Kajak aus dem Wasser und putzten es mit dem bereitliegenden Schwamm sauber und so trocken wie möglich. Einen Eimer mit Putzwasser gab es ebenfalls. Das gehört zum guten Ton, dass man nach der Tour das Boot wieder in Schuss bringt und die Arbeit nicht dem Verleiher überlässt.

So endete eine entspannte Kajaktour auf der Elde, von der wir bis dahin noch nie gehört hatten. Sonderlich aufregend geht es auf diesem Teil der Elde nicht zu, das muss man ganz ehrlich so sagen. Dafür ist es aber die ideale Anfängertour auf einem wunderbar ruhigen Fluss und entlang unfassbar grüner Ufer. Etwas Spannung bringt die Schleuse Barkow ins Geschehen, jedenfalls wenn man zuvor noch in keiner Schleuse war. Einen Pausenplatz haben wir unterwegs nicht gesehen, aber im Wendehafen kann man gut eine Rast einlegen. Wenn man ein Sitzkissen dabei hat, kann man auf dem Gittersteg ganz gut sitzen und die Beine baumeln lassen.

NameAuge in Auge mit dem Schwan! – Kajaktour auf der Elde (GPX)
Längeca 11 km
Start- & ZielpunktKanuteam Plau am See, Lübzer Chausse, 19395 Plau am See
VerleihKanuteam Plau am See
PreisKajak / Stunde € 10,00, Kajak / Tag € 35,00


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